Das Thema des Monats
Kostenfalle Technik: Wer schützt unsere Kinder? (01.10.2004)
Computer, Handy, Internet - für Kinder und Jugendliche heute keine Fremdkörper, sondern eher eine Selbstverständlichkeit. So selbstverständlich wie Fahrrad, Füller, Fernseher. Alltag eben. Moderne Kommunikationsmedien gehören für junge Menschen heute zum Leben einfach dazu. Niemand muss sie vor den Rechner zwingen, ihnen schlecht geschriebene Handbücher in die Hand drücken oder Software erklären. Die meisten bringen sich das Nötige selbst bei - aus Neugierde, und weil alle anderen in der Schule darüber sprechen.
Vor allem das Handy erzeugt hohe Kosten
Kinder und Jugendliche haben keine Angst vor der neuen Technik. Sie wissen, die Möglichkeiten auszuschöpfen. Oder zumindest: Einen Teil der Möglichkeiten. Zumindest jenen Teil, der sie konkret interessiert und begeistert. Kommunikation und Unterhaltung sind die wichtigsten Themen. E-Mail, SMS, MP3-Musik - alles kein Problem. Jugendliche wissen, wie das geht. Wie alles funktioniert. Wie sie an die Sachen kommen, die sie konkret interessieren. Niemand muss es erklären. Jedenfalls ganz bestimmt nicht Eltern oder Lehrer.
Was ihnen aber mal jemand erklären muss, das sind die leider oft unvermeidlichen Folgen. Insbesondere, was die Kosten betrifft. Noch nie waren Jugendliche so hoch verschuldet wie heutzutage. Kein Wunder, schließlich gibt es Handy, Mobilfunk und SMS-Versand nun mal nicht umsonst. Im Internet ist vieles gratis zu haben, zumindest wenn man nicht die Frage nach Legalität stellt. In der Handywelt sieht es anders aus: Da kostet jedes Hintergrundbildchen, jede trendige Klingelmelodie, jedes verschickte SMS-Foto richtig Geld.
Ein Kartell der Abzocke: Gepfefferte Preise für eher nutzloses Zeug
Die Betreiber langen gerne und beherzt zu. 1,50 Euro für einen Pixelhaufen, 3 Euro für eine gepiepste Hiphop-Melodie. Hier ein paar Cent für einen Chat, dort ein paar Cent für eine MMS. Da kommt ordentlich was zusammen. Kinder und Jugendliche erfassen die Tragweite allerdings oft nicht - und merken erst zu spät, wie schnell die Kostenfalle zu-schnappt. Es hilft nichts: Eltern und Schule müssen so etwas thematisieren. Schließlich sind diese Mechanismen nicht weiter ungewöhnlich: Geschäftemacher gibt es überall. Und abgezockt wird, wo sich die Gelegenheit bietet.
Allerdings ist auch die Frage erlaubt, wieso es den Geschäftemachern eigentlich so leicht gemacht wird, die hauptsächlich jugendliche Klientel auf diese Weise zu schröpfen. Dabei ist es doch offensichtlich, dass Methode dahinter steckt. Doch kaum einer schreit wirklich auf. Stattdessen schauen alle unbekümmert zu, wie Telekommunikationsriesen, Mobilfunkfirmen und Nischenanbieter kartellähnlich am Trend 'Kommunikation' verdienen. Gnadenlos wird der Jugend das Geld aus der Tasche gezogen.
Jugendliche müssen vor Kostenfalle gewarnt und geschützt werden
Man kann argumentieren, dass in einer freien Marktwirtschaft nun mal das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt. Wer für Nonsens viel Geld ausgeben will, soll das dürfen. Schließlich gibt es zahlreiche Beispiele, wo ebenfalls unanständige Preise verlangt werden: In der 'Erotik'-Branche zum Beispiel, aber auch beim Glücksspiel - oder wo sich vor allem Touristen aufhalten. Doch wenn so eindeutig nahezu ausschließlich ein vor allem jugendliches Publikum angesprochen - und geschröpft! - wird, sollte doch auch Jugendschutz oder Fürsorgepflicht eine Rolle spielen. Doch: Fehlanzeige.
Es geht nicht an, dass windige Geschäftemacher an 'Premium-SMS' so viel Geld verdienen dürfen. Hier schicken Mobilfunkkunden eine Nachricht an eine 5-stellige SMS-Nummer - und erzeugen so Kosten von mehreren Euro, wohlgemerkt pro verschickter SMS! Niemand klärt ausreichend über die tatsächlich anfallenden Kosten auf. Niemanden juckt es, dass hier vor allem Jugendliche abgezockt werden. Ungeniert, dreist und kalkuliert. Freiwillige Selbstkontrolle scheint nicht zu funktionieren. Auch die großen Mobilfunkanbieter schlagen keinen Weg vor, wie sich das Problem in den Griff bekommen ließe. Klar, sie verdienen schließlich mit.
Der Gesetzgeber sollte einschreiten - denn freiwillig passiert nichts
Vorschlag: Warum nicht gesetzlich vorsehen, dass Mobilfunkanschlüsse von Jugendlichen keine Kosten über 50 Cent pro Minute und/oder pro Transaktion, etwa beim Verschicken oder Empfangen von SMS-Nachrichten, Fotos oder Daten berechnen dürfen? Was wäre so schlimm daran, eine solche Hürde einzubauen? Schließlich gibt es auch andere Jugendschutzgesetze. Nur: Die haben sich seit Jahrzehnten nicht verändert.
Es ist aller höchste Zeit, dass etwas passiert. Sonst beginnt eine ganze Generation ihr Arbeitsleben mit einem Schuldenberg.
Links
- http://www.dialerschutz.de/home/Premium-SMS/body_premium-sms.html
Dialerschutz informiert über Kostenfalle Premium-SMS.









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