Freitag, 10. Februar 2012

Das Thema des Monats

Kostenfalle Suchmaschine (19.01.2004)

Kinder und Jugendliche lieben das Internet. Kein Wunder, schließlich gibt es dort jede Menge interessanter Dinge zu entdecken. Spaß und Unterhaltung per Mausklick. Aber auch für Recherchen eignet sich das World Wide Web hervorragend - etwa für die Hausaufgaben. Viele Schülerinnen und Schüler rufen deshalb die Suchmaschine ihres Vertrauens auf und geben 'Hausaufgaben' ein.

Folgenreiche Recherche im Netz: Ein Dialer will sich installieren

Doch genau das kann folgenreich sein. Denn die Webseiten, die von den Suchdiensten nach Eingabe dieses Stichworts angepriesen werden, sind immer öfter kostenpflichtige Angebote - nur dass das nirgendwo ausdrücklich steht. Stattdessen versucht es sich ein Dialer auf der Festplatte gemütlich zu machen, sobald die Kids auf der optisch ansprechenden Seite Menüpunkte und Bilder anklicken. Der Hinweis 'Zutritt nur ab 18' am unteren Bildschirmrand, etwa bei hausaufgaben.de, sollte halt skeptisch machen. Nur: Wer achtet schon darauf?

Solche Abzockversuche sind leider nicht die Ausnahme, sondern entwickeln sich allmählich zur Regel. Wer populäre Schlagwörter wie 'Rezepte', 'Kochen', 'Fun', 'Games', 'SMS', 'Handy', 'Hausaufgaben', 'Grußkarten' oder 'Gewinnspiele' in den Suchdienst eintippt, muss damit rechnen, dass die Mehrzahl der präsentierten Fundstellen hoch kommerzielle Webseiten sind, die dem Besucher einen Dialer unterjubeln wollen. Kostenpunkt: Meist 1,99€ pro Minute. Denn mehr lässt der Gesetzgeber nicht zu.

Formal ist alles in Ordnung: Die Dialer sind sogar registriert

Die meisten Dialer sind formal sogar in Ordnung. Der Benutzer muss 'OK' eintippen. Der Dialer kostet weniger als 2 Euro pro Minute - und informiert über die Kosten, wenn auch nichts besonders ausführlich. Außerdem ist der Dialer bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) registriert, leicht zu erkennen am so genannten 'Hashcode'. Einer langen Zahlenkolonne, die den Treiber 'signiert'. Damit nach der Re-gistrierung keine Änderungen daran vorgenommen werden können.

Wenn der Dialer nun auch noch eine 09009-Nummer verwendet, sind alle formalen Bedingungen erfüllt. Wer mit einem solchen Dialer online geht, muss auch für die Kosten aufkommen. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder unbedingt vor diesen Gefahren warnen. Zwei, drei Mal 'OK' eingetippt - schon kostet jede Onlineminute knapp zwei Euro. Das würde zweifellos eine teure Hausarbeit.

So funktionieren Suchmaschinen

Viele stellen sich da die berechtigte Frage, wieso die Suchdienste denn solche Angebote empfehlen. Die Antwort ist ernüchternd: Weil sie es kaum verhindern können. Dazu muss man wissen, wie Suchmaschinen überhaupt funktionieren. Nachdem ein Suchbegriff ein-getippt wurde, durchsuchen sie nicht etwa das gesamte Internet, sondern schauen in einer ständig aktualisierten Datenbank nach - einer Art elektronischem Schlagwortregister. Je nachdem, wie oft die eingetippten Suchbegriffe auf der Webseite vorkommen und wie populär die Webseite ist, erscheint der Treffer entsprechend weit oben in der Liste.

Es handelt sich also nicht um eine subjektive Empfehlung einer Redaktion, sondern um eine aufgrund von mathematischen Methoden ermittelten Beurteilung, wie passend die Webseite aufgrund der eingetippten Suchbegriffe ist. Leider lässt sich diese Beurteilung einigermaßen einfach manipulieren. Dazu verstecken die Webseitenbetreiber populäre Suchbegriffe in entsprechenden HTML-Befehlen auf ihrer Webseite, quasi als offizielle Indexeinträge. Doch niemand prüft, ob diese angegebenen Stichwörter auch wirklich Thema auf der Webseite sind.

Suchmaschinen werden in die Irre geführt

Ein anderer Trick: Google und manche andere Suchmaschine berücksichtigt auch die Popularität einer Webseite. Je öfter auf eine Webseite verlinkt wird, so die Idee, desto etablierter und populärer ist sie - und um so höher erscheint sie in der Trefferliste. Lange Zeit hat dieses Bewertungsprinzip auch gut funktioniert. Aber mittlerweile wissen viele Betreiber, wie sie die automatischen Suchdienst an der Nase herum führen können. Sie gaukeln ihnen Popularität vor, indem sie zig Server anmieten und gegenseitig verlinken. So entsteht eine vermeintliche Popularität, die faktisch gar nicht existiert.

Die Suchmaschinenbetreiber sind sich dieses Problems durchaus bewusst. Doch von heute auf morgen lässt sich dafür keine Lösung finden. So wird es also noch eine ganze Weile gefährlich sein, Suchdienste mit populären Suchbegriffen zu füttern. Die Zeiten, in denen Internetbenutzer sorglos jede Empfehlung von Google und Co. anklicken konnten, sind also vorbei. Deshalb einmal mehr: Augen auf beim Surfen im Web.

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