Das Thema des Monats
Viel zu teurer Fotospaß (08.01.2004)
Das ist schon kein Trend mehr, sondern ein regelrechtes Massenphänomen: Immer mehr Leute haben heute ein modernes Foto-Handy in der Tasche. Kein Wunder, schließlich scheinen die allzeit knipsbereiten Mobiltelefone mittlerweile recht erschwinglich zu sein. Wer genau hinschaut, entdeckt in den Schaufenstern der Elektrohändler edle Luxus-Handys für wenige Euro.
Aber nicht nur in den einschlägigen 'Geiz-ist-geil'-Supermärkten, auch auf der Webseite mancher Mobilfunkfirma wird das ein oder andere Hightech-Sahnestückchen für kleines Geld feilgeboten. Da können viele verständlicherweise nicht widerstehen - und langen zu. Vor allem Jugendliche. Neuer oder verlängerter Mobilfunkvertrag in der Regel inklusive. Schließlich will niemand außen vor bleiben, wenn alle fleißig handygrafieren und sich gegenseitig Bilder zuschicken.
Foto-Handys sind ein echter Renner
Keine Frage: Mal eben ein Foto zu machen und das Bild zu schicken, das hat schon was. Das macht Spaß und befriedigt ein Urbedürfnis des Menschen nach Kommunikation. Erstmals lassen sich Bilder innerhalb von Sekunden um die ganze Welt schicken. Die Werbung schlachtet das Interesse und die Neugierde der Menschen an den neuen Mög-lichkeiten gnadenlos aus. Handyhersteller und Mobilfunkfirmen zeigen in Anzeigen und Werbespots, was sich mit so einem Foto-Handy alles anstellen lässt.
Da will keiner zum Spielverderber werden und darüber meckern, dass die Bildqualität in der Regel alles andere als berauschend ist. Mit den gestochen scharfen Aufnahmen, die den Knipshandys in der Werbung stets gelingen, haben die echten Handyaufnahmen jedenfalls nicht viel zu tun. Aber kaum einen kümmert's. Schließlich geht es hier um Momentaufnahmen, die im Bild festgehalten und ruckzuck anderen gezeigt werden sollen. Und diesen Job erledigen moderne Foto-Handys zweifellos ganz hervorragend.
Das Geschäft des Jahrhunderts für Mobilfunkfirmen
Vielleicht sogar zu gut. Denn wer erst mal ein Handy mit Fotolinse in der Tasche hat, der knipst auch - sonst hätte man sich ja auch gleich ein kleineres Handy zulegen können. Zur Freude der Die Mobilfunkfirmen, deren Netze immer besser ausgelastet sind. Die MMS-Server quietschen unter der Last der Bilderflut. Nach Weihnachten und Neujahr gab es sogar regelrechte Kapazitätsengpässe. Darum erweitern die Provider ihre Infrastruktur, um noch mehr Bilder transportieren zu können.
Ein gutes Geschäft für die Mobilfunkfirmen. Und das ist noch vorsichtig formuliert. Kein Wunder, das T-Mobile, Vodafone und Co. derzeit die neue Handygeneration so generös bewerben und die Neuanschaffung großzügig subventionieren. Bei näherer Betrachtung wundert es einen dann nicht mehr, dass die Werbespots selten von namhaften Handyherstellern kommen, sondern fast immer von Mobilfunkanbietern.
Teure Minifoto: Zwischen 0,39 und 3,59 Euro
Die Kosten für den mobilen Fotospaß sind erheblich. Jedes einzelne als MMS-Nachricht verschickte Foto kostet mindestens 0,39 Euro. Und das im günstigsten Fall. Qualitativ hochwertigere Bilder, mit einer höheren Auflösung etwa, schlagen schon mit 0,99 Euro zu Buch (ab 30 KByte Dateivolumen). Je nach Bildgröße können die Kosten locker auf bis zu 1,29 Euro hoch schnellen - wenn der Empfänger in einem anderen Netz telefoniert zum Beispiel. Wohl gemerkt: je Foto und Empfänger!! Einen Abzug auf Papier gibt es für weniger.
Da können schnell erhebliche Beträge zusammen kommen. Wer sogar Videos verschickt oder aus dem Ausland Bilder auf den Weg bringt, zahlt noch mehr. Einmal von der Berghütte aus auf den Menüpunkt 'Versenden' aufgerufen - schon stehen 3,59 Euro auf der Telefonrechnung. Auslandszuschläge. Roaming-Gebühren. Das böse Erwachen kommt erst Wochen später, wenn die Telefonrechnung ins Haus flattert. Im Handy selbst lassen sich die Kosten weder vorher nach nachher kontrollieren.
Sinnvoll: Kosten nach jedem Gespräch und Foto anzeigen
Das Foto-Handy kann ganz leicht zur Kostenfalle werden. Vor allem Jugendliche haben sich da schnell um Kopf und Kragen geknipst, weil sie die Kosten nicht im Blick haben. Deshalb ist die jüngste Idee von Verbraucherschutzministerin Renate Künast nicht nur eine Überlegung wert, sondern sogar sehr gut. Künast hat vorgeschlagen, dass Mobilfunkbetreiber nach jedem Telefonat und nach jeder verschickten Nachricht die konkret entstandenen Kosten anzeigen müsse. Das könnte ausgesprochen lehrreich sein.









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