Freitag, 10. Februar 2012

Thema des Monats

Jugendschutz im Internet  (03.09.2007)

Es ist schon ein bisschen absurd: Auf der einen Seite scheut der Bundesinnenminister weder Kosten, noch Mühen, wenn es um die Realisierung seines Lieblingsprojekts "Bundestrojaner" geht. Politischer Gegenwind spielt auch keine Rolle. Da wird mit aller Macht versucht, ein Kontrollinstrument an den Start zu bringen, das selbst nach Aussagen von BKA-Chef Jörg Ziercke nur einige wenige Male im Jahr zum Einsatz kommen soll. Ein kompliziertes, schwer zu kontrollierendes Software-Werkzeug, das einige wenige potenzielle Terroristen und Kriminelle auszuspionieren soll.

Alltägliche Bedrohungen werden kaum beachtet

Verbotsschild auf der Games Convention 2007; Rechte: Internet-ABC

Auf der anderen Seite gibt es unzählige Inhalte im Netz, die täglich Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland "bedrohen" - aber nichts passiert. Nazipropaganda, Pornografie, Gewaltverherrlichung - nur drei Beispiele für jugendgefährdende Inhalte, die jeder zuhauf im Internet finden kann. Wohl niemand wird widersprechen wollen, dass Kinder und Jugendliche davor geschützt werden müssen. Es geht nicht um Zensur oder eine Überregulierung des weltumspannenden Internet, sondern um ein Mindestmaß an Jugendschutz, der schließlich auch einen Wert darstellt (oder darstellen sollte).

Es ist schon bedenklich, wenn in Videoplattformen wie Youtube, Google Video oder den vielen anderen Online-Flimmerdiensten massenweise Videos mit jugendgefährdenden Inhalten abrufbar sind, ohne jede Alterskontrolle. Nazis nutzen die Plattform, um Hetzfilme online zu stellen. Es gibt jede Menge Inhalte, die nicht nur den guten Geschmack verletzen, sondern oft auch geltendes Recht. Gegen die "Spielregeln" der Videoplattformen, auf denen diese Videos eingestellt werden, verstoßen diese Filme in der Regel auch noch, denn alle Anbieter schließen das Hochladen solcher Inhalte ausdrücklich aus. Zwar versprechen alle Anbieter unisono, gemeldeten Verstößen schnellstmöglich nachzugehen, doch scheint das allzu oft nicht mehr als ein leeres Versprechen zu sein. Jugendschützer bemängeln, dass Anbieter wie Google so gut wie nie auf Anfragen oder Beschwerden reagieren, und wenn, dann nur sehr träge.

Es müssen Lösungen für funktionierenden Jugendschutz her

Angesichts der schier unglaublichen Massen an Videos, die jeden Tag im Internet hochgeladen werden, ist es natürlich nicht wirklich vorstellbar, dass jedes hochgeladene Video erst von einem Menschen gesichtet, begutachtet und freigegeben wird. Das ist nicht praktikabel. Auf begründete Beschwerden jedoch muss zügig reagiert werden. Eigentlich sofort. Warum nicht erst mal sperren, dann sichten und ggf. wieder freigeben, falls es sich um ein Missverständnis handelt? Stattdessen passiert oft nichts.

Darum müssen dringend Kontrollmechanismen her, die einigermaßen mit dem rasanten Tempo und Wachstum des Mediums Internet Schritt halten können. Es sind Ideen gefragt. Mit alten Denkmustern und Methoden aus der Vergangenheit kommt man nicht weiter. Warum nicht ein Heer von Freiwilligen rekrutieren (es gäbe sicher genug, dafür sind im Web meist nur minimale Anreize nötig), die von Usern als bedenklich gemeldete Inhalte zeitnah bewerten? Jede Meldung wird von mehreren freiwilligen Gutachtern gesichtet. Wenn mehr als ein Gutachter Bedenken hat, kann das Video gesperrt werden - oder freigegeben, wenn es keine ernsthaften Beanstandungen gibt. In Zweifelsfällen, oder wenn es konkreten Streit gibt, könnte ein offizieller Mitarbeiter sich der Sache annehmen. Auf diese Weise würde man nicht so viel Zeit verlieren.

Inhalte müssen kontrolliert werden - so oder so

Nur ein Vorschlag, wie sich das Problem in den Griff bekommen lässt. Die Betreiber der großen Online-Videoportale könnten aus den Erfahrungen von Wikipedia lernen: Auch hier werden Kontrollmechanismen erarbeitet, um Manipulationen oder Verstöße schneller zu entdecken und zu beheben. Die Videoportale brauchen Vergleichbares. Übrigens auch, um Verstöße gegen den Urheberschutz zu vermeiden. Schließlich drohen Milliardenklagen, wenn weiterhin im großen Stil Fernsehsendungen kopiert und unerlaubt in den Videoportalen hochgeladen werden.

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