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Thema des Monats

Augmented Reality - Wenn die Wirklichkeit mit dem Internet verschmilzt (03.09.2009)

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Neue Trends kündigen sich im Internet meist durch erste Feldversuche an: Da experimentieren Tüftler etwas herum, stellen die ersten Ergebnisse ins Netz, die Leute diskutieren - und ehe man sich versieht, wird eine Bewegung daraus. So war das mit "Geotagging", also der GPS-Verortung von Fotos und Videos und so scheint das jetzt auch mit "Augmented Reality" zu sein.

Bild eines Blattes: gezeichnet oder fotografiert; Rechte: Internet-ABC

Viele übersetzen "Augmented Reality" (AR) mit "erweiterte Realität". Gemeint ist die geschickte Vermischung von wirklicher und virtueller Realität. Was sich zunächst abstrakt anhört, könnte in naher Zukunft für jeden Handynutzer selbstverständlich sein. Denn spezielle Programme für Smartphones wie iPhone oder Android-Geräte machen aus den Mobiltelefonen clevere AR-Geräte. Sie schieben eine zusätzliche Ebene zwischen unser Auge und dem, was wir im Display der Handys sehen.

iPhone präsentiert im Display zusätzliche Infos

Ein konkretes Beispiel macht deutlich, was dahinter steckt: Wer vor einem Gebäude wie dem Brandenburger Tor steht und das Bauwerk mit der Fotokamera einfängt, sieht im Display neben dem eigentlichen Motiv diverse historische und architektonische Informationen. Die echte Wirklichkeit, das Brandenburger Tor, wird um eine weitere, virtuelle Realität ergänzt, die Einblendungen von Infos im Display.

Die Idee ist längst mehr als nur ein Konzept. Neben konzeptionellen Entwürfen
sind schon bereits zahlreiche konkrete Anwendungen entstanden, vor allem für Apples iPhone und Handys mit dem Google-Betriebssystem Android. Diese Modelle eignen sich aufgrund ihrer Vielseitigkeit besonders gut für die neue Technik.

Wenn das iPhone den Weg weist

Für das Apple-Handy gibt es bereits einige Anwendungen. So zeigt etwa das Tool TwittARound, wer gerade in der Nähe Twitter-Meldungen absetzt. Durch die Kamera geschaut sieht der Anwender am Horizont Twitter-Avatare, die anzeigen, in welcher Richtung und Entfernung sich der jeweilige Twitter-User befindet. Tweets dieses Nutzers können gleich auf dem Display gelesen werden.

Spannend auch eine Anwendung namens "Nearest Tube". Hier sieht der Benutzer im Display des Handys den Weg zur nächsten U-Bahnstation. Kleine Pfeile im Bild weisen den Weg. Man erfährt, wie weit die Station entfernt ist und welche U-Bahnlinien dort halten. Sobald der Benutzer die Kamera auf den Boden richtet, erscheinen im Display Richtungspfeile, die direkt zur Station führen. Eine ähnliche Anwendung gibt es auch für das Liniennetz von New York.

Gesichter erkennen - und den Namen dazu herausfinden

Augmented Reality kann aber noch mehr, etwa Gesichter erkennen. Das schwedische Unternehmen The Astonishing Tribe entwickelt ein iPhone-Programm namens Augmented ID. Richtet der Anwender die Handy-Kamera auf eine Person, versucht das Programm das Gesicht zu erkennen. Es kommt eine Technik zum Einsatz, die auch Flickr-User bei der automatischen Erkennung von Gesichtern auf Fotos nutzen können. Hat Augmented ID die Person identifiziert, werden zusätzliche Informationen angezeigt, die der andere freigegeben hat. Das können etwa Telefonnummern oder E-Mail-Adressen, aber auch Links zu Profilen auf Facebook oder Last.fm sein.

Einen Haken gibt es allerdings noch: Bislang laufen AR-Programme auf offiziellen iPhones nicht, weil Apple externen Anwendungen den Zugriff auf das Videobild verweigert. Der ist aber wichtig, um Ebenen darüber zu legen. Lediglich über das unerlaubte Hacken der Firmware gelingt es Entwicklern, AR-Apps laufen zu lassen. Möglicherweise will Apple dies aber mit der nächsten Firmware-Version erlauben. Das wäre der offizielle Startschuss für AR-Programme auf dem iPhone.

Alles, was nötig ist: Ein Handy mit Kamerafunktion und GPS

Um das Handy als Gerät für Augmented Reality zu nutzen, muss das Mobiltelefon mit Kamera und GPS-Empfänger ausgestattet sein. Das ist bei nahezu allen modernen Handys der Fall. Die Kamera fängt die Realität ein, die auf dem Display um Informationen erweitert wird. Handy-Cam und Software machen also eine zusätzliche Ebene sichtbar, die mit bloßem Auge nicht zu sehen ist - und in Wirklichkeit ja auch gar nicht da ist.

Da viele AR-Programme standortbezogen Dienste anbieten, muss ein GPS-Chip die eigene Position bestimmen. Ähnlich wie bei einem Navigationsgerät erfährt das Handy somit, wo es gerade ist. Nur so können etwa Lokalitäten in der Nähe angezeigt werden. Zusätzlich nutzen Anwendungen wie Nearest Tube den digitalen Kompass des iPhone, um zu wissen, in welche Richtung der Benutzer schaut. Nur so können ihn Pfeile zum Ziel führen. Selbst in Spielen könnte die neue Technologie Einzug halten.

Es tun sich unglaublich viele neue Möglichkeiten auf, die interessant sein können. Die ein oder andere Möglichkeit mag auch erschrecken, etwa die Gesichtserkennung, die es erlauben könnte, völlig Fremde auf der Straße zu identifizieren. Da kann schnell aus einem Spaß eine bedenkliche Technologie werden. Jedenfalls sollten wir uns schon mal mit dem Gedanken anfreunden, dass echte und virtuelle Realität schon bald weiter zusammenwachsen werden.

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