Samstag, 31. Januar 2015

Jugendschutz

Welchen Gefahren sind Kinder im Internet ausgesetzt?

Schild: Vorsicht; Rechte: Find-das-Bild.de / Michael Schnell

In den Anfangszeiten des Internets gab es kaum einen Artikel über das neue Medium, das nicht die Gefahren für Kinder in den Mittelpunkt stellte.

Heute, wo es für die meisten Erwachsenen und Kindern zum alltäglichen Medium geworden ist, malen nur noch wenige den Teufel an die Wand. Die Haltung der Medienpädagogen ist differenzierter geworden, und Eltern, Lehrer und auch Kinder sind kompetenter als in den ersten Jahren. Dennoch gibt es im Netz Gefahrenpotenziale, über die Sie Bescheid wissen sollten.

(Diskutieren Sie mit - am Seitenende!)

Gefahrenpotenzial: Ungeeignete Inhalte

Pornographie, Gewaltszenen und rassistische oder andere aufhetzende Inhalte sind für Kinder (und Jugendliche) ungeeignet. Dennoch sind sie im Netz zu finden.

Anbieter von pornografischen Seiten dürfen ihr Angebot nach deutschem Recht nur für Erwachsene öffnen und tun dies in der Regel auch, weil sie eine Bezahlung über Kreditkarte erwarten. Allerdings greift dieses Recht nicht bei Internetangeboten aus dem Ausland: Es gibt etliche Seiten mit pornografischen Inhalten, die ohne Zugangsbeschränkung abrufbar sind - und diese sind auch jüngeren Jugendlichen oft schon bekannt. Unabhängig davon kursieren im Netz zudem immer mehr Nacktfotos oder sexualisierte Darstellungen, die häufig von Privatpersonen hochgeladen und weiterverbreitet ("geteilt") werden.

Auch Gewaltdarstellungen sind zu finden. Gelegentlich tauchen besonders geschmacklose Seiten auf, deren Adressen auf Schulhöfen verbreitet werden. Bei der Nutzung von YouTube können Kinder unvermittelt auf Gewaltdarstellungen stoßen; häufig handelt es sich dabei um reale Vorkommnisse (z.B. Kriegsbilder, Hinrichtungen), die zum Zweck der Dokumentation eingestellt wurden. Immer wieder werden auch von Kindern und Jugendlichen selbst Gewaltszenen aus dem Schulleben weiterverbreitet ("Happy Slapping").

Rechtsradikale Gruppierungen nutzen das Internet verstärkt, um Kinder und Jugendliche auf ihre Seiten zu locken. Die Internetseiten sehen häufig modern, jugendlich und harmlos aus. Doch auf ihnen wird eine antidemokratische, fremdenfeindliche und rassistische Haltung geschürt.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Wenn Ihr Kind auf Seiten gelandet ist, an denen Sie Anstoß nehmen, melden Sie diese Adressen bitte bei den einschlägigen Stellen. Es gibt klare gesetzliche Regelungen, was erlaubt ist und was nicht. Die zuständigen Behörden werden Ihrer Beschwerde nachgehen.


Gefahrenpotenzial: Preisgabe persönlicher Daten

Persönliche Daten sind die Währung, mit der im Netz bezahlt wird. Entsprechend interessant sind Namen, E-Mail Adressen und die Kenntnis über persönliche Vorlieben für Firmen und Adresshändler.

Kinder geben in Chats oder bei Gewinnspielen häufig leichtfertig persönliche Daten an. Das führt zu einer Fülle von unerwünschten E-Mails (Spam), im schlimmsten Fall aber auch zu Belästigungen durch Erwachsene mit pädophilen Neigungen, die gezielt nach Kindern Ausschau halten.

Auch unwissentlich werden Daten preisgegeben. So funktionieren Messenger-Dienste wie WhatsApp nur, wenn sie ständig die Kontakte mit den Daten aus dem Adressbuch abgleichen. Andere Apps greifen nach der Installation auf Daten zu, die sie nicht unbedingt zum Funktionieren bräuchten.

Communitys leben davon, dass die Nutzer möglichst viel aus ihrem privaten Leben preisgeben: den echten Namen, Fotos, Schule, Erlebnisse, Bewertungen o.ä. Selbst wenn das Profil sorgfältig angelegt wird, können aus den Daten Erkenntnisse gewonnen werden, wer sich hinter diesem Profil verbirgt.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Schärfen Sie Ihrem Kind ein, sich stets unter einem Nickname (Spitz- oder Phantasienamen) im Netz zu bewegen. Besorgen Sie ihm eine zweite E-Mail-Adresse, die es beim Surfen verwenden kann; die reguläre Adresse bleibt für Freunde reserviert. Warnen Sie Ihr Kind davor, sich in Communitys und sozialen Netzwerken erkennbar zu machen. Machen Sie die Installation von Apps zur Elternsache. Lesen Sie nach, welche Rechte sich eine App herausnimmt, und begrenzen Sie, wenn möglich, die Rechte.

Gefahrenpotenzial: Chat

In Web-Chats (also Chats, die direkt im Browser abrufbar sind und in denen meist viele Leute gleichzeitig "reden") können Kinder bedrängt und sexuell belästigt werden, wenn es keine oder keine ausreichende Moderation gibt und sich die Chatter zu einem Gespräch unter vier Augen zurückziehen können. Dies ist in allen Erwachsenen-Chats der Fall, aber auch in manchen vorgeblichen Kinder-Chats.

Selbst wenn Kinder nicht direkte Opfer von Belästigungen werden, können sie in Chats Diskussionen mit verfolgen oder auf Seiten gelenkt werden, die nicht für sie geeignet sind. Teilweise kann auch der rüde Ton in Chats oder eine sexuell gefärbte Sprache Kinder verunsichern und verstören.

Chats, die in Spiele, Apps oder Communitys integriert sind, haben meist noch nicht einmal einen erkennbaren Betreiber. Sie unterliegen keinerlei Kontrolle und keinerlei Schutz. Dort kann es ebenfalls zu Belästigungen oder zu Mobbing kommen.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Zeigen Sie Ihrem Kind Web-Chats, die speziell für seine Altersgruppe angeboten werden. Jugendschutz.net hat dazu eine Broschüre herausgegeben. In unbedenklichen Kinder-Chats lesen  Moderatoren die Beiträge mit und greifen gegebenenfalls ein. Dort werden keine persönlichen Daten abgefragt; eine Unterhaltung einzelner Teilnehmer in privaten Chaträumen ist nicht möglich. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es in Chats nie wissen kann, wer sein Gegenüber in Wirklichkeit ist und dass Vorsicht angebracht ist.

Gefahrenpotenzial: Abzocke

Kinder surfen gerne auf Seiten, die ihre Lieblingssendungen im Fernsehen begleiten oder die von Firmen angeboten werden, deren Produkte sie bevorzugt nutzen. Manche dieser Seiten bieten rund um ihre Produkte eigene Kinderwelten an. Teils sind diese gut gemacht und bieten Kindern einen echten Mehrwert. Weit häufiger jedoch geht es darum, aus Kindern längerfristig Käufer zu machen durch aggressives Merchandising, Gewinnspiele oder Verlosungen.

Kostenlos angebotene Klingeltöne, Software oder Hausaufgabenhilfe können sich als versteckte Kostenfallen entpuppen. Mit der Anmeldung hat man sich für den Kauf eines Produktes oder für ein Abo entschieden, über das nur im Kleingedruckten informiert wurde.

Online-Spiele sind häufig gratis nutzbar; um weiterspielen zu können, müssen dann jedoch virtuelle Leben oder reale Produkte gekauft werden. Dies ist teilweise über die Telefonrechnung möglich. Auch kostenlose Apps, die sich über Werbung finanzieren, können teuer werden. Wird die Werbung (versehentlich) angetippt, kann ein kostenpflichtiger Vertrag zustande kommen.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Erklären Sie Ihrem Kind diese Zusammenhänge und vereinbaren Sie, dass es sich stets mit Ihnen berät, bevor es in einem Club Mitglied wird, sich Geschenke schicken lässt oder etwas abonniert. Schützen Sie das Smartphone Ihres Kindes vor Abofallen, indem Sie die so genannte Drittanbietersperre aktivieren.

Gefahrenpotenzial: Verletzung von Urheberrechten

Häufig nutzen Kinder und Jugendliche das Internet, um Filme, Spiele und Musik herunterzuladen. Dies kann ungeahnte Konsequenzen haben: Zum einen besteht die Gefahr, sich beim Download Viren oder Trojaner einzufangen. Zum anderen kann es rechtliche Probleme geben. Denn das Urheberrecht schützt das geistige Eigentum und verbietet eine unkontrollierte Verbreitung von künstlerischen oder publizistischen Werken.

Es ist schwierig, kurz und knapp zu erklären, was rechtlich erlaubt oder verboten ist. Vorsicht geboten ist auf jeden Fall bei Internetseiten und Tauschbörsen, die die neuesten Musikhits und Videos kostenlos anbieten. Diese Angebote sind meist illegal. Bei Tauschbörsen kommt noch verschärfend hinzu, dass man Dateien nicht nur herunterlädt, sondern gleichzeitig anderen anbietet ("Filesharing").

Auch das Kopieren und Hochladen von fremden Dateien (z.B. Bilder, Musiktexte usw.) kann eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es sich strafbar machen kann. Schärfen Sie ihm ein, nur bei legalen Anbietern Downloads zu kaufen. Machen Sie sich im Zweifelsfall sachkundig, ob eine Download-Plattform unbedenklich ist.


Gefahrenpotenzial: Cybermobbing

Je größer die Verbreitung von mobilen Endgeräten ist, mit denen man jederzeit online sein kann, desto größer wird die Gefahr von Cybermobbing. Die einfachen Verbreitungsmöglichkeiten, die scheinbare Anonymität und die Gewohnheit, lustige oder peinliche Inhalte sofort mit Freunden zu teilen, lassen jeden in Gefahr geraten, Opfer solcher Übergriffe zu werden. Peinliche Fotos, beleidigende Botschaften, üble Nachrede in Foren oder sozialen Netzwerken sind die klassischen Formen von Cybermobbing. In der überwiegenden Zahl der Fälle kommen die Täter aus dem Umfeld der Kinder.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass das Teilen solcher Bilder, Texte oder Kommentare kein Spaß ist und andere unglücklich macht. Wecken Sie sein Verständnis, dass man erst denken, dann auf den Button zum Weiterleiten drücken sollte - und dass man sich von beleidigenden Inhalten auch distanzieren kann.

Wenn Ihr Kind selbst Opfer von Cybermobbing wird, wenden Sie sich an die Schule und bitten Sie um Unterstützung oder informieren Sie die Betreiber von Webseiten. Wenn das nicht hilft, können Sie in schweren Fällen auch bei der Polizei Anzeige erstatten. Mögliche Straftatbestände können sein: Beleidigung, üble Nachrede, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs u.a.

Gefahrenpotenzial: Das Netz vergisst nicht

Das Internet birgt nicht nur unmittelbare Gefahren, sondern kann auch in späteren Jahren "zurückschlagen". Denn einmal veröffentlichte Inhalte verschwinden nicht. Was einmal online war, ist auch später oft noch zu finden. Selbst gelöschte Texte oder Fotos oder abgeschaltete Webseiten lassen sich über den Cache von Suchmaschinen oder über Internet-Archive finden. Außerdem ist nie klar, wer einen Text oder ein Foto ohne Wissen des Urhebers bereits weiterverbreitet hat.

Arbeitgeber nutzen diese unbegrenzte Speicherdauer aus, indem sie bei Bewerbungen die Namen von Bewerbern und Bewerberinnen googeln und so erfahren, womit diese sich in ihrem bisherigen Leben hervorgetan haben.

Was tun?

Bild: Fragezeichen

Wer etwas postet, sollte vorher nachdenken. Das gilt für Kinder und Erwachsene! Strandfotos, Bilder von peinlichen Situationen oder von ausgiebigen Feiern haben nichts im Netz verloren. Auch niedliche Fotos vom nackten Baby sind privat und sollten es bleiben.



[Artikel aktualisiert am 30.01.2015]

Diesen Beitrag empfehlen



Ihre Meinung: Welche Gefahrenpotenziale sehen Sie? Was bereitet Ihnen am meisten Sorge?

 

Kommentar

Roscoe | Referat | 03.09.2014 09:49

Hallo, vielen dank für diese attraktive Seite. Sie hat mir bei meinem Referat unglaublich dolle geholfen! ;)

Tobi | danke | 10.09.2014 11:05

die seite hat mir sehr für die schul auf gabe geholfen ich danke euch für die ganzen kommis und an die hersteller der seite

patrick | die seite ist gut | 12.09.2014 10:13

diese seite ist sinnvoll und man kann hier sehr viele infos bekommen

berti | seite is gut | 12.09.2014 10:14

ich finde die seite klasse :)

berta | Die seite ist sinnvoll | 12.09.2014 10:14

diese seite ist sehr interessant

petra | sinnvoll | 12.09.2014 10:16

diese seit bringt mir viel , ich finde hier alles was ich wissen muss , echt gute seite

wolfgang | spannend | 12.09.2014 10:16

ja also ich finde es sehr sinnvoll das es so eine seite gibt und die ist sehr wichtig

Michaela Schnitzeler | Schnitzelers@gmail.com | 10.12.2014 10:41

Grade vor diesen ganzen Gefahren, die das Internet bietet, möchte man ja die Kinder schützen und will nicht, dass sie den Gefahren ausgesetzt werden. Doch heutzutage ist das Internet ja gar nicht mehr wegzudenken, schließlich ist das Internet ja nicht mehr nur auf den Computern im Haushalt zu finden, sonder auch schon per Handy abrufbar und wer sich mal genauer in der Gesellschaft umschaut, der sieht, dass schon Grundschulkinder ein Internet fähiges Handy mit sich herum tragen. Da ist das Aufpassen, über das was die Kinder im Internet treiben, als Eltern gar nicht mehr so leicht. Ich habe auch heute einen Artikel eines Rechtsanwaltes zu diesem Thema gelesen, der auch nochmal deutlich macht, wie wichtig es ist, dass Eltern ihre Kinder schützen! https://www.aid24.de/rechtsblog/muessen-eltern-ihre-kinder-vor-der-internetnutzung-belehren Hier ist der Artikel zum lesen.

kappitol | danke | 07.01.2015 19:12

sehr geile seite um informationen für ein Referat zu erhalten vielen dank

Name:



Titel:



Kommentar:





zurück

Zum türkischen Bereich
Ausschnitt aus dem neuen Flimmo-Cover; Rechte: Programmberatung für Eltern e.V.

Fernsehen immer und überall? Smart-TV, Apps, VoD & Co.
Mit den Vor- und Nachteilen dieser neuen Fernsehwelt befasst sich die aktuelle FLIMMO-Ausgabe. Welche Angebote gibt es? Was ist für Kinder in welchem Alter geeignet? Wo gibt es möglicherweise Probleme?

weiter

 

Presse

 

Materialien & Service

 

RSS

 

Mitglieder

 

Über uns / About us

 

Auszeichnungen / Preise

 

E-Mail an die Redaktion

E-Mail an die Redaktion

 


Newsletter abonnieren


Schirmherrschaft: www.unesco.de
 
www.klicksafe.dewww.seitenstark.de

Themen

Online-Communitys  Computerspiele  Jugendschutz  Mobbing  Lernsoftware  Schule  Spieletipps