Thema des Monats
Wenn Handys abgehört werden (06.01.2010)
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Es gibt Leute, die machen sich offensichtlich nicht allzu viele Gedanken darüber, ob ihre Handygespräche abgehört werden. Im Gegenteil: Sie brüllen derart laut und ungeniert ins Mobiltelefon, dass alle im Umkreis von einigen Metern mühelos die gesamte Konversation mitbekommen, Geschäftsgeheimnisse oder eigentlich vertrauliche, familiäre Details inklusive. Die Mehrheit telefoniert zum Glück diskreter – und vertraut darauf, dass niemand mithört.
Genau das ist aber nicht mehr garantiert. Der Chaos Computer Club (CCC) hat Ende Dezember auf einer Fachtagung gezeigt, dass sich mit vergleichsweise geringem Aufwand der GSM-Sicherheitsschlüssel knacken lässt. Bislang galt die Verschlüsselung als sicher, doch immer schnellere Rechner hebeln den arg betagten Sicherheitsstandard heute relativ schnell aus. Bedeutet konkret: Wer mit der passenden Hardware ausgestattet ist, über die nötige Software verfügt (die kostenlos im Netz rumgeistert) und natürlich die nötige kriminelle Energie mitbringt, kann Handygespräche abhören. Ein Privileg, das bislang Geheimdiensten vorbehalten war.
Handygespräche und SMS lassen sich abhören
Viele stellen sich angesichts dieser Entwicklung die Frage, ob das Telefonieren mit dem Handy überhaupt noch sicher ist. Klare Antwort: Nein, ist es nicht. Der Chaos Computer Club hat gezeigt, dass es eben doch möglich ist (obwohl lange das Gegenteil behauptet wurde), sich in Handygespräche einzuklinken. Das kann zwar nicht unbedingt jeder Schüler mit Hardware für wenige Euro, aber technischer Sachverstand und Hardware im Wert von ein paar Hundert Euro reichen bereits aus. Man kann sich leicht ausmalen, dass viele diesen Aufwand kaum scheuen werden.
Abgehört werden können Telefongespräche und SMS-Nachrichten, da diese mit einem überholten, unzureichenden Schlüssel geschützt werden. Zwar darf man sich das nicht so vorstellen, dass ein konkretes Handy ohne weiteres ausspioniert werden kann, sondern vielmehr alle Handys in einem Sendebereich. Aber auch das lässt sich natürlich steuern, etwa indem man die auszuspionierende Person diskret verfolgt und so sicherstellt, dass das zu überwachende Handy sich im Sendebereich der Überwachung befindet. Dass das alles illegal ist, wird Kriminelle kaum davon abhalten, es zu versuchen. Mobiler Datenverkehr per UMTS ist von der Problematik nicht betroffen, da hier bereits moderne Verschlüsselungsverfahren genutzt werden.
Keine sofortige, unmittelbare Gefährdung – aber eine auf Dauer
Unterschätzen sollte man die aufgedeckte Sicherheitslücke allerdings nicht. Die Nachricht vom geknackten GSM-Code macht derart schnell die Runde und weckt derart großes Interesse in Fachkreisen, dass wohl rasch eine Art Dammbruch eintritt: Schnell werden immer einfacher zu bedienende Programme verfügbar sein, die alles Mögliche erlauben - und vor allem früher oder später auch Leuten, die technisch nicht ausgesprochen versiert sein müssen.
Zwar muss der Einzelne nicht gleich den Aus-Knopf seines Handys betätigen, in der ständigen Sorge, jederzeit abgehört zu werden. Doch das Problem wird zweifellos größer, je mehr Zeit verstreicht. Handyhersteller und Mobilfunkprovider müssen daher dringend den veralteten und nachgewiesenermaßen unsicheren A5/1-Algorithmus durch einen zeitgemäßen Algorithmus ersetzen.
Enormer Vertrauensverlust
Ein Nachbessern beim Verschlüsselungsalgorithmus ist schon aus psychologischen Gründen dringend erforderlich. Denn wenn sich erst mal die Erkenntnis durchsetzt, dass jedes Gespräch potenziell abgehört werden kann und sich niemand mehr traut, mit dem Handy auch wichtige Telefonate zu führen, dann schadet das dem Handy als Kommunikationsmittel insgesamt. Sicher keine Perspektive, die im Interesse der Mobilfunkbranche ist.
Kriminelle schert es nicht, dass es kriminell ist, Handys abzuhören. Die stellen sich einzig und allein eine Frage, nämlich die, wie effektiv das Abhören von Handys ist. Noch wäre es vergleichsweise aufwändig, in den Telefongesprächen verwertbare Gesprächsfetzen zu entdecken. Doch was, wenn ein Programm entwickelt wird, dass Handygespräche mitschneidet und nach Schlüsselwörtern durchsucht? Heutzutage durchaus denkbar - und in Geheimdienstkreisen zweifellos auch längst im Einsatz.
Das Vertrauen ins Handy ist also arg ramponiert, bei vielen vielleicht sogar zerstört. Das kann nur durch ein beherztes Gegenlenken gerettet werden: sichere Algorithmen, die zeitgemäß sind und auch einer kritischen Kontrolle standhalten. Die Entscheidung, welcher Algorithmus das sein soll, muss nicht übers Knie gebrochen werden. Nun sind Signale erforderlich, Signale, dass etwas passieren wird - und bis wann.
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Wie denken Sie über die Handysicherheit? Vermeiden Sie künftig vielleicht sogar wichtige Gespräche am Handy? Sagen Sie uns Ihre Meinung!









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