Dienstag, 07. September 2010

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Indiskrete Handys: Wenn das eigene Handy spioniert ...

(20.07.2010)

Datenschutz: Standort auf einer Google-Karte

Moderne Smartphones sind regelrechte Alleskönner. Minicomputer zum Mitnehmen. Doch so faszinierend es ist, was die kompakten Geräte heute alles so können: Gleichzeitig ist ihre Komplexität auch ein bisschen beängstigend. Letztlich durchschaut heute kaum noch jemand, welche Software ein iPhone oder Android-Handy an Bord hat – und was diese Software im Hintergrund treibt.

Genau das kann zum Problem werden. So ist das iPhone ins Visier der Kritik geraten, weil Apples Luxushandy im laufenden Betrieb Daten überträgt, die Rückschlüsse auf den Benutzer zulassen könnten. Datenschützer kritisieren, dass sich Apple von iPhone, iPod Touch und Macbook Informationen schicken lässt, diese Daten dauerhaft speichert und wirtschaftlich verwertet. Selbst Bundes-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat sich eingeschaltet und kritisiert die Datensammelei.

Neue Datenschutzregeln bei Apple

Anlass für die Kritik sind neue Datenschutzregeln, die Apple seit einer Weile iTunes-Benutzern zum Bestätigen vorlegt. Versteckt in ellenlangen Erläuterungen heißt es unter anderem: "Um standortbezogene Dienste auf Apple-Produkten anzubieten, können Apple und unsere Partner und Lizenznehmer präzise Standortdaten erheben, nutzen und weitergeben, einschließlich des geografischen Standorts Ihres Apple-Computers oder Geräts in Echtzeit. Diese Standortdaten werden in anonymisierter Weise erhoben, durch die Sie nicht persönlich identifiziert werden."

Welche Daten hier im einzelnen ermittelt und übertragen werden, welche Daten Apple speichert, wie lange und zu welchem Zweck, ist bislang unbekannt – und Grund für die konkreten Anfragen der Datenschützer. Sie haben offiziell Auskunft verlangt, wozu Apple die Daten erhebt. Außerdem fordern sie Einblick in die Datenbanken von Apple, um überprüfen zu können, ob die Daten tatsächlich anonymisiert übertragen und gespeichert werden, wie Apple behauptet. Bislang verweigert Apple allerdings jede Auskunft.

Was lässt sich mit den Daten anstellen?

Wenn ein Unternehmen wie Apple Standortdaten erhebt und speichert, lassen sich mühelos Bewegungsprofile anfertigen, zumindest wenn diese Daten an einzelne Geräte gebunden werden. Wahrscheinlich aber ist, dass diese Ortsangaben für gezielte Werbung verwendet werde sollen. Apple plant ein eigenes Online-Werbesystem iAd ein, das auf iPhone und iPod Touch möglichst relevante Anzeigen präsentieren soll. Je mehr Informationen über den Besitzer eines Handys bekannt sind, desto bessere Anzeigen lassen sich ausliefern. Reklame passend zum aktuellen Aufenthaltsort ist besonders lukrativ.

Doch nicht nur Apple ist an solchen Daten interessiert: Praktisch jeder, der mit seinen Angeboten auf Mobilgeräten vertreten sein will, profitiert von aktuellen Ortsangaben. Immer mehr Anwendungen fragen deshalb die GPS-Daten ab – und übertragen sie an Webseiten und Onlinedienste. Bei Sport-Applikationen, die zum Beispiel die zurückgelegte Strecke auswerten, macht das zweifellos Sinn. Bei anderen Anwendungen muss man aufpassen. Wer zum Beispiel einmal einen Bewegungs-Tracker wie Google Latitude installiert und aktiviert hat, informiert die Weböffentlichkeit womöglich ungewollt über seinen aktuellen Aufenthaltsort.

Auch andere Smartphones sind indiskret

Onlinedienste, die sich auf den aktuellen Standort beziehen ("Location Based Services"), liegen voll im Trend: Das nächste Kino finden, den Italiener in der näheren Umgebung, die lokale Zeitung lesen – alles heute kein Problem mehr, wenn die Ortsangaben vom Handy an den Dienst übermittel werden.

Aus diesem Grund muss gewährleistet sein, dass solche sensiblen Daten auch wirklich nur dann erhoben werden, wenn das sinnvoll ist, etwa um Onlinekarten zu zeigen. Der Benutzer muss das ausdrücklich genehmigen. Darum fragen aktuelle mobile Betriebssysteme heute nach, wenn Ortsangaben benutzt und verarbeitet werden.

Wer beobachtet mich denn da?

Es kann sich lohnen, den Ortungsdienst mal abzuschalten – und zu schauen, ob sich eine Anwendung beschwert, dass die Daten nicht mehr zur Verfügung stehen. Dann kann man sicher sein, dass diese Anwendung die Ortsangaben ermittelt und verarbeitet. Im Kontrollbereich des iPhone lässt sich nachschauen, welche Anwendungen in letzter Zeit GPS-Daten abgefragt und verarbeitet haben. Andere Handy-Betriebssysteme bieten ähnliche Kontrollfunktionen.

Die Gefahr lauert auch in der Vergesslichkeit: Wer irgendwann mal Software wie Foursquare oder Google Lattitude installiert hat, um Freunde über den aktuellen Aufenthaltsort zu informieren, vergisst womöglich irgendwann, dass die Software im Hintergrund des Smartphones aktiv ist – und funkt weiter unbemerkt und oft ungewollt diese Ortsdaten an Server im Internet, die diese Daten mitunter direkt öffentlich verfügbar machen.

Geeignete Gegenmaßnahmen

iPhone-Benutzer sollten darauf achten, dass die Ortungsdienste nur dann eingeschaltet sind und genutzt werden, wenn man sie wirklich braucht. In den Einstellungen lässt sich das unter "Ortungsdienste" sehen und nötigenfalls ändern. Hier lässt sich auch nachsehen, welche Anwendungen derzeit in jüngster Zeit die Ortungsdienste genutzt haben.

Ähnliches gilt für andere Handymodelle: Auch hier lässt sich in der Regel der Ortungsdienst gezielt abschalten. Außerdem erscheinen Warnhinweise, zumindest beim ersten Mal, wenn Ortungsdaten genutzt werden. Hier sollte regelmäßig überprüft werden, ob aufgeführte Anwendungen tatsächlich mit Ortungsdaten versorgt werden sollten.

(Ein Beitrag von Jörg Schieb)


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