Thema des Monats
Jugendschutz auf dem Handy (09.07.2007)
Wir leben unbestreitbar in einer mobilen Kommunikationsgesellschaft. Immer mehr Jugendliche haben heute ein Handy in der Tasche. Mobiltelefone gehören bei Kindern und Jugendlichen längst zur Standardausstattung: Laut aktueller JIM-Studie 2006 ('Jugend Information Media') besitzen bereits 92 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren ein eigenes Handy. Selbst jedes zweite Kind zwischen 6 und 14 Jahren nennt heute bereits ein Handy sein Eigen. Darüber hinaus besitzen bereits 42 Prozent aller Jugendlichen eine mobile Spielekonsole.
Moderne Handys sind multimediale Allzweckwaffen
Ein Trend, der Jugendschützern zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Nicht, weil die Jugendlichen immer und überall telefonieren können - das Problem der Kostenfalle ist schon länger bekannt und auch noch nicht wirklich gelöst -, sondern weil moderne Handys heute multimediale Allzweckwaffen sind. Sie sind Fotoapparat, Videorekorder, MP3-Player und immer öfter auch mobile Surfstation in einem. Mit dem Handy E-Mails auszutauschen oder gezielt Webseiten anzusteuern ist schon lange möglich. Allerdings was es bislang ein recht teurer Spaß, mit dem Handy online zu gehen. Nun wird es allmählich erschwinglich: Die ersten Mobilfunkprovider bieten bereits Flatrates fürs Handy an: Beliebig viel surfen und online gehen zum monatlichen Festpreis.
Das Web ist in der Hosentasche angekommen. Nur: Warum sollte das Eltern, Pädagogen und Jugendschützern Kopfzerbrechen bereiten, schließlich können Kinder und Jugendliche jederzeit am PC surfen? Ganz einfach: Zu Hause haben Eltern, in der Schule die Lehrer zumindest eine gewisse Kontrolle darüber, wie lange Kinder oder Jugendliche online gehen, zu welchen Zeiten sie surfen und welche Seiten sie mit dem Browser ansteuern. Wenn das Web jederzeit über das Handy verfügbar ist, ändert sich das: Es gibt faktisch keine Kontrolle mehr. Und das ist nicht ganz unproblematisch.
Wunsch der Jugendschützer: Handys mit Kontrollfunktionen
Deshalb wünschen sich Jugendschützer Handys, die Eltern die Kontrolle zurückgeben. Eltern sollen die Möglichkeit erhalten, die Handys ihrer Kinder quasi zu 'programmieren': Einzelne Funktionen des Handys sollen durch Passwörter oder PIN geschützt werden, die nur die Eltern kennen, damit sie entscheiden können, welche Funktionen die Kinder und Jugendlichen nutzen dürfen. Das funktioniert freilich nur dann, wenn Handyhersteller, Mobilfunkprovider und Erziehungsberechtigte an einem Strang ziehen. Bislang gibt es keine speziellen Handys für Jugendliche. Die meisten Mobilfunkanbieter bieten Eltern kaum Hilfen an.
Sorgen bereitet einigen Jugendschützern und Politikern aber auch, dass Handys heute oft dazu verwendet werden, Gewaltvideos herzustellen oder zu verteilen. Die Bereitschaft, mit dem eigenen Handy gewalttätige Situationen aufzunehmen oder zu verbreiten, ließe sich sicher deutlich reduzieren, wenn jedes Video mit einem unsichtbaren 'Wasserzeichen' versehen würde, das die Seriennummer des Handys verrät. Technisch wäre so etwas heute problemlos möglich. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang Datenschutzbedenken. Im Internet werden professionell hergestellte Fotos und Videos längst auf diese Weise gekennzeichnet. Mit einem solchen Wasserzeichen wäre es problemlos möglich, die Urheber solcher Videos ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Das könnte ein wirkungsvoller Mechanismus sein, dessen Für und Wider aber erst mal ausgiebig diskutiert werden muss.
Die Eltern sind gefragt
Keine einfachen Zeiten für Eltern. Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich im Eiltempo. Aber es hilft nichts: Eltern müssen sich damit beschäftigen, anderenfalls können sie schlecht entscheiden, was für ihre Kinder erwünscht und was unerwünscht ist - oder wann. Jedes Kind entwickelt sich anders und wird unter anderen Umständen groß. Nur die Eltern können entscheiden, wie viel Medienkonsum erwünscht und gewollt ist. Also müssen die Eltern ran: Sie müssen sich schlau machen. So etwas lässt sich nicht delegieren. Eltern müssen aber auch die Möglichkeit bekommen, den Medienkonsum zu kontrollieren und zu reglementieren. Da gibt es, zumindest auf dem Handy, bislang so gut wie keine Möglichkeiten. Dieses Thema gehört bei Handyherstellern und Mobilfunkprovidern auf die Tagesordnung. Letztlich könnte es sogar ein Wettbewerbsvorteil sein, in diesem Bereich eine überzeugende Lösung anzubieten.
Links
- http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf
JIM-Studie 2006










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