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Was macht eine gute Internetseite für Kinder aus?
Ein Interview mit Friederike Siller (fragFINN) über die Kriterien für eine gute Kinderinternetseite
(10.02.2010)

Internet-ABC: Frau Siller, immer mehr jüngere Kinder nutzen das Internet: Jedes fünfte Kind zwischen 6 und 7 Jahren hat bereits erste Erfahrungen mit dem Internet gemacht, bei den 8- bis 9-Jährigen sind es bereits 50 % (JIM-Studie 2008). Finden Sie das gut oder stehen Sie dieser Entwicklung eher skeptisch gegenüber?
Friederike Siller: Grundsätzlich finde ich das erstmal nicht problematisch. Das Internet bietet sehr viel Potential, auch schon für Kinder. Das gilt übrigens für alle Medien wie Fernsehen oder Computerspiele.
Kinder müssen aber zunächst lernen, mit dem Medium kompetent umzugehen, um diese Potentiale auch für sich nutzen zu können. D.h. dass sie beim Surfen nicht allein gelassen werden sollten, also mit den Eltern oder älteren Geschwistern gemeinsam ins Internet gehen oder sich über ihre Erfahrungen austauschen können.
Am wichtigsten ist jedoch, dass Kinder auf für sie geeigneten Seiten surfen. Hilfreich dabei ist vor allem eine sichere Startrampe ins Internet, zum Beispiel auf speziell für Kinder geschaffenen Kindersuchmaschinen.
Internet-ABC: Sie leiten ja das Internet-Projekt "fragFINN".
fragFINN bietet einerseits eine Suchmaschine, andererseits auch die Möglichkeit, für Kinder einen geschützten Surfraum einzurichten. Diesem liegt eine sogenannte Whitelist zugrunde. Was ist darunter zu verstehen?
Friederike Siller: Die
fragFINN-Whitelist ist eine umfangreiche Liste an für Kinder unbedenklichen Internetseiten. Um diese Liste zu erstellen, prüft ein Team von Medienpädagogen täglich zahlreiche Internetseiten anhand eines speziellen Kriterienkatalogs. Auf einige dieser Kriterien können wir im Lauf des Interviews zu sprechen kommen.
Zum einen kommen auf diese Weise tagtäglich neue Seiten zur Whitelist dazu. Zum anderen werden natürlich alle Internetangebote regelmäßig nachgeprüft, um damit auch der Schnelllebigkeit des Mediums Internet gerecht zu werden. Nur die freigegebenen Seiten können dann über die Kindersuchmaschine
www.fragFINN.de gefunden werden.
Internet-ABC: Zweifellos bietet das Internet auch viele gute Seiten, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Aber gute Seiten zu erkennen - das fällt selbst vielen Erwachsenen schwer. Welche äußeren oder formalen Kriterien gibt es, die eine Website erst einmal grundsätzlich erfüllen sollte?
Friederike Siller: Es muss gewährleistet werden, dass Kontaktdaten oder Informationen über den Betreiber der Website aufgefunden werden können oder dass, sofern auf der Internetseite Daten erhoben werden, sensibel mit diesen umgegangen wird und speziell bei Kinderinternetseiten die Eltern in einer Form mit einbezogen werden, die ihnen größtmögliche Transparenz bietet.
Natürlich schauen wir uns bei
fragFINN auch an, ob die Sicherheit der Kinder in Chats gewährleistet ist oder wie mit nutzergenerierten Inhalten umgegangen wird. Es gibt da eine Reihe von Regeln, die Erwachsene auch bei uns einsehen können.

Internet-ABC: Gibt es zudem noch weitergehende formale Kriterien speziell für Kinderangebote im Netz?
Friederike Siller: Natürlich heben sich einige Kinderinterseiten positiv von anderen ab, weil sie zum Beispiel sehr übersichtlich sind, die Navigation leicht verständlich ist oder visuelle mit auditiven Elementen geschickt kombiniert werden.
Aus meiner Sicht ist zunächst jedoch die Sicherheit der Kinder prioritär, daher befassen sich die
fragFINN-Kriterien mit Fragen wie Datenschutz, Chats, Communities oder auch Werbung. Darüber hinaus gehört es eben für Kinder dazu, in einem Lernprozess selbst zu erfahren, welche Seiten und Gestaltungsmittel gut funktionieren und ihnen gefallen. Und dieser Prozess des Medienkompetenzerwerbs ist nun mal auch subjektiv verschieden – über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.
Internet-ABC: Kommen wir zu den Inhalten. Was darf eine Kinderseite auf keinen Fall beinhalten?
Friederike Siller: Zunächst macht hierfür das Gesetz genaue Vorgaben, welche Inhalte für Kinder gefährdend und entwicklungsbeeinträchtigend sind. Dies betrifft zum Beispiel alle gewalthaltigen Inhalte, denen Kinder auf keinen Fall ausgesetzt werden dürfen.
Es kann aber auch schon einmal die tagesaktuelle Berichterstattung aus Kriegs- oder Krisengebieten sein, welche Kinder durchaus ängstigen kann, wenn sie der jungen Zielgruppe nicht in geeigneter Form vermittelt wird. Drastisches Bildmaterial ist ebenso problematisch wie ironisch-satirische Inhalte, weil diese Kinder unter Umständen nicht einordnen oder verstehen können.
Internet-ABC: Und was macht eine gute, kindgerechte Internetseite im Idealfall aus?
Friederike Siller: Das lässt sich gar nicht so ganz pauschal beantworten. Natürlich ist eine besonders gute Kinderseite so aufgebaut, dass sich Kinder gut auf ihr zurechtfinden. Verwirrende Navigation ist sehr frustrierend, übrigens nicht nur für Kinder. Außerdem sollte sie für Kinderaugen ansprechend gestaltet sein, für junge Internetanfänger zum Beispiel nicht allzu viel Text enthalten, auch Bildmaterial einbinden und verschiedene andere mediale Gestaltungsformen.
Am wichtigsten ist eine interessante Aufmachung, dann können auch schon mal anspruchsvolle Themen behandelt werden, aus den Gebieten der Geschichte und Politik oder den Naturwissenschaften. Letztlich haben Kinder aber einen ganz individuellen Geschmack. Lieblingsseiten entsprechen häufig den gerade aktuellen Interessen des Kindes oder haben einen Bezug zu ihrer Lebenswelt. Demnach bestimmen vor allem die Inhalte, ob eine Seite bei Kindern ankommt, nämlich ob sie ihr etwas über Dinosaurier, ihre aktuelle Lieblingsmusikgruppe oder ihren Fußballverein finden.
Internet-ABC: Auch jüngere Kinder interessieren sich zunehmend für sogenannte Communitys, zumindest für solche, die an einen Film oder bestimmte Bücher angelehnt sind, z.B. die "Wilden Kerle" oder die "Wilden Hühner". Was sollten Eltern hier beachten?
Friederike Siller: Hier kommt es sehr darauf an, in welcher Form man sich in der Community präsentiert, also was man in seinem Profil alles von sich preisgeben kann. Wir bei
fragFINN sind der Meinung, dass Kinder im Internet möglichst anonym bleiben sollten.
Für Eltern sollte also Vorsicht geboten sein, wenn zahlreiche persönliche Daten erhoben und auch veröffentlicht werden. Da muss man abwägen: Was dürfen Fremde alles über mein Kind wissen? Sollen sie Fotos von ihm sehen können? Wenn Bedenken bestehen, sollten diese gemeinsam mit dem Kind diskutiert werden. Kindern muss verständlich werden, warum sie etwas nicht dürfen, dabei lernen sie ja auch dazu.
Natürlich muss bei einer solchen Community der Datenschutz sehr ernst genommen werden. Sind diese nicht leicht auffindbar oder unverständlich, ist das auch ein negativer Aspekt.
Internet-ABC: Solche Angebote leben ja oftmals auch von den Inhalten, die die Kinder selbst anfertigen. Was sollte da eine gute Kinderseite leisten?
Friederike Siller: Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen. Was Chats, Pinnwände, Gästebücher oder Foren angeht, findet im Idealfall eine so genannte Vorabmoderation statt. Das bedeutet, dass jeder gepostete Beitrag zuvor kontrolliert und freigeschaltet wird.
In einer geschlossenen Community funktioniert es häufig auch sehr gut, dass zahlreiche Moderatoren innerhalb des Forums kontrollieren, ob alle Einträge in Ordnung sind. Für Kinderseiten ist es zudem wichtig, dass Kinder die Möglichkeit haben, komische oder sie ängstigende Beiträge zu melden, damit sie schnellstens entfernt werden können.
Internet-ABC: Ähnliche Ratschläge gelten ja allgemein für Chats. Wodurch unterscheidet sich ein guter Kinderchat von Chats, die vornehmlich von Erwachsenen genutzt werden?
Friederike Siller: Kindern ist unter Umständen noch nicht bewusst, dass nicht jeder Chatpartner unbedingt derjenige sein muss, für den er sich ausgibt. Zudem probieren sich Kinder in der anonymen Onlinewelt auch einmal aus, sagen vielleicht Dinge, die sie ihrem Gegenüber nicht ins Gesicht sagen würden. Aus diesem Grund sollten Kinderchats von pädagogischen Fachkräften moderiert werden. Sie stellen sicher, dass die Kinder keine persönlichen Daten von sich preisgeben und auch ein freundlicher Umgangston miteinander gewahrt wird. Auf diese Weise lernen sie das richtige Verhalten in Chatrooms.

Internet-ABC: Viele Websites haben oftmals auch einen Bereich, in dem Produkte beworben oder verkauft werden. Was ist generell von Kinderseiten zu halten, die auch Werbung anbieten?
Friederike Siller: Werbung und Einkaufsmöglichkeiten gibt es im Internet genau so wie in der realen Welt. Kinder müssen lernen, deren Gestaltungsformen wahrzunehmen und für sich zu bewerten. Aus diesem Grund darf aus Sicht von
fragFINN auch Werbung auf Kinderinternetseiten vorhanden sein, hierfür müssen aber strenge Regeln eingehalten werden: Ähnlich wie im Fernsehprogramm fordern wir zum Beispiel die eindeutige Kennzeichnung von Werbeinhalten mit für Kindern verständlichen Begriffen.
Uns ist es sehr wichtig, dass Kinder die Werbung gut vom eigentlichen Inhalt der Seite unterscheiden und sozusagen nicht versehentlich auf Werbeinhalte gelangen können. Zudem gibt es natürlich auch gesetzliche Vorgaben: So darf an Kinder gerichtete Werbung keinen expliziten Kaufappell enthalten.
Internet-ABC: Spielen ist für die meisten Kinder, die schon früh im Internet unterwegs sind, die Hauptbeschäftigung. Worauf sollten Eltern achten, wenn ihre Kinder einschlägig bekannte Spieleseiten aufsuchen wollen?
Friederike Siller: Es gibt zahlreiche gut bekannte Spieleportale. Hierbei muss beachtet werden, dass diese nicht unbedingt ausschließlich für Kinder gedacht sind. Sie bieten tausende Spiele, viele davon durchaus unbedenklich für Kinder, aber eben auch einige für eine ältere Zielgruppe. Natürlich besteht hier die Gefahr, dass Kinder bei der Suche auch mal an ungeeignete Spiele geraten.
Ich würde empfehlen, Spielesammlungen auf Seiten zu nutzen, die ganz speziell für Kinder gemacht wurden. Hilfreich sind dabei auch wieder Kindersuchmaschinen, auch diese finden nur Spiele, die Kindern Spaß bereiten und keine Gefahren bergen.
Internet-ABC: Wie gehen Sie bie
fragFINN denn mit Zweifelsfällen um: mit Seiten z.B., die rein zur Produktwerbung erstellt wurden, aber trotzdem gute und v.a. für Kinder interessante Inhalte anbieten? Oder mit Seiten, die nicht alle
fragFINN-Kriterien erfüllen?
Friederike Siller: Sofern Seiten von Unternehmen alle Kriterien von
fragFINN erfüllen, spricht aus unserer Sicht nichts gegen eine Freigabe. Die Kriterien können übrigens auch im
Erwachsenenbereich von www.fragFINN.de eingesehen werden. Wir gehen davon aus, dass Kinder oder Erwachsene, wenn sie nach einem konkreten Unternehmens- oder Produktnamen suchen, auch genau Informationen dazu erhalten wollen.
Bei
fragFINN werden alle Internetangebote mindestens im 4-Augen-Prinzip geprüft, in Zweifelsfällen ziehen wir einen weiteren Kollegen hinzu. Hakt es nur an ein paar Kleinigkeiten, die nicht unseren Kriterien entsprechen, nehmen wir direkt Kontakt mit dem Seitenbetreiber auf. Diese Vorgehensweise hat sich als sehr erfolgreich bewiesen, oftmals sind die Dinge gar nicht so bewusst und werden gern zur Sicherheit der jungen Internetnutzer verbessert. Das freut uns dann immer sehr!
Internet-ABC: Wir danken Ihnen, Frau Siller, für das Gespräch!
Friederike Siller, Dr. phil., ist hauptamtliche Geschäftsführerin des fragFINN e.V. i.Gr. Nach zwei Jahren der erfolgreichen Umsetzung als Projekt unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) e.V. wurde der Verein am 26. November 2009 in Berlin gegründet. Frau Siller studierte an den Universitäten Freiburg, Hamburg und Mainz. E-Mail:
siller@fragFINN.de









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