Samstag, 11. Februar 2012

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Mobbing im Internet

Fragen an den Deutschen Kinderschutzbund

Logo: Deutscher Kinderschutzbund - Die Lobby für Kinder

(26.02.2009)

Für manche Kinder ist es schon alltäglich: Rund 500.000 Mobbing-Übergriffe gibt es laut glaubhaften Schätzungen pro Woche an deutschen Schulen. Ein Kind pro Klasse werde mindestens gemobbt, machen Opfer werden gar mehrmals am Tag. Doch Mobbing findet nicht nur von Angesicht zu Angesicht statt - auch im Internet wird schickaniert, gedroht und Angst verbreitet.

Das Internet-ABC hat den Deutschen Kinderschutzbund zum Thema "Mobbing im Internet" befragt:

  • Was ist Mobbing eigentlich? Besteht ein Unterschied zwischen Ärgern und Mobbing?
    Der Begriff Mobbing stammt aus dem englischen und bedeutet soviel wie anpöbeln, fertigmachen. Mobbing kann in direkter (z.B. beschimpfen, schikanieren) und indirekter Form (z.B. den Ruf schädigen) stattfinden. Das Ziel des Mobbings eines Schülers oder einer Schülerin ist dessen/deren soziale Ausgrenzung. Insofern ist es zu unterscheiden von kurzfristigen Konflikten, wie zum Beispiel dem Ärgern.
  • Wer mobbt eigentlich wen? Und warum?
    Mobbing in der Schule kann zwischen SchülerInnen stattfinden. Weiter können
    SchülerInnen Lehrkräfte mobben oder auch umgekehrt.

    Es existieren verschiedene Erklärungsansätze, was zu Mobbing führt. Bei mobbenden SchülerInnen heißt es häufig, dass es ihnen um die Aufwertung des an sich geringen Selbstwertgefühls geht, um die Demonstration der eigenen Macht und Stärke sowie die Kompensation anderer Schwächen.

    Einige Studien sehen in bestimmten Persönlichkeitszügen der Opfer Ursachen, die das Mobbing fördern. Hierzu zählen z.B. Ängstlichkeit, ein geringes Selbstwertgefühl oder Angepasstheit, aber auch äußerliche Merkmale wie ein bestimmter Kleidungsstil oder ein allgemein abweichendes äußeres Erscheinungsbild.

    Allerdings ist zweifelhaft, ob die jeweiligen Persönlichkeitsprofile der Täter und Opfer wirklich als reine Ursache des Mobbing gelten können. Gleichzeitig sind sie auch dessen Folge. So steigt z.B. bei einem gemobbten Schüler die Ängstlichkeit.

    Weitere Studien sehen im Mobbing eine Waffe im innerschulischen Wettstreit um Machtpositionen.
  • Was bewirkt Mobbing bei den Opfern?
    Lang anhaltendes Mobbing kann zu schwerwiegenden, negativen Folgen führen. ExpertInnen gehen davon aus, dass circa 20 Prozent der Selbstmordfälle von Kindern und Jugendlichen mit Mobbing im Zusammenhang stehen.

    Die Opfer schämen sich häufig und sehen die Schuld des Mobbings bei sich selbst. Sie ziehen sich daraufhin weiter zurück. Letzten Endes reichen die Folgen des Mobbings über solche psychisch-sozialen Reaktionen bis hin zu psychosomatischen Auswirkungen (z.B. Appetitlosigkeit, Schlafstörungen) und physischen Schädigungen (durch Gewalt).

    Negative Folgen sind aber auch für die Täter zu erwarten. Falls ein sich durch das Mobbing verfestigendes, fehlerhaftes Gerechtigkeitsverständnis nicht korrigiert werden kann steigt die Wahrscheinlichkeit abweichenden Verhaltens auch im weiteren Lebensverlauf.
  • Welche Folgen hat Mobbing für eine Gemeinschaft (z.B. Klassengemeinschaft oder eine Gruppe)?
    Grundsätzlich ist anzumerken, dass in Klassen und Gemeinschaften, in denen ein positives soziales Klima herrscht, Mobbing sehr viel seltener stattfindet, als in Gemeinschaften, in denen dies nicht der Fall ist.

    Wenn ein gestörtes SchülerInnen-LehrerInnen-Verhältnis vorliegt, so ist es häufig der Fall, dass sich auch das Klima unter den SchülerInnen zusehends verschlechtert, da z.B. einzelne SchülerInnen bloßgestellt und der allgemeinen Häme preisgegeben werden. Dasselbe ist auch bei Mobbing unter den SchülerInnen der Fall.
  • Gibt es Mobbing auch im Internet? Wenn ja, wo und in welcher Form?
    Anfeindung, Diskriminierung oder Schikanen gelten als Mobbing, wobei sich Opfer und Täter kennen. Das "Cyber-Mobbing" oder auch "Cyberbullying" ist das Tyrannisieren und Mobben im Internet. Die Betroffenen werden belästigt, bedroht, beleidigt und bloßgestellt. Hier sind sich Opfer und Täter nicht zwangsläufig bekannt.

    So vielseitig wie das Internet, so vielseitig sind auch die Formen des "Cyber-Mobbings". Diffamiert wird nicht nur durch Wortbeiträge in Foren, Blogs und Chats. Immer öfter werden auch Videos, die andere Menschen demütigen, beleidigen oder bloßstellen, auf vielbesuchten Plattformen ins Netz gestellt. Nach einer Umfrage von "Seitenstark" (2007) haben 19,9 Prozent aller Schüler schon einmal Erfahrungen mit Mobbing über Internet und/oder Handys gemacht.
  • Haben Sie Beispiele für Mobbing im Internet?
    Beim DKSB häufen sich in letzter Zeit die Beschwerden von Eltern, dass ihre Kinder (meist Mädchen) von MitschülerInnen auf Plattformen mit über Handys aufgezeichneten Bilder oder Videos diffamiert oder bloßgestellt werden.
  • Was kann ein Kind tun, wenn es im Internet gemobbt wird? An wen kann es sich wenden?
    Das wichtigste ist, dass sich das Kind an eine Vertrauensperson (Eltern, Lehrer etc.) wendet, mit der es gemeinsam eine Lösung sucht. Es gibt auch zahlreiche Beschwerdestellen, z.B. im Internet auf der Seite jugendschutz.net oder aber die Freiwillige Selbstkontrolle Multimediainhalte (fsm).
  • Was kann jemand machen, der von einem Mobbingfall erfährt?
    Der erste Weg ist die Kommunikation über das Mobbing. SchülerInnen sollten sich an eine Vertrauensperson oder die Lehrkraft wenden, um Lösungen zu finden. Anschließend müssen die TäterInnen aktiv in die Lösung des Sachverhalts mit einbezogen werden. Hierzu können z.B. allgemein verbindliche Regeln der Gemeinschaft beitragen, die von allen gemeinsam entwickelt werden. Wichtig ist auch, dass die Eltern die Warnsignale verstehen (z.B. große Unlust des Kindes auf die Schule, Schlaflosigkeit, körperliche Versehrtheit etc.) und das Gespräch mit dem Kind und der Schule suchen.
  • Was sollte sich ein Kind überlegen, wenn es/er beim Mobbing mitmacht oder sogar selbst solch eine Attacke anzettelt?
    Letzten Endes muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass ein solches Verhalten nicht toleriert wird. Den Tätern ist zu klar zu machen, dass Mobbing aufgrund bestimmter Persönlichkeitszüge des Opfers keine Daseinsberechtigung hat. Im weiteren Lebensverlauf werden sie immer wieder mit unterschiedlichen Personen zusammentreffen. Dies ist zu akzeptieren und darf nicht zur sozialen Ausgrenzung führen, die sich das Kind, das Mobbing betreibt, ja auch selbst nicht wünschen würde.

    Da Mobbing in vielen Fällen strafrechtlich relevant ist müssen die Mobber des Weiteren natürlich auf mögliche juristische Folgen ihres Handelns aufmerksam gemacht werden.

    Ganz wichtig ist aber auch, nicht bloße Strafen anzudrohen oder den Täter/die Täterin  auszugrenzen. Stattdessen muss der Konflikt ausgetragen und gelöst werden (z.B. im Klassenverbund), auf dass dem Kind auch deutlich wird, warum das eigene Verhalten nicht in Ordnung ist. Eine bloße Bestrafung führt hingegen oft nur dazu, dass die Frustration eines Kindes, das Mobbing betreibt, weiter steigt und sich sein Verhalten daher nicht verbessert.
  • Kann das Kind im Vorfeld etwas tun, um erst gar nicht Opfer von Mobbing zu werden?
    Wichtig ist vor allem, dem Kind die Grundlagen zu vermitteln, die die Wahrscheinlichkeit verringern, Opfer von Mobbing zu werden. Hierzu zählen z.B., dass dem Kind vom eigenen familiären Umfeld ein gesundes Selbstbewusstsein sowie das sensible Gespür für andere Menschen vermittelt werden.

    Zudem kann die Schule ein positives Schulklima schaffen, unterstützt durch Anti-Aggressions- oder Kommunikations-Trainings zur Konfliktlösung, das die Mobbingbereitschaft in der Schule deutlich reduziert.

    Zu guter Letzt sollten Kinder so wenig technische Hinweise und Spuren wie möglich im Internet hinterlassen, so z.B. keine persönlichen Daten hinterlegen, die schlussendlich gegen sie verwendet werden könnten.
  • Was unternimmt der Kinderschutzbund gegen Mobbing allgemein und im Internet?
    Direkte Hilfe und Rat bei Mobbing können Eltern über das Elterntelefon und SchülerInnen über das Kinder- und Jugendtelefon erhalten. Kompetente AnsprechpartnerInnen stehen hier zur Beratung zur Verfügung und vermitteln gegebenenfalls an weitere Einrichtungen, an die sich die Opfer wenden können. Es existiert ferner die Internetberatung für Kinder und Jugendliche, zu erreichen unter www.kijumail.de. Rat und Hilfe können sich alle Personen auch in den Orts- und Kreisverbänden des Deutschen Kinderschutzbundes einholen.

    Präventive Arbeit leistet der Deutsche Kinderschutzbund z.B. durch seine Elternkurse ("Starke Eltern - starke Kinder"). Hier soll Eltern, wie es der Name des Kurses schon aussagt, vermittelt werden, wie sie ihre Kinder ermutigen und stärken können, was auch dem Mobbing vorbeugt. Zudem bietet der Deutsche Kinderschutzbund Medienkurse zur Steigerung der elterlichen Medienkompetenz an. Hier sollen Eltern in den Fragen einer altersgerechten Mediennutzung Kenntnisse erlangen, die anschließend auch ihren Kindern zu Gute kommen.

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