Samstag, 11. Februar 2012

Newsletter Nr. 15

Hoher Konsum oder schon Sucht?

Wo endet die Leidenschaft und wo beginnt die Sucht? Eingangs wurden bereits die formalen Merkmale einer Internetsucht aufgeführt. Trotzdem bleibt es schwer zu definieren, wann das Vergnügen in eine Sucht übergeht. Die Grenzen sind fließend. Natürlich ist nicht jeder, der sich im Internet länger aufhält, ein Süchtiger. Genauso wenig wie jemand, der hin und wieder einen über den Durst trinkt, ein Alkoholiker ist. Es gibt selbstverständlich Spieler, die in Maßen spielen und sich disziplinieren. Solche, die ihre sozialen Kontakte nicht vernachlässigen und Onlinerollenspiele als zeitbeschränkte Freizeitaktivität frönen.

Letztlich ist das Abrutschen in eine Sucht immer abhängig von der Person, ihrer Verfassung und Umgebung. Falsch wäre es, das Internet, die Onlinespiele oder gar ihre gesamte Spielerschaft zu diffamieren.

Dominanz der Onlinewelt

Eine "Sucht" beginnt, wenn die virtuelle Welt die Realität dominiert, wenn sich alle anderen Verhaltensweisen dem Suchtverhalten unterordnen. Tagtäglich, rund um die Uhr kreisen die Gedanken um das Internet. Zwischen Schein und Sein, zwischen virtueller Realität und Realwelt, kann nicht mehr differenziert werden. Der Süchtige vernachlässigt das alltägliche Leben, sein Umfeld und sich selbst. Er ist nur auf eine einzige Sache konzentriert und lässt die reiche Palette der Wirklichkeit, mit menschlicher Kommunikation, Erleben und Empfinden links liegen.

Neben die reale Welt tritt eine Parallelwelt. In dieser virtuellen Welt machen Internetsüchtige ihre Erfolgserlebnisse, hier haben sie ihre sozialen Kontakte. In der Folge kommt es zu negativen Erlebnissen in der Realwelt. Also flüchten sich Internetsüchtige weiter in die virtuelle Realität hinein, wo sie Erfolg erfahren und die Anerkennung erhalten, die ihnen im wirklichen Leben verwehrt bleibt. Dieser Erfolg wiederum ist abhängig davon, wie lange ein Onliner eingeloggt ist - so ergibt sich ein Teufelskreis.

Regulation von Gefühlen mit Hilfe des Computers

Wir setzen bestimmte Verhaltensweisen dazu ein, um unsere Gefühle zu regulieren. Wer sich einsam fühlt, kann sich mit Freunden verabreden, wer Belohnung und Anerkennung möchte, kann z.B. für die Schule lernen und gute Noten nach Haus bringen. Wer Aufmerksamkeit möchte, kann in einer Band spielen oder Tore für seinen Fußballverein schießen. Sobald nur noch der Computer zur Regulation von Gefühlen eingesetzt wird und andere Verhaltensweisen in der Realwelt für den Spieler keine Wirkung mehr haben, beginnt ein Suchtverhalten.

Zeitliche Dimension

Der Schweizer Psychologe Eidenbenz geht davon aus, dass jemand, der über 35 Stunden in der Woche vor dem Computer sitzt, in einer Abhängigkeit steckt. Die Zeit, die für Arbeit am Computer verbracht wird, ist dabei natürlich ausgeschlossen. Auch der HSO e.V. (www.onlinesucht.de) definiert 5 Stunden am Tag als Suchtverhalten. Wer mehr als 25 Stunden die Woche im Netz verbringt, gilt als suchtgefährdet.

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