Newsletter Nr. 15
Was ist eigentlich eine "Internet-Sucht"?
Mediensucht, Computersucht, Computerspielsucht, Onlinesucht, Internetsucht oder Internetabhängigkeit – das alles sind Begriffe für Suchtformen, die im Zuge der Verbreitung der neuen Medien aufgekommen sind und die sich in ihrer Symptomatik ähneln. In Zusammenhang mit Medien ist der Begriff der "Sucht" teils noch umstritten. Chatten, Surfen oder Onlinespiele üben eine große Faszination aus. Aber kann das Internet auch als Droge wirken?
Bekannte Süchte sind die nach Rauschmitteln wie Alkohol, Zigaretten oder Ecstasy. Dabei werden Substanzen konsumiert, die das Bewusstsein verändern. Man spricht daher von "stoffgebundener" Sucht. Darüber hinaus können so genannte "stoffungebundene" oder "substanzlose" Verhaltenssüchte klassifiziert werden. Zu diesen gehört die Internetsucht. Sie beschreibt nicht den Konsum einer Substanz, sondern ein Verhalten: die exzessive und pathologische Nutzung von Computer und Internet. Internetsucht ist damit eine substanzlose Verhaltenssucht, die Abhängigkeit vom Gebrauch des Internets. Weitere substanzlose Süchte sind z.B. Sex-, Arbeits- oder Kaufsucht.
Streng genommen ist der Begriff "Internetsucht" demnach ungenau, da der Betroffene nicht nach dem Internet süchtig ist, sondern nach der Online-Tätigkeit, z.B. dem Spielen im Netz. Nicht das Medium selbst ist das Suchtobjekt. Noch genauer betrachtet geht es um die Emotion, die sich damit erzielen lässt: Z.B. die Anerkennung durch andere Onliner oder das Versinken in einer anderen Welt.
Internetsucht ist eine umstrittene Sucht. Wissenschaftler sehen hinter der übermäßigen Nutzung bereits bekannte psychische Störungen und keine eigene Krankheit. Offiziell ist die Internetsucht nicht als Krankheit anerkannt. Das Störungsbild wurde bislang nicht als eigenständige Verhaltenssucht in das Klassifikationssystem Psychischer Störungen aufgenommen. Eine eindeutige, von Gesundheitsorganisationen anerkannte, Definition steht noch aus.
Um sich dem Thema möglichst objektiv zu nähern und keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sollten die Begrifflichkeiten "exzessive Internetnutzung" und "Internetsucht" unbedingt voneinander abgegrenzt werden. Die übermäßige Internetnutzung allein ist noch keine Sucht. Jemand, der viel Zeit im Netz verbringt, darf nicht automatisch mit dem Etikett "süchtig" versehen werden. Dazu müssen weitere Kriterien erfüllt sein. Auch wenn diese noch nicht einheitlich definiert wurden, so kann die folgende Aufstellung einer führenden deutschen Suchtforscherin doch verdeutlichen, wie viel mehr zu einer echten Sucht im Vergleich zu einer exzessiven Nutzung gehört:
Merkmale einer Sucht
Suchtforscher beschreiben formal Kriterien bzw. Symptome einer Sucht. Erst wenn mindestens drei der im Folgenden beschriebenen Merkmale schon über einen längeren Zeitraum zutreffen, kann von einer Internetsucht ausgegangen werden.
- Einengung des Verhaltensmusters:
Im Denken, Verhalten und Gefühlserleben dominiert die Onlinewelt, die Tätigkeit am Computer wird zur wichtigsten Aktivität im Leben. - Regulation negativer Gefühlszustande:
Der Computer dient zur Stressbewältigung, negative Gefühlszustände werden verdrängt. - Toleranzentwicklung:
Die gewünschte Wirkung, die sich für den Betroffenen am Computer erzielen lässt, kann nur durch eine Steigerung erreicht werden. Für dieselbe Wirkung braucht er z.B. nach einigen Monaten mehrere Stunden mehr am Bildschirm. - Entzugserscheinungen:
Bei Onlinesucht treten genauso Entzugszeichen in Form von körperlichen Symptomen auf wie bei einer stofflichen Abhängigkeit. Kann keine Zeit am Computer verbracht werden, kommt es zu Angst, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Schwitzen, Nervosität, hohem Blutdruck oder Aggressionen.
- Kontrollverlust:
Das Onlineverhalten kann nicht mehr kontrolliert werden, dem Betroffenen gelingt keine zeitliche Eingrenzung. - Rückfall:
Selbst nach einer Bildschirmpause oder einer Phase der zeitlich begrenzten Nutzung kommt es doch wieder zur exzessiven Nutzung. - Schädliche Konsequenzen:
Durch die Vernachlässigung von Schule, Freunden, sozialen Kontakten und Hobbys kommt es zu Konflikten mit dem Umfeld sowie zu psychischen Problemen. Auch gesundheitliche Probleme (Über- oder Untergewicht, eingeschränkte Beweglichkeit, Kopfschmerz) treten auf.









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