Wissen, wie's geht
Onlinespiele und Jugendschutz (Forts.)
Altersfreigaben und -kontrollen fehlen

In den Bereich der Onlinespiele hat der Jugendmedienschutz noch keinen Zugang gefunden. Kinder und Jugendliche spielen auch für sie ungeeignete Spiele. Warum? Da es sich bei den Online-Casual Games und bei den kostenlosen Browsergames nicht um im Handel käuflich zu erwerbende Spiele handelt, gibt es keine Prüfung hinsichtlich einer Altersfreigabe. Das System der Altersfreigabe durch die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) greift hier nicht. Den Spielen fehlen gesetzliche Kennzeichnungen.
Auf den Spieleportalen fehlt oft eine klare Trennung zwischen dem Kinder- und dem Erwachsenenbereich. Im Inhaltsverzeichnis liegen dann direkt neben den kindgerechten Kategorien wie "Arcade" oder "Denkspiele" beispielsweise auch bedenkliche Kategorien "Casino", "Ego-Shooter" und "Erotikspiele".
Die teilweise von den Anbietern selbst ausgesprochenen Altersempfehlungen sind oft nur schwer aufzufinden. Zudem sind diese Empfehlungen aufgrund unterschiedlicher internationaler Konzepte von Wert- und Normvorstellungen für Eltern nicht immer nachvollziehbar.
Eine Alterskontrolle seitens der Betreiber fehlt entweder völlig oder findet lediglich pro forma statt. Meist ist es wahrlich ein "Kinderspiel", sich älter zu machen als man wirklich ist: Ein Häkchen in das Abfragekästchen "18. Lebensjahr vollendet" ist leicht gesetzt - und es meldet sich bestenfalls das schlechte Gewissen.
Kommunikation und Interaktion - Gefahr von Belästigung
In Browserspielen spielt Kommunikation eine große Rolle. Fast alle verfügen über Chats, Foren und Privat-Nachrichten-Systeme. Zusätzlich kommunizieren viele Spieler über ausgelagerte Systeme wie beispielsweise ICQ, Skype oder externe Foren. Derartige Kommunikationsräume bergen immer auch die Gefahr, dass Fremde mit unlauteren Absichten den Kontakt zu Minderjährigen suchen.
In den Foren finden sich nicht jugendfreie Kommentare, und die Option, Profile anzulegen wird durch extrovertierte Spieler ausgenutzt, sich in erotischen Posen zu zeigen. In den sogenannten "Ingame Chats" (Chats, die fest ins Spiel eingebaut sind) findet keine Moderation statt, so dass Kinder und Jugendliche mit sexueller Belästigung konfrontiert werden können.
Auch auf den Spieleportalen bestehen Kommunikationsmöglichkeiten. Bei
Funnygame beispielsweise gibt es "Vier Gewinnt" als Multiplayerspiel mit Chatoption: Beim Spielen lässt sich mit dem fremden Gegner chatten - und zwar unmoderiert.
Problematische Inhalte: Gewalt in Onlinespielen
Auf Spieleportalen finden sich auch Spiele, bei denen das Spielziel ausschließlich durch Gewalt und den Gebrauch virtueller Waffen zu erreichen ist. Diese Waffen können Schusswaffen, Schwerter oder Fäuste sein, mit denen ein Gegner ausgeschaltet werden soll. Geschmackssache sind Kriegsspiele, in denen z.B. Panzer abzuschießen sind. Bei einem anderen Spiel findet sich der Spieler in einer Schule wieder, in der ein Mitschüler Amok läuft und die Lehrer sowie Klassenkameraden umbringt. Beim virtuellen Seilspringen ersetzt Stacheldraht das Seil, so dass die Spielfigur nach und nach unter Blutverlust ihre Extremitäten verliert.
Trotz comicartiger Verharmlosung sind solche Spiele alles andere als kindgerecht. Zwar setzt der Anbieter beim letzten Beispiel den Satz "ACHTUNG: Dieses Spiel stellt unter Umständen Szenen dar, die Personen unter 16 Jahren NICHT zugänglich gemacht werden sollten!" vor das Spiel; dieser Hinweis steht jedoch unscheinbar unter der Spielbeschreibung - und welches Kind wird durch solch eine Warnung nicht erst recht neugierig?










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