Freitag, 12. März 2010

Newsletter Nr. 20

Das eigene Kind als Opfer oder Täter - was tun?

Sollte ihr Kind im Internet gemobbt werden, braucht es Ihre Hilfe, gerade so, als sei das Mobbing auf dem Schulweg passiert. Sie müssen zuhören, Verständnis zeigen, trösten – und sie müssen möglichst schnell handeln, um dem Mobbing ein Ende zu setzen.

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich möglichst schnell eine neue E-Mail Adresse zulegt. Die alte Adresse können Sie beim Anbieter löschen lassen. Auch eine neue ICQ-Kennung ("Addy") bietet sich an.
  • Wenn das Handy für Mobbing genutzt wird, sollten Sie den Anbieter wechseln und eine neue Telefonnummer besorgen. So ist man Beleidigungen etc. nicht länger ausgesetzt.
  • Raten Sie Ihrem Kind, alle Nicknames in Chats, in Foren oder bei SchülerVZ zu ändern, sobald es das nächste Mal im Netz unterwegs ist.
  • Wenn das nicht möglich ist, können zumindest die in sozialen Netzwerken eingebauten Sicherheitsmaßnahmen ausgeschöpft werden. Ihr Kind kann die Mobber auf "Ignorieren" schalten und so verhindern, weiter von ihnen E-Mails zu empfangen.
  • Melden Sie die Mobber beim Betreiber des Forums oder des Chats. Fordern Sie ihn auf, die Beiträge, in denen Ihr Kind beleidigt oder verhöhnt wird, zu löschen. Dies ist Ihr gutes Recht, wie der Bundesgerichtshof entschieden hat.
  • Wenn das Mobbing auf einer Video-Plattform wie MySpace oder YouTube stattfindet, lässt sich der Mobber möglicherweise mit Hilfe der Benutzerinformationen herausfinden. Wenn er Ihrem Kind bekannt ist, können Sie möglicherweise seinen Eltern einen eingeschriebenen Brief schreiben, in dem Sie auf das Mobbing hinweisen. Vorschläge für eine Formulierung finden Sie hier: www.medienbewusst.de
  • Veranlassen Sie die Betreiber der entsprechenden Plattform, das Video aus dem Netz zu nehmen.

Außerdem sollten Sie klären, ob eine Straftat vorliegt und sich nicht scheuen, sich gegebenenfalls an die Polizei zu wenden und Anzeige zu erstatten. Denn nicht nur solch krasse Beispiele wie abgefilmte Schlägereien oder Vergewaltigungen sind strafbar. Auch jede Verletzung des Persönlichkeitsrechts, Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachrede, Drohung, Erpressung und Nötigung können geahndet werden, wie im realen Leben. Wer meint, es sei durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt, in Foren oder Chats jemanden öffentlich für unfähig, hässlich oder bescheuert zu erklären, irrt.

Das Internet ist keinesfalls ein rechtsfreier Raum. Dort gelten die gesetzlich garantierten Rechte wie im wirklichen Leben. Scheuen Sie sich also nicht, die Polizei einzuschalten und befürchten Sie nicht, dort abgewiesen zu werden. Denn Cybermobber sind nicht anonym; die Polizei kann mit Hilfe der Provider die IP-Nummern der Mobber erfahren und die Täter verfolgen.

Allerdings sollten Sie vorher Beweise sammeln, damit die Polizei auch tätig werden kann. So schwer es fällt – heben Sie E-Mails, SMS und Chatprotokolle im Messenger auf, in denen Ihr Kind gemobbt wird. Machen Sie Screenshots von den entsprechenden Websites. Laden Sie beleidigende Videos herunter und brennen Sie sie auf CD oder DVD.

Auch in anderen Ländern beschäftigt Cybermobbing die Gerichte. In einigen Ländern wurden bereits die Gesetze verschärft oder neue Möglichkeiten der Kontrolle eingeführt. Am weitesten geht im Moment Südkorea. Dort müssen - nach mehreren Selbstmordfällen aufgrund von Cybermobbing – User in Chats echte Namen und ihre Sozialversicherungsnummer beim Betreiber hinterlegen.

Hilfe – mein Kind mobbt andere!

Was tun, wenn sich herausstellt, dass Ihr Kind zu den Tätern gehört? Eine solche Feststellung ist sicher für jede Mutter und jeden Vater zunächst einmal erschreckend. Aber auch hier gilt es, kühlen Kopf zu bewahren.

Unter Wissenschaftlern ist nicht völlig geklärt, welche Kinder zu Tätern werden. Als mögliche Auslöser für Mobbing gelten geringe Selbstkontrolle, zu wenig ausgeprägte Konfliktlösungsstrategien, körperliche Stärke, Fehleinschätzung des Verhaltens anderer, geringes Selbstwertgefühl, Spaß an Machtausübung oder wenig Empathie. Kurz: eine Mischung aus Eigenschaften, wie sie gerade zu Beginn der Pubertät bei fast allen Kindern zu finden sind.

Es ist also sicher nicht angebracht, das eigene Kind als kleines "Monster" zu sehen und zu bestrafen. Machen Sie sich klar, dass Mobbing in einer Gruppe geschieht, in der es bestimmte Spielregeln und Machtkonstellationen gibt. Versuchen Sie herauszufinden, welche Rolle Ihr Kind in dieser Gruppe hat! Stiftet es zum Mobbing an? Oder gehört es zu denen, die die Ideen eines anderen ausführen? Denn nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts geschieht Mobbing überwiegend aus Gruppen heraus, in denen ein überdurchschnittlich intelligentes Kind andere dazu bringt, die tatsächlichen Handlungen auszuführen.

Kommt es zum Mobbing in einer Schule, so müssen Sie als Eltern nicht die Aufgabe übernehmen, den Konflikt zu regeln oder Ihr Kind gar zu bestrafen. Das ist Sache der Schule. Ihre Aufgabe ist es, mit dem Kind gemeinsam zu überlegen, wie es aus der Situation mit Anstand herauskommt und welche Konsequenzen es ziehen sollte.

  • Überlegen Sie gemeinsam, ob eine mündliche oder schriftliche Entschuldigung sinnvoll ist.
  • Versuchen Sie im Gespräch herauszufinden, was dem Mobbing vorausgegangen ist. Häufig lassen Kinder Druck von Lehrern auf diese Art an anderen aus.
  • Wenn das Mobbing durch die schulische Situation bedingt war, verabreden Sie ein Gespräch mit dem Klassenlehrer.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar, was es einem Mitschüler angetan hat. Regen Sie es dazu an, sich die Qualen des anderen auszumalen.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind, sich klare Ziele zu setzen und zum Beispiel nicht mehr den Anregungen anderer Mobber zu folgen. Machen Sie Ihm klar, dass echte Freunde sich deshalb nicht von ihm abwenden werden.
  • Suchen Sie das Gespräch mit dem Klassenlehrer, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind Probleme hat, mit Konflikten in der Klasse umzugehen. Bitten Sie um Hilfe für Ihr Kind.
  • Wenn Sie denken, Ihrem Kind würde mehr Selbstkontrolle und Selbstbewusstsein gut tun, überlegen Sie, wo es das lernen kann. Hier bieten sich an, gemeinsam nach einer Sportart zu suchen, die Ihrem Kind in seiner Entwicklung weiterhelfen kann. Dies kann eine Mannschaftssportart sein oder auch Kampfsport – je nach Interesse Ihres Kindes.

Anlaufstellen im Netz

Das Internet ist häufig die Quelle von Mobbing. Es bietet zugleich aber zahlreiche Möglichkeiten, Hilfe zu finden.

weiter

zurück

Bücherregal mit Aufschrift "Lesen 2.0"; Rechte: Internet-ABC

Literaturtipps für Eltern
Manchmal darf es eben doch ein klassisches Medium wie das gute alte Buch sein: Das Internet-ABC stellt Ihnen verschiedene Bücher vor, die ihnen das Erziehen im Medienzeitalter leichter machen.

weiter

 

Service & Presse

 

RSS

 

Mitglieder

 

Über uns / About us

 

Kontakt

 


Newsletter abonnieren


www.klicksafe.de
 
www.seitenstark.de
Schirmherrschaft: www.unesco.de

Themen

Broschüre  Computerspiele  Internetsucht  Mobbing  Lernsoftware  SchülerVZ & Co.  Schule  Spieletipps