Newsletter Nr. 20
Wie schützt man Kinder vor Mobbing und Cyber-Mobbing?
Der beste Schutz vor Mobbing sind eine funktionierende Klassengemeinschaft und eine Schule, in der ein gewaltfreies Lernklima herrscht. Dafür müssen Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam sorgen. Gegen Mobbing im realen Leben helfen gut geschulte Konfliktlotsen oder Streitschlichter, die einzelne Mobbingfälle bearbeiten oder im Vorfeld eingreifen können. Auch Vertrauenslehrern oder Verbindungslehrern kommt eine tragende Rolle zu.
Doch es geht nicht ohne Eltern! Denn wenn ein Kind gemobbt wird, braucht es ihre Unterstützung. Freundinnen und Freunde können eine Zeit lang helfen, doch bei hartnäckigen Fällen müssen Eltern eingreifen und mit dem Kind gemeinsam handeln. Für Ihr Kind und Sie gibt es auf der Seite "Mobbing- Schluss damit!" zahlreiche Tipps und Antworten auf drängende Fragen:
- Bin ich normal?
- Was ist der Unterschied zwischen Petzen und Hilfe holen?
- Was nützt ein Mobbing-Tagebuch?
- Wie kann ich mir selbst helfen?
Auch die Eltern geraten in eine schwierige Situation, wenn ihr Kind zur Zielscheibe von Mobbing geworden ist. Dann heißt es, die Balance zu finden zwischen "aktiv dagegen angehen" und "Ruhe bewahren". Einige Hinweise:
- Stehen Sie Ihrem Kind bei! Es ist nicht daran schuld, dass es gemobbt wird.
- Behalten Sie die Nerven, sprechen Sie nicht direkt mit den Mobbern und auch nicht mit deren Eltern.
- Sprechen Sie mit dem Klassenlehrer / der Klassenlehrerin und schildern Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Vorfälle. Vielleicht kann Ihr Kind vorher ein Mobbingtagebuch schreiben.
- Wenn die Lehrer nicht bereit sind etwas zu tun, spreche Sie mit dem Schulleiter.
- Sind Straftaten wie Angriffe, Sachbeschädigungen, Beleidigungen oder üble Nachrede beim Mobbing verübt worden, wenden Sie sich an die Polizei.
- Bitten Sie den Klassenlehrer, das Thema Mobbing im Unterricht zu behandeln. Je öfter und je offener in der Klasse über Mobbing gesprochen wird, umso geringer wird die Gefahr, dass gemobbt wird.
- Schlagen Sie vor, dass die Klasse ein Anti-Aggressionstraining oder ein Anti-Mobbingtraining macht. Ansprechpartner wäre hier die Polizei.
Mobbing verschwindet nicht, wenn ein Mobbing-Opfer die Schule wechselt. Dadurch fühlen sich die Mobber oft nur noch mehr in ihrem Handeln bestätigt und suchen sich ein neues Opfer. Auch dem Kind, das die Schule wechselt, ist nicht unbedingt geholfen. Mobber greifen meist Kinder an, deren Selbstbewusstsein (vorübergehend) im Keller ist. Helfen Sie Ihrem Kind, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu finden. Überlegen Sie, wo es sich Erfolgserlebnisse holen und neue Freunde finden kann. Hier bieten sich Sportvereine, Jugendgruppen etc. an.
Schutz vor Cybermobbing
Kinder, die über das Internet gemobbt werden, haben oft größere Hemmungen, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen als Kinder, die in der Schule drangsaliert werden. Häufig verstehen die Erwachsenen nicht, was da eigentlich vor sich geht. Oder sie haben grundsätzlich eine negative Haltung zu der "ewigen" Telefoniererei, SMS-Verschickerei, dem ständigen Chatten usw. Kinder befürchten, dass ein Internetverbot ausgesprochen wird, wenn sie über Mobbing berichten.
Bleiben Sie also ruhig, machen Sie sich sachkundig und versuchen Sie, über Cybermobbing mit Ihrem Kind möglichst zu sprechen, bevor es selbst möglicherweise Opfer wird.
Kinder, die Mobbingerfahrungen machen oder sich einfach nur für das Thema interessieren, können überigens einmal in der Woche mit Experten über das Thema chatten. Jeweils donnerstags ist der Seitenstark-Anti-Mobbing-Chat von 17 bis 19 Uhr geöffnet.
Vorbeugen gegen Cybermobbing
Die Ratschläge zum Schutz vor Cybermobbing sind nicht originell. Wie bei allen Gefahren, die aus dem Internet drohen, geht es um den Schutz der persönlichen Daten:
- Erinnern Sie Ihr Kind daran, dass es niemals Passwörter oder PINs an andere weitergeben darf und dass es darauf achten soll, dass niemand dabei ist, wenn es sich mit Passwort oder PIN identifiziert. Erklären Sie ihm, dass man sich so davor schützen kann, dass andere im eigenen Namen handeln und Unsinn anstellen. (Siehe dazu:
www.checked4you.de) - Richten Sie für Ihr Kind - vor allem, wenn es noch jünger ist, eine sichere E-Mail Adresse ein, in der es nur von Menschen kontaktiert werden kann, die es kennt. Nähere Informationen finden Sie hier. (Siehe dazu:
www.mail4kidz.de) - Googeln Sie gemeinsam mit Ihrem Kind dessen Namen! Geben Sie ihn in den Suchschlitz von Google (oder einer anderen Suchmaschine) ein. So entdecken Sie gemeinsam, ob und wo der Name überall auftaucht. Dasselbe kann man mit der E-Mail Adresse, der Telefonnmmer und der ICQ-Nummer tun. Auch eine Suche nach Bildern in Verbindung mit dem Namen lohnt sich. Wenn persönliche Daten irgendwo auftauchen, wo sie nicht sein sollten, können Sie sich mit dem Webseitenbetreiber in Verbindung setzen.
- Unbedingt müssen Erwachsene davon erfahren, wenn Kinder Cybermobbing ausgesetzt sind. Dazu müssen Kinder aber genug Vertrauen zu ihnen haben. Verfluchen Sie also nicht das Internet ("Hab ich doch schon immer gesagt ...."), drohen Sie nicht mit Internet-Verboten. Versuchen Sie, ein glaubwürdiger Gesprächspartner zu sein, der versteht, was beim Cybermobbing vor sich geht! Informieren Sie sich also rechtzeitig und sprechen Sie das Thema an, wenn das eigene Kind nicht betroffen ist.
- Ermuntern Sie Ihr Kind, anderen zu helfen, die im Netz gemobbt werden! Wie im echten Leben hilft es auch in Foren, Chats und Netzwerken, wenn andere sich nicht gleichgültig verhalten. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es die Moderatoren benachrichtigen soll, wenn es Mobbing beobachtet. Je mehr Leute das machen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einem selbst auch geholfen wird.
- Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind nicht selbst zum Täter wirkt. Kinder schreiben oft aus Ärger oder Wut heraus eine SMS oder einen Kommentar in ein Forum, der jemand anderen beleidigt. Oft entwickeln sich daraus Mobbingfälle. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass das Internet kein privates Medium ist. Streitigkeiten sollte man persönlich austragen, nicht mit Hilfe des Handys oder des Internets.
- Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es nichts ins Netz stellt, was gegen es verwendet werden kann. Also keine privaten Fotos, schon gar keine Fotos im Bikini oder in Badehose oder gar Fotos vom FKK-Strand. Hier müssen auch Eltern mehr Sorgfalt walten lassen, denn oft werden ganze Urlaube mit Fotos im Netz dokumentiert.
Das Thema Mobbing und Cybermobbing sollte im Unterricht besprochen werden, um das Bewusstsein von Kindern zu schärfen, was dabei passiert. Der Film "Stop Cyber-Mobbing", den die EU herausgebracht hat, zeigt dies in nur 60 Sekunden eindrucksvoll. Der Spot ermutigt, solche Fälle zu melden und sich gegen Cybermobbing zu wehren.
Es gibt auch ausgearbeitete Vorschläge zu einer Art Vertrag, bei dem sich Schülerinnen und Schüler zu einem respektvollen Umgang miteinander verpflichten - im Klassenzimmer und im Netz. So können Schulen ein deutliches Zeichen gegen Mobbing setzen.









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