Sicher im Netz
Ein Lösungsversuch: der ICRA-Filter
Der ideale Filter müsste also zuverlässig, wertneutral und kostenlos sein. Daran versucht sich die internationale
"Internet Content Rating Association" (ICRA), eine gemeinnützige Organisation mit Geschäftsstellen in Großbritannien und den USA, die aus Firmen der Internet-Industrie und aus Non-Profit-Organisationen besteht. Mitglieder sind etwa AOL, British Telecom, IBM, Microsoft, die Parental Advisory Group for the Internet (PAGI) aus Singapur, T-Online, Tiscali und Yahoo!.
Das ICRA-Filtersystem basiert auf der Selbstklassifizierung der Website-Betreiber, bringt also keine eigene Bewertung in das Filtersystem ein. ICRA lädt die Betreiber von Internet-Seiten dazu ein, per Online-Fragebogen freiwillig anzugeben, welche Inhalte ihre Internet-Seite enthält. Dabei können die Anbieter ihre Inhalte wertneutral und sehr präzise beschreiben - beispielsweise mit Beschreibungen wie "sichtbarer Geschlechtsakt", "Blutvergießen", "Tötung von Tieren und Menschen", "entblößter Hintern" - aber auch "sexualisierte Sprache", "Aufruf zur Diskriminierung" oder "positive Darstellung von Tabak, Drogen und Glücksspiel".
Nach den Beschreibungen erstellt ICRA mit dem PICS-System ein elektronisches Etikett, das an die Seite geheftet wird. Der gesamte Vorgang dauert weniger als 10 Minuten und ist einfach zu handhaben.
Der Nutzer kann sich kostenlos den ICRA-Filter herunterladen und nach seinen eigenen Wertvorstellungen einstellen. Je nachdem, nach welchen persönlichen Kriterien der Filter eingestellt worden ist, werden nun etikettierte Internetseiten angezeigt oder blockiert.

Dabei können die Nutzer auch aus einem Angebot von bereits eingestellten Filterschablonen (templates) auswählen. Diese werden von verschiedensten gesellschaftlich relevanten Gruppen - etwa Kirchen, Jugendschutz-Initiativen, Nichtregierungsorganisationen wie terre des hommes oder dem Bundeskriminalamt - angeboten. So gibt es beispielsweise eine Filterschablone von der Anti-Defamation League, Filterschablonen speziell für Acht- bis Zehnjährige oder feststehende Filter-Profile, die bestimmte Werte widerspiegeln.
Negativ- und Positivlisten
Zusätzlich können die Nutzer Negativ- und Positivlisten einsetzen, die wiederum von gesellschaftlichen Institutionen angeboten werden. Positivlisten bieten die Möglichkeit, dass die aufgeführten Adressen, die nach der individuellen Einstellung des Filters eigentlich gesperrt sind, ausnahmsweise freigeschaltet sein sollen. Negativlisten bieten die Möglichkeit, dass die Inhalte der aufgeführten Adressen generell als Seiten eingestuft werden, die problematischen Charakter haben und unter keinen Umständen aufgerufen werden sollten.
ICRA selbst stellt übrigens keine Listen zur Verfügung, um sich einer moralischen Wertung von Inhalten zu enthalten. Dennoch bleibt das System explizit offen, um moralische Wertvorstellungen solcher Institutionen, denen der Nutzer vertraut, einzubringen. Mit dem ICRA-Filter kann der Nutzer also bewusst selbst entscheiden, nach welchen moralischen Kriterien er filtern will.
Natürlich gibt es auch Kritik an ICRA: Dabei steht überwiegend die Freiwilligkeit der Selbstklassifizierung im Mittelpunkt. Doch wie sähe die Alternative aus? Zensur wäre kaum eine Lösung - und wäre auch kaum realisierbar.
ICRA ist darum bemüht, dass die meisten kinderspezifischen sowie alle auf Erwachsene abzielenden Seiten klassifiziert werden. Wenn es gelingt, dass alle weltweit gängigen Kinderseiten aufgerufen und die meistbesuchten Erwachsenen-Seiten gesperrt werden können, hätte das ICRA-System eine bisher unbekannte Sicherheit im Netz erzielt und käme einem Standard gleich.
Letztlich ist auch ICRA kein absolut sicheres Instrument für Eltern, um ihre Kinder vor problematischen Inhalten zu bewahren. Allerdings könnte mit dem ICRA-Filter die Gefahr zumindest erheblich minimiert werden. Dies sollte Eltern jedoch nicht dazu verführen, auf eine pädagogische Begleitung der Kinder beim Surfen zu verzichten. Insofern: ICRA ist ein Hilfsmittel - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Entwicklung der deutschen ICRA-Version ("ICRADeutschland") ist zudem noch nicht abgeschlossen. Die Diskussion über die Kriterien zur Einstufung und die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz, die Voraussetzung ist, um die Etikettierungen durch die Anbieter zu erreichen, stecken noch in den Kinderschuhen. In Deutschland hat das eco Forum e.V., der Verband der deutschen Internetwirtschaft, die Rolle des Point of Presence (PoP) der Internet Content Rating Association für den deutschsprachigen Raum übernommen. (
http://www.eco.de/servlet/PB/menu/1211767_l1/index.html)










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