Samstag, 11. Februar 2012

Computerspiele und Jugendschutz

Mitspielen statt verbieten!

Video- und Computerspiele führen immer wieder zu Konflikten zwischen Kindern und Erwachsenen, insbesondere im Hinblick auf die Zeit, die mit Bildschirmspielen verbracht wird, und in Bezug auf den Inhalt. Das Verbot oder das Abschalten der Video- und Computerspiele scheint für viele Eltern die einzige Maßnahme, um den Spielekonsum ihrer Kinder zu reduzieren bzw. um immer wiederkehrende Diskussionen zu vermeiden.

Bild: Zusammen vor dem Bildschirm; Rechte: Internet-ABC

Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass es überwiegend die Eltern sind, die den Kindern die Spiele kaufen. Ca. 60 Prozent der sechs- bis dreizehnjährigen PC-Spieler geben an, dass sie ihre Spiele von ihren Eltern bekommen, 36 Prozent bekommen die Spiele von Freunden (vgl. KIM 2006). Offensichtlich scheinen sich die Eltern jedoch beim Kauf der Spiele wenig Gedanken darüber zu machen, auf welche Weise und in welchem Umfang die Kinder diese Spiele nutzen. Ist das Kind erst einmal in das Spiel versunken, ist es weder ratsam noch sinnvoll, unvermittelt Verbote einzuführen. Wichtiger scheint indes, dass sich Eltern frühzeitig Gedanken darüber machen, wie sie neben Fernsehen, Computer und Internet auch die Video- und Computerspiele sinnvoll in ihr allgemeines (Medien-)Erziehungskonzept integrieren können. Dies ermöglicht einen entspannten Umgang mit den Medien und wirkt auch präventiv im Hinblick auf Konflikte, wenngleich diese natürlich nicht ausbleiben.

Informieren - zuschauen - mitspielen

Der erste Schritt sollte darin bestehen, dass sich Eltern vor dem Kauf eines Spiels über das jeweilige Angebot informieren. Worum geht es in dem Spiel? Ab welchem Alter ist dieses Spiel für Kinder geeignet? Welche USK-Freigabe hat das Spiel? Inzwischen gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich einen Überblick über das Angebot an Video- und Bildschirmspielen zu verschaffen.

Die Datenbank der Bundeszentrale für politische Bildung bietet zum Beispiel die Möglichkeit, sich Beurteilungen von Pädagogen und Kindern zu knapp 550 Video- und Computerspielen anzusehen. Dabei kann nach Spielgenres, Altersgruppen, Themengebieten und im Volltext gesucht werden. Auf diese Weise können sich Eltern vorab eine eigene Meinung zu einem Spiel bilden.

Auch über die Datenbank www.zavatar.de findet man Spielbeschreibungen zu sämtlichen erhältlichen Spielen mit der jeweiligen USK-Einstufung.

Einen guten Überblick über Spiel- und Lernsoftware bietet darüber hinaus die Broschüre des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln.

Eltern, die ihren Kindern einen unbedenklichen Spielspaß ermöglichen wollen, bietet das LinkpfeilInternet-ABC die Möglichkeit, in einer eigenen Datenbank ausschließlich nach für Kindern geeigneten Spielen zu suchen.

Auch das Internet-ABC bietet ein Fülle von Empfehlungen. Das Besondere: Es handelt bei den Spieletipps um eine Positivliste. Bewertet wird lediglich Software, die ein Kind unter Berücksichtigung des Alters bedenkenlos spielen kann und die zudem ein gehöriges Maß an Qualität in sich birgt!

Ist ein Spiel gekauft, sollte die Beteiligung bzw. das Interesse der Eltern nicht abreißen. Sinnvoll wäre, sich das Spiel mit den Kindern gemeinsam anzusehen und auszuprobieren. Bei jüngeren Kindern gilt - ähnlich wie für die Fernsehnutzung - auch für Computerspiele, dass die Nutzung soweit wie möglich begleitet sein sollte. Gemeinsam mit dem Kind sollten vor Beginn des Spieles Regeln aufgestellt werden, wie lange ein Spiel gespielt wird. Durch das Zuschauen bekommen die Eltern einen Eindruck vom Spiel selbst, aber auch davon, wie das Kind mit dem Spiel umgeht, ob es durch das Spiel überfordert wird etc. Um die Faszination der Video- und PC-Spiele selbst zu erleben, muss man allerdings selbst zur Maus oder zum Controller greifen.

Das Spiel mit den Kindern ist dabei mehr als nur ein gemeinsames Erlebnis; es vermittelt den Kindern zudem das Gefühl, mit ihren Interessen und Vorlieben ernst genommen werden. Zudem genießen es Kinder, wenn sie Erwachsenen Dinge erklären oder sie auch mal im Spiel besiegen können - beides stärkt ihr Selbstbewusstsein. Darüber hinaus bieten die Spiele gute Anlässe, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, sei es über ästhetische oder moralische Fragen (u. a. in Bezug auf das Thema Gewalt in Video- und Computerspielen), aber auch über Bedürfnisse und Themeninteressen der Kinder: Warum möchte es ein bestimmtes Spiel spielen? Was fasziniert an Ego-Shootern, Adventuregames oder LAN-Partys?

Spiele in der Schule

Da viele Eltern noch ohne Video- und Computerspiele aufgewachsen sind und bislang vielleicht noch keinen Kontakt mit diesen Spielen hatten, fällt es oftmals schwer, sich auf Unbekanntes einzulassen oder gar Regeln aufzustellen. Hier sind vor allem pädagogische Fachkräfte gefragt, den Eltern entsprechende Hilfestellung und Konzepte an die Hand zu geben, die sie in ihren (Medien-)Erziehungsalltag umsetzten können.

Auch hier sind die Berührungsängste bisweilen sehr groß. Oftmals werden Medien, insbesondere unterhaltungsorientierte Angebote, als Störfaktoren empfunden und aus dem schulischen Kontext ausgeklammert. Video- und Computerspiele bieten aber auch für schulische Bereiche interessante Möglichkeiten, sowohl als didaktisches Mittel (z.B. Simulationsspiele, Denkspiele, Edutainment-Software oder sog. Serious Games zu unterschiedlichen Themenfeldern), aber auch als fächerübergreifendes Thema. Denkbar wäre beispielsweise, dass sich Schülerinnen und Schüler im Ethikunterricht mit dem Thema Gewalt in Computerspielen befassen, im Deutschunterricht eine Spielekritik formulieren, im Kunstunterricht eigene virtuelle Welten entwerfen etc.

Einzige Grundvoraussetzung auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer ist eine Offenheit gegenüber Unbekanntem und Interesse an Kinder- und Jugendkultur.

Zum Weiterlesen:

Linktipps

Literaturtipps

  • JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (2005)
    Von Gameboy bis Internet: Spielen ohne Grenzen. Materialpaket für Seminare mit Eltern und Kindern. München: KoPaed.
  • Scholtz, Christopher (2006)
    Spielwahl und Spielpraxis Computerspiele als pädagogische Herausforderung. In: Kaminski, Winfried/Lorber, Martin (Hrsg.): Clash of Realities. Computerspiele und soziale Wirklichkeit. München: KoPäd, 211-223.

Autorin: Dr. Claudia Lampert

Dr. Claudia Lampert ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hans-Bredow-Institut, Hamburg, tätig. Seit November 2003 ist sie Sprecherin der Fachgruppe Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK).

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