Spiel des Monats (Dezember 2005)
Muzzle






Beschreibung
Nice Price Spiele erfreuen sich in letzter Zeit großer Beliebtheit. Sie sind nicht nur im Anschaffungspreis - im Schnitt mit 10 Euro - ein echtes Schnäppchen, sondern haben meist auch ein anderes Konzept. Während die meisten Computerspiele, die neu auf den Markt kommen, mit Tutorials, Kampagnen und Missionen auf einen längeren Spielaufenthalt einstimmen, beschränken sich viele Nice Price Spiele eher auf kurze Runden. Damit erreichen sie vor allem eine Zielgruppe, die nicht nur möglicherweise klamm oder sparsam ist, sondern auch deren Zeit äußerst knapp bemessen ist. Das Tüftelspiel "Crazy Machines" passt hervorragend in diese Kategorie, aber eben auch das Mäusespiele "Muzzle".

Vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen
Auch wenn die sehr platt anmutende Bildergeschichte am Anfang eher abstoßend wirkt, lässt sich ein gewisser Reiz am Lösen der Puzzles nicht absprechen. "Muzzle" sieht auf den ersten Blick nach nichts Besonderem aus. Spieler ab sechs Jahren begleiten eine Maus in einem kreuzförmigen Gleiter durch komplizierte Kammern und seltsame Apparaturen. Ziel ist eigentlich immer das Gleiche: Bring das Futter ins sichere Mauseloch. Klingt erstmal nach: "Na ja, und?" Aber Muzzle gehört zu den Spielen, die hinten durch die Brust ins Auge treffen. Sprich: Es wird beim Spielen immer besser.

Bloß nichts vermuzzeln
Der Teufel steckt im Detail: Das tolle Essen kann aus Käse, kreuzförmigen Cracker oder gigantischen Burgern bestehen. Aber der Spieler kann sich nichts greifen, sondern die begehrten Fressalien nur anstupsen, die daraufhin losgeleiten. Hier kommt es besonders auf das Fingerspitzengefühl an. Ein zu schwacher Schubs und - nichts. Der Burger rutscht einen Millimeter weiter. Ein starker Stoß hingegen und der Burger geht ab wie Schmidts Katze (hier gibt's übrigens keine), knallt gegen die Bande und muss sich erst wieder entschleunigen, bevor der nächste Versuch losgeht.

Physik und Mäuse
Kenner der Materie fühlen sich an die frühen Atarizeiten erinnert, als das Spiel "Oxyd" ebenfalls jeden Schritt durch die vorhandene Physik, etwa die veränderte Schwerkraft, beeinflusste. So schiebt der Spieler bei "Muzzle" das Futter so schnell er kann in das Mauseloch. Aber das ist weitaus schwieriger als gedacht. Denn Untergrund und Objekte folgen auch hier einer Physik, die sich durchaus verändern kann. Die Kekse ziehen sich zum Beispiel magnetisch an oder stoßen sich ab. Oder sie gleiten einem allesamt davon. Auch Hindernisse stehen immer im Weg herum. Mal Streichhölzer, mal Wände oder Eis.

Die ganze Zeit tickt die Uhr
Der Spieler hat für jede Aufgabe äußerst wenig Zeit. Um ein Rätsel zu lösen, muss er das also in einem äußerst knappen Tempo schaffen, weshalb der Schweiß auf der Stirn steht, das Adrenalin spürbar wird und "Muzzle" bei schwächeren Spielern auch die negativen Gefühle des Lebens auslösen kann: Wut und Frust. Hat der Spieler aber erstmal den Dreh raus, wird er vom "Muzzle"-Fieber gepackt. Das Spiel ist - wie gesagt - eigentlich nichts Besonderes. Aber wer erst einmal mit einem Level anfängt, kann das Mausen nicht lassen. Es ist wie beim Erdnüssen essen: Isst du die erste, gibst du keine Ruhe, bis die Packung leer ist.










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