Thema des Monats
Jugendschutz im Web (03.09.2008)
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Bei einigen Medien ist die Kontrolle relativ einfach: Wenn ein 12-Jähriger ins Kino marschiert, um sich einen Film anzusehen, der offiziell "ab 18" ist, so fällt das zweifellos auf. Ähnliches gilt für Bücher und Magazine, die für Volljährige gedacht sind: Die liegen unter der Ladentheke - und gelangen bestenfalls auf Umwegen in die Hände von Minderjährigen. Diese Form von Jugendschutz funktioniert gar nicht mal schlecht.
Das Internet erschwert funktionierenden Jugendschutz

Seitdem es jedoch das Internet gibt, ist Jugendschutz ein schwieriges Thema geworden, es ist mitunter sogar nahezu aussichtslos, ihn durchzusetzen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Der vielleicht wichtigste: Das Internet ist international. Was kümmert einen Webserver in Übersee unser gesetzliches Regelwerk? Kaum. Abgesehen davon ist das Internet schwer bis gar nicht zu kontrollieren. Selbst wenn eine als jugendgefährdend gekennzeichnete Webseite hierzulande gesperrt würde: Es gäbe "ruck zuck" Kopien der Inhalte im Netz.
Selbst in China, wo bekanntlich ein ungeheurer Aufwand betrieben wird, um das Netz und vor allem die User rund um die Uhr zu kontrollieren, gelingt es nicht, unerwünschte Inhalte zu 100% zu blockieren. Das ist im Internet vollkommen unmöglich. Folglich muss es auch der falsche Ansatz sein, das überhaupt zu versuchen. Sperren, Blockaden, Jugendschutzfilter funktionieren oftmals kaum bis gar nicht und sind daher kein guter Jugendschutz.
Jahresbericht von jugendschutz.net
Doch auch, wenn es wohl kaum möglich ist, das gesamte Internet zur "jugendfreien Zone" zu machen, heißt das noch lange nicht, dass man in die Hände in den Schoss legen sollte. Im Gegenteil: Es gibt durchaus mögliche Ansätze, das Problem zumindest etwas zu entschärfen. Neben dem Aufbau von Medienkompetenz bei allen, egal ob Eltern, Lehrer oder Jugendliche, gilt es vor allem, die von Jugendlichen besonders häufig angesteuerten Webseiten zum Mitmachen zu bewegen.
Jugendschutz.net beschäftigt sich intensiv mit der Thematik und hat dieser Tage den "Jahresbericht 2007: Jugendschutz im Internet" vorgelegt. Die zentrale Kontrollstelle für den Jugendschutz im deutschsprachigen Internet fordert nicht etwa mehr Kontrollen, sondern mehr Rücksicht auf Kinder und Jugendliche im Web 2.0. Die neuen Dienste seien eine "besondere Herausforderung für den Jugendschutz", da zahllose User ihre Beiträge online stellen. Die Betreiber sollten Mindeststandards einhalten und Minderjährige besser vor Inhalten schützen, die sie überfordern oder ängstigen können.
Ein Anfang ist gemacht: Rücksicht auf jugendliche User
So ein Aufruf kann funktionieren, zumindest bei großen, international aktiven Anbietern, die auch hierzulande tätig sein. Google, Yahoo, Youtube, StudiVZ, SchuelerVZ, Facebook - die Liste der bei Jugendlichen besonders populären Webangebote ist lang. Die Bemühungen auf solche Anbieter zu konzentrieren, ist durchaus sinnvoll. Da hier in der Regel Unternehmen mit kommerziellen Interessen dahinter stehen, ist die Hoffnung auf Einsicht und Mitarbeit nicht vollkommen unbegründet, auch wenn der Jugendschutz in solchen Unternehmen sicher nicht an erster Stelle steht. Umso wichtiger, dass die Unternehmen immer wieder an ihre Verantwortung erinnert werden.
Ermutigend ist die Erfahrung von jugendschutz.net, dass drei Viertel aller Verstöße schnell beseitigt werden, wenn die Betreiber nur darauf angesprochen werden. Immerhin. Erfolgreich sind die Bemühungen nach den Erfahrungen von jugendschutz.net auch bei ausländischen Angeboten, wenn Anbieter von Speicherplatz oder Betreiber von Suchdiensten, Plattformen und Communitys über schwere Verstöße informiert werden. Das scheint also der richtige Weg zu sein.
Unverzichtbar: Medienkompetenz
A und O, das bestätigt auch jugendschutz.net nun wieder, ist eine solide Medienkompetenz. Heute sollte sich jeder, der das Internet nutzt, auch mit den Gefahren und Risiken auseinander setzen. In vielen Bereichen ist das Problembewusstsein bei Jugendlichen sehr gut ausgeprägt. So fangen sich Jugendliche vergleichsweise selten Viren oder Würmer ein, auch fallen sie nicht so leicht auf Phishing-Angriffe herein.
Allerdings sind sich viele Jugendliche nicht bewusst, welche Folgen es haben kann, Informationen über sich oder Fotos ins Netz zu stellen. So etwas verbleibt ewig im Netz - und kann irgendwann zum Bumerang werden, etwa, wenn sich die Jugendlichen irgendwo bewerben wollen.
Vor allem in diesem Bereich ist noch eine Menge Aufklärung nötig - auch eine Form von Jugendschutz. Zumindest im Zeitalter von Web 2.0.
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