Thema des Monats
Twitter: Fluch oder Segen? (01.10.2009)
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Vor kurzem hat sich ZDF-Talkmaster Johannes B. Kerner, der sich selbst als Journalist betrachtet, in seiner nächtlichen Plaudersendung über Twitter ausgelassen und damit einen Sturm der Entrüstung in der Bloggerszene hervorgerufen. Denn Kerner hat sich nicht etwa kritisch, sondern vor allem herablassend über den Onlinedienst ausgelassen, der weltweit immer mehr Anhänger findet.
Zwei unversöhnbare Lager: Fans und Ablehner

"Twitter ist wie die Pest", meinte der Talkmaster - hatte aber vorausgeschickt, sich noch nie ernsthaft mit Twitter beschäftigt zu haben, er habe noch nie Tweets abgesetzt oder Tweets anderer User gelesen. Nun ist es für einen Journalisten natürlich zumindest ungewöhnlich, zu einem so eindeutigen Urteil zu gelangen, ohne sich vorher den Mühen der Recherche zu unterwerfen. Aber JBK schien unbeirrbar und schob nach der öffentlichen Lektüre einiger belanglos wirkenden Twitter-Nachrichten nur noch ein "Wen interessiert denn das?" hinterher. Das Publikum johlte.
Es scheint zwei unversöhnbare Lager zu geben: Echte Twitter-Fans - und Twitter-Ablehner. Das Lager der Ablehner ist (bislang) deutlich größer, zumal sich hier auch alle einreihen, die sich Twitter noch niemals angeschaut haben. So wird man dem Dienst allerdings nicht gerecht, da hier ein zwar simples, aber durchaus überzeugendes Konzept dahinter steckt. Die Beschränkung auf 140 Zeichen zum Beispiel, länger darf eine Twitter-Nachricht nicht sein, empfinden viele zwar als enorme Einschränkung. Andere sehen aber gerade hier eine Stärke, denn so ist jeder gezwungen, sich kurz zu fassen. Außerdem lassen sich Tweets so auch problemlos per SMS auf Handys verschicken (oder vom Handy versenden).
Maximal 140 Zeichen hat eine eigene Sprache hervorgebracht
Auf jeden Fall hat die Beschränkung auf 140 Zeichen eine eigene Sprache hervorgebracht. Tweets sind gewissermaßen die Telegramme des 21. Jahrhunderts: Kurz, prägnant, informativ. Der Charme von Twitter liegt daran, dass es abgesehen von der Längenbeschränkung praktisch keine Grenzen gibt. Ob ein Twitter-Kanal einen "Follower" hat, also einen treuen Leser, oder drei Millionen ist für denjenigen, der die Tweets absetzt, ohne jede Bedeutung. Er muss sich keine Gedanken darüber machen, wie seine abgesetzten Nachrichten verteilt werden. Darum kümmert sich Twitter.
Außerdem können sich Twitterer aufeinander beziehen. Wollen sie einem anderen Twitterer antworten, bauen sie einfach seinen Twitter-Namen in die Nachricht ein und setzen ein "@" davor. Dann weiß jeder, auf wen sich die Nachricht bezieht (und kann ggf. nachschauen, wer das denn ist). Ähnlich bequem lassen sich Themen und Stichwörter setzen, solche Begriffe bekommen ein "#" davor. Eine ganz einfache, simple Struktur, die perfekt funktioniert und jeder innerhalb weniger Minuten versteht.
Eine ganz neue Methode Informationen zu organisieren
Twitter ist längst mehr als eine "Quatschbude". Wer den Dienst schlau einsetzt und seine Twitter-Kanäle mit Bedacht auswählt, ist immer bestens informiert, auch unterwegs, denn auf praktisch allen Handys kann man heute komfortabel twittern. Twitter ist eine neue Methode, Informationen zu organisieren und selbst Informationen zur Verfügung zu stellen. Ob diese belanglos sind oder nicht, entscheidet kein Talkmeister, sondern die Community.
Natürlich hat Twitter auch seine Schwächen. Die wohl größte Schwäche ist, dass man nie wissen kann, wer da eigentlich twittert. Genau das ist der Punkt, der JBK so sehr ärgert: Da gibt sich jemand als Johannes B. Kerner aus und twittert drauf los - und niemand verhindert es. In der Tat kann jeder einen Twitter-Account unter beliebigen Namen starten. Eine funktionierende E-Mail-Adresse reicht aus, um ein Konto zu eröffnen.
Verified Accounts sollen mehr Gewissheit bringen
Doch die Twitter-Betreiber sind sich dieses Problems durchaus bewusst. Sie testen gerade einen Service, der sich "Verified Accounts" nennt (twitter.com/help/verified). Dieser Service ist gerade für Personen des öffentlichen Lebens gedacht, denn hier ist die Versuchung natürlich besonders groß, so genannte Fake-Accounts einzurichten, also Konten, die auf falschen Namen lauten. Kerner hätte das bei einer Recherche leicht herausfinden können - wollte er aber wohl eher nicht.
Wer Twitter nach einem Test nicht mag, zu kompliziert oder unpraktisch findet, kann natürlich andere Technologien verwenden, um Nachrichten auszutauschen und auf dem Laufenden zu bleiben. Das Internet hält zahlreiche Möglichkeiten bereit, aus denen jeder auswählen kann. Twitter jedenfalls ist eine echte Bereicherung und aus dem Netz nicht mehr wegzudenken - auch wenn der ein oder andere Promi den Dienst leichtfertig mit einer Seuche vergleicht.
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Twittern Sie schon? Oder brauchen Sie gerade das nun gar nicht? Hat Kerner Recht?Sagen Sie uns Ihre Meinung!









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