Mittwoch, 23. Mai 2012

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Virtueller Obolus für Künstler: Wie Kultur im Web finanziert werden soll

(12.05.2011)

Das Internet hat die Art und Weise verändert, wie Kulturgüter wie Musik, Fotos, Bücher oder Filme verteilt werden. Viele stellen sich die Frage, ob die traditionelle Art der Verbreitung und Verwertung, die Inhalte gedruckt oder gepresst zu vermarkten, noch zeitgemäß ist. Denn dank Internet lassen sich Inhalte jeder Art heute schnell, bequem und effizient verteilen - allerdings auch leicht kopieren.

Darum haben sich Experten Gedanken gemacht, ob es nicht einen anderen Weg gibt, Künstler und Kulturschaffende gerecht zu entlohnen. Gemeinsam mit dem Infoportal irights.info, das sich mit Urheberrecht und kreativem Schaffen im Internet beschäftigt und Internetbenutzern eine gute Stütze bei rechtlichen Fragen jeder Art rund ums Internet sein kann, hat der Chaos Computer Club (CCC) jetzt einen Vorschlag gemacht, wie Kreative und Künstler im Internetzeitalter gerechter entlohnt werden könnten.

Die Idee: Künstler sollen ihr Geld nicht mehr durch den Verkauf von CDs oder DVDs verdienen, sondern dadurch, dass Internetbenutzer Kunst und Kultur online nutzen - und mehr oder weniger freiwillig dafür zahlen. Jeder Internetbenutzer zahlt einen Obolus für Kultur im Netz, einen monatlichen Betrag, der auf alle Kulturschaffenden im Netz aufgeteilt wird. Dabei soll jeder User selbst bestimmen, wer etwas von seinem Geld bekommt. Dazu soll eigens eine virtuelle Währung eingeführt werden, die "Kulturwertmark".

Der monatliche Betrag soll entweder über den Internetzugang oder pro Steuerpflichtigem erhoben werden. Eine unabhängige Stiftung soll das Geld verwalten. Gefällt einem Nutzer ein Werk im Web, kann er eine selbst gewählte Anzahl Kulturwertmark vergeben. Umgekehrt sollen aber auch Künstler Kulturwertmark, etwa für den Download von Werken, festsetzen können.
Das Bezahlen von kleinen und Kleinstbeträgen, Micropayments genannt, hat im Internet durchaus Tradition. Seit einiger Zeit gibt es einen Bezahldienst, der flattr heißt und genau so funktioniert, wie es das Konzept es vorsieht: Man lädt sein flattr-Konto einmal im Monat mit einem beliebigen Betrag auf und kann dann beim Surfen jederzeit kleine Beträge an Webseitenbetreiber zahlen - ein Klick auf den "flattr"-Button reicht. Jeder Webseitenbetreiber und jeder, der Inhalte im Web anbietet, kann den flattr-Button benutzen - und so in den Genuss von Zahlungen kommen. Ganz ähnlich könnte es mit der Kulturwertmark sein.

Allerdings sieht das Konzept auch Änderungen am Urheberrecht vor. Hat ein Werk, etwa ein Musikstück, eine bestimmte Anzahl Kulturwertmark erreicht, sollen die Verwertungsrechte für das jeweilige Werk an die Öffentlichkeit übergehen werden - entsprechend einer Creative-Commons-Lizenz. Ein Künstler könnte einen Maximalbetrag verdienen, zumindest online, dann wäre Schluss, dann wäre das Werk frei zugänglich im Web, jeder dürfte es frei verwenden, kopieren, weitergeben. Der Gedanke: Kreative Leistungen sollen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und nutzen, ähnlich wie OpenSource. Auch das Austauschen von Dateien, FileSharing, soll entkriminalisiert werden.

Das Modell des Chaos Computer Club ist eine Kombination aus Kulturflatrate und Bezahldienst. Die User entscheiden, wer wie viel Geld bekommt. Allerdings regt sich bereits Kritik an dem Konzept: Es sei rückwärtsgewandt und nicht durchsetzbar, da eine nationale Lösung kaum Aussicht auf Erfolg habe. Darüber hinaus müssten die Rechteinhaber mitspielen, und hier ist derzeit keine Begeisterung zu erkennen.

[Ein Beitrag von Jörg Schieb]

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