"Kind, was machst du da?" – Überwachung per App

Mit Kontroll-Apps können Kinder beobachtet werden. Wie sinnvoll ist das?

Schulweg; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell
Schulweg; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell

Früher war alles einfach: Die Kinder spielten im Hof oder im Garten. Ein Blick aus dem Fenster genügte, um zu wissen, was gerade passiert und wer gerade wem die Schaufel geklaut hat. Mutter war zu Hause, hatte alles im Blick und griff notfalls ein. Den Schulweg bewältigten die Kinder alleine und kamen in der Regel unbeschadet wieder zurück. Dieses Diorama aus der Analogzeit ist überholt: Die Eltern machen sich häufiger und mehr Sorgen, was ihr Nachwuchs gerade macht oder erlebt.

Da heute oft beide Elternteile arbeiten, ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Verschiedene Apps, mit denen man Kinder überwachen kann, sollen hier helfen. Es gibt sie für iPhones und für Android-Geräte, zu finden sind sie in den App-Stores unter dem Suchbegriff "parental control". Kontrollieren lässt sich mit einer solchen App beispielsweise, wo sich ein Kind gerade aufhält. Das geschieht entweder über GPS (Nachteil: großer Akkuverbrauch) oder über WLAN-Netze (Nachteil: nicht sehr präzise).

Voraussetzung ist, dass die Kinder ein Smartphone zur Verfügung haben, auf dem dieselbe App installiert ist wie auf dem der Eltern. Des Weiteren können dann sichere Areale definiert werden, in denen sich das Kind bewegt. Verlässt es diesen von einem virtuellen Zaun umgrenzten Bereich, werden die Eltern durch einen Alarm alarmiert. Auch wie lange das Smartphone für Spiele genutzt werden darf, lässt sich mit der Kontroll-App vorher festlegen. Bestimmte Websites oder Spiele können ganz gesperrt werden.

Tests von Computerexperten haben ergeben, dass die Apps verhältnismäßig gut funktionieren und die Interessen von Eltern, ihr Kind im Blick zu behalten, befriedigen. Wer sie benutzen will, sollte aber berücksichtigen, dass der Datenverbrauch bei täglicher Nutzung deutlich ansteigt. Berücksichtigen sollte man auch, dass nicht klar ist, was die Anbieter mit den gewonnenen Daten, zum Beispiel über Bewegungsmuster, machen. Gerade bei kostenlosen Angeboten scheint eine Refinanzierung über den Verkauf solcher Daten möglich.

Medienpädagogen wenden allerdings ein, dass Kinder ein Recht darauf haben, unkontrolliert Erfahrungen zu machen. Es sei in Ordnung, das Smartphone auch einmal auszuschalten, zu viel Kontrolle könne das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern beschädigen. Und mal ehrlich: In der damaligen "Analogzeit" haben Eltern eben nicht immer alles gesehen und gewusst. Und das war auch in Ordnung so!

4 Bewertungen
3 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 06.12.2017]


Diesen Artikel bewerten
absenden
Hiyab 20.11.2017 16:57
Also ich finde es gut weil mann dann sein kind immer sehen kann falsm was parsirt.
Nina 06.10.2017 15:19
Kann ich etwas basteln
Wilhelm Rinschen 19.09.2017 11:04
Ein toller Beitrag, der zum Nachdenken anregen sollte! Beim Vergleich mit analogen Zeiten sollte aber auch bedacht werden, dass sich der Alltag in vielen Familien fundamental verändert hat. Vorschnelle Urteiler über die „Helikoptereltern“ sollten Verständnis dafür aufbringen, dass z.B. alleinerziehende Mütter / Väter den digitalen Kontakt zu ihren Kindern organisieren möchten oder müssen. Dies ist ein bestimmt schwieriges Vorhaben, welches ethische und moralische Neubewertungen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens in der digitalen Gesellschaft erfordert……….auch eine spannende Aufgabe für die Medienpädagogik!
Fragen?
Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Internet-ABC oder zu einzelnen Themen und Materialien? Wir helfen Ihnen gerne weiter! ​
button-icon
Abschicken
button-icon
E-Mail schreiben