Gefahren für Kinder durch Internet, Handy und Apps – schützen Verbote, Regeln und Kontrolle?

Bild eines Mediennutzungsvertrags zwischen Vater und Tochter; Bild: Internet-ABC
Bild eines Mediennutzungsvertrags zwischen Vater und Tochter; Bild: Internet-ABC

"In Ordnung, aber nur noch fünf Minuten!"

"Ich hatte doch gesagt, dass du das Tablet nur im Wohnzimmer haben darfst."

"Meine Güte, was schickt ihr euch denn für fürchterliche Bilder hin und her? Das ist doch nicht mehr lustig!"

"Das machst du nicht und damit fertig!"

Das Internet ist für Kinder ein wunderbarer Spielplatz mit Apps, Spielen, Filmen, Musik und jeder Menge Möglichkeiten zu kommunizieren. Aber es lauern dort auch einige Gefahren. Davor möchten Eltern ihre Kinder schützen. Aber wie? Mit Verboten, Regeln und Kontrolle?


Die wichtigsten Fragen zum Thema "Verbote, Regeln und Kontrolle"

Welche Gefahren gibt es eigentlich (Handy/Smartphone, Computer, Tablet)?

Die Zeit

Kinder verbringen zumeist mehr Zeit mit Medien, als ihnen guttut. Viele Online-Spiele und Spiele-Apps haben kein klassisches Spielende und nach einem YouTube-Video startet schon das nächste. Da fällt es Kindern schwer auszuschalten.

Die Kosten

Viele Spiele starten kostenlos, verlocken dann aber zum Kauf von Hilfsmitteln und Gegenständen, mit denen der Spieler erfolgreicher ist. Auch coole Kleidung der Spielfigur (zum Beispiel bei Fortnite) ist bei vielen Spielern beliebt.

Außerdem kann es im Internet zu Kostenfallen kommen, wenn sich ein einfacher Kauf als monatliches Abonnement herausstellt. Kinder (und auch einige Erwachsene) tippen manchmal zu schnell und unbedacht auf die entsprechenden Buttons.

Kontakt zu Fremden

Kinder können im und über das Internet relativ leicht von Fremden angeschrieben werden, die nichts Gutes im Sinn haben: sei es über eine unübersichtlich gewordene WhatsApp-Gruppe oder in dem Chat zu einem Online-Spiel.

Kann ich überhaupt verhindern, dass mein Kind mit solchen Gefahren in Verbindung kommt?

Ja und nein. Das ist ähnlich wie mit dem Straßenverkehr: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz. Aber Eltern können die Gefahr durch verschiedene Maßnahmen mindern:

Regeln, Kontrolle und Konsequenzen

Kinder müssen lernen, ihr Medienverhalten zu regulieren. Das geht nicht von selbst. Hilfreich können da verlässliche Regeln sein. Zu den lästigen, aber notwendigen Aufgaben von Eltern gehört es, sich auch um die Einhaltung von Regeln zu kümmern. Das Stichwort heißt Kontrolle, die aber dem Kind nicht allzu sehr zusetzen sollte (siehe unten: "Kontrollieren? Überwachen? Wie weit dürfen Eltern gehen?").

Vorbild sein!

Regeln wirken unglaubwürdig, wenn die Eltern sich selbst nicht "im Griff haben" – das gilt auch für die Nutzung von Medien. Eltern sollten sich fragen: Bin ich eigentlich selbst in der Lage, beim Mittagessen auf das Handy zu verzichten? Welchen Stellenwert haben Smartphone und Internet für mich? Kann ich eigentlich meine Nutzung kontrollieren? Gerade jüngere Kinder schauen sich noch viel von ihren Eltern ab. Nutzen Sie das!

Vertrauen aufbauen

Ein Kind muss wissen, dass es seine Eltern hinzuziehen kann, wenn es im Internet etwas falsch gemacht hat oder es durch ein Video, ein Spiel, einen Kommentar beunruhigt oder verängstigt ist. Hat das Kind Angst vor verärgerten Nachfragen oder droht ihm vielleicht sogar direkt der Entzug des Tablets oder des Handys? Dann wird es künftig kaum mit Mutter oder Vater reden wollen. Oft hilft es, von Beginn an gemeinsam abzusprechen, was erlaubt ist und was nicht – und zusammen zu überlegen, wann vielleicht doch Konsequenzen notwendig sind.

Das Kind stark machen

Eltern sollten ein Kind stark machen, damit sie wissen, wie es im Falle eines Falles reagieren kann. Ein selbstbewusstes Kind kann leichter "Nein!" sagen, wenn es von einem Fremden im Chat oder bei WhatsApp angesprochen wird. Es sollte genug Vertrauen haben, Ihnen davon zu erzählen. Gemeinsam können sie dann besprechen, wie das Kind auch in anderen Situationen souverän reagieren kann.

Helfen Verbote und Regeln?

Ja. Aber es ist wichtig, dass diese Verbote und Regeln nicht erst dann erstellt werden, wenn bereits etwas passiert ist, mit dem die Eltern nicht einverstanden sind. Bevor das Kind das Tablet, Apps und Online-Spiele nutzen darf, sollten Eltern sich bewusst machen und informieren, was das eigentlich für das Kind bedeutet. Welche Chancen und Gefahren gibt es?

Auf dieser Grundlage sollten dem Kind klare Regeln mit auf den Weg gegeben werden. Warum nicht spielerisch einen kleinen Vertrag aufsetzen, der dann vielleicht auch die Pflichten der Erziehenden erwähnt? Dem Kind sollten die Konsequenzen bewusst sein, wenn es sich nicht an die Regeln hält – wohlwissend, dass die Eltern auch mal ein Auge zudrücken dürfen.

Kontrollieren? Überwachen? Wie weit dürfen Eltern gehen?

Regeln aufstellen ist einfach, sich um die Einhaltung kümmern äußerst mühsam. Natürlich gibt es viele Programme und Apps, mit denen Eltern einstellen können, wie lange ein Kind das Smartphone oder den Computer nutzen darf. Oder welche Inhalte gesperrt werden sollen. Aber die Medienerziehung der Kinder ist viel zu wichtig, um sie elektronischen Geräten zu überlassen.

Überprüfungen und Kontrollen sind notwendig. Die Sicherheitseinstellungen der Geräte und der Apps bzw. Programme sollten regelmäßig überprüft werden. Bei Updates (Aktualisierungen) der Apps beispielsweise können zuvor gemachte Einstellungen gelöscht sein.

Es ist natürlich wichtig zu wissen, was die Tochter oder der Sohn am Handy, Tablet oder am Computer macht. Dies jedoch heimlich zu kontrollieren (auch über "Spionage"-Apps), ist keine gute Idee, weil auch Kinder ihre Privatsphäre haben und brauchen. Bevor das Kind ein solches Gerät bekommt oder eine bestimmte App nutzt, sollten Eltern ihm sagen, dass sie gelegentlich ein bisschen kontrollieren werden – aber nur gemeinsam mit ihm. Und das Interesse der Eltern sollte dann auch nicht vornehmlich dem Inhalt der verschickten Nachrichten an die beste Freundin gelten.


Gemeinsam Regeln erstellen

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Mediennutzungsvertrag

Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen kleinen Vertrag zur (digitalen) Mediennutzung. Eine große Hilfe kann das folgende Tool oder Werkzeug sein:

Hiermit können Eltern mit ihren Kindern ganz individuell festlegen, welche Medien und Inhalte wie und wie lange von den Kindern genutzt werden dürfen. Wenn Sie nicht genau wissen, wie solche Regeln aussehen können, gibt es in diesem Tool zahlreiche, individuell anpassbare Vorlagen. Darüber hinaus können auch eigene Regeln erstellt werden.

Und: Auch für Eltern sollte es Regeln geben. Umso leichter fällt es den Kindern, die für sie geltenden Absprachen zu akzeptieren. Und Sie (als Erziehende) werden daran erinnert, Ihrer Vorbildfunktion nachzukommen.

Medienfreie Zeiten für die ganze Familie? Oder eine gemeinsame Medienzeit?

In solch einem Vertrag oder einfach als generelle Regel kann auch ein medienfreier Tag oder Nachmittag festgelegt werden – also eine Zeit ohne Bildschirm (TV, Computer, Smartphone). Vielleicht spielen Sie stattdessen gemeinsam Brett-, Karten- oder andere Gesellschaftsspiele, basteln oder unternehmen einen Ausflug?

Oder umgekehrt: Es kann auch eine Zeit festgelegt werden, an dem die Medienzeit des Kindes gemeinsam verbracht wird: Warum nicht zusammen in Minecraft ein Haus erstellen? Oder bei einem Denk- oder Quizspiel gemeinsam versuchen, den Highscore zu knacken?


Zahlen und Fakten

"Alle in meiner Klasse dürfen das!" – Welche Eltern haben diesen Spruch noch nicht gehört?

Tatsächlich haben laut der KIM-Studie (2018) 43 Prozent der Eltern eine Regel zur Nutzung des Handys/Smartphones, 39 Prozent zu WhatsApp und 38 Prozent zur Nutzung des Internets allgemein aufgestellt. Bei diesen Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich die Umfrage an Eltern von 6- bis 13-Jährigen richtet – und die Jüngsten einige dieser Medien noch gar nicht alleine nutzen. Die Zahlen würden bei den 10- bis 13-Jährigen sicherlich höher ausfallen.


Regeln und Kontrollen – ein paar Merksätze

  • Regeln sind wichtig, weil sie Orientierung bieten.
  • Regeln sollten das Kind nicht "erdrücken".
  • Regeln sollten für das Kind nachvollziehbar sein.
  • Regeln sind zum Schutz des Kindes da. Das sollten Eltern dem Kind anschaulich erklären.
  • Regeln sollten durch das Verhalten der Eltern unterstützt werden. Eltern sollten die Regeln vorleben.
  • Der Sinn der Regeln sollte darin bestehen, dass sich das Kind zu einem mündigen und selbstbewussten Menschen – auch bezüglich des Medienverhaltens – entwickelt.
  • Hat das Kind eine Regel verletzt, sollten die Konsequenzen dazu dienen, dass es beim nächsten Mal besser läuft.
  • Kontrollen sollten nicht dazu verwendet werden, das Kind bloßzustellen.
  • Kontrollen sollten nicht heimlich geschehen und nicht Dinge umfassen, die die Privatsphäre des Kindes verletzen.
  • Kontrollen sollten vertrauensvoll erfolgen.
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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 05.12.2019]


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