Das eigene Kind verbringt zu viel Zeit online – ist das schon eine Sucht? Woran erkenne ich ein mögliches Problem bei meinem Kind?

Jugendlicher vor einem Computerspiel; Bild: Internet-ABC
Jugendlicher vor einem Computerspiel; Bild: Internet-ABC

Die verbrachte Zeit im Internet ist allein noch kein entscheidendes Kriterium für das Vorhandensein einer Internetsucht. Entscheidend sind vielmehr die negativen Konsequenzen im Alltag und das Ausmaß des subjektiv empfundenen Leidensdrucks durch die eigene Internetnutzung.

Ein Beispiel: Ein Junge verbringt viel Zeit mit einem Online-Rollenspiel. Trotzdem erfährt er keine negativen Konsequenzen: Er kann beispielsweise weiterhin sein Verhalten kontrollieren und Pflichten wie Hausaufgaben erfüllen. 

Problematisch wird es, wenn das viele Spielen des Jungen dazu dient, Probleme zu verdrängen oder negativen Stimmungen aus dem Weg zu gehen – und wenn der Versuch, die Internetnutzung einzuschränken, immer wieder fehlschlägt. Und dass, obwohl der Junge die negativen Auswirkungen durchaus bemerkt.

Folgende Verhaltensauffälligkeiten werden häufig mit einem problematischen oder suchtartigen Internetnutzungsverhalten assoziiert (nach Brand & Laier, 2013 - siehe Literaturverzeichnis): 

  1. Es wird ständig über die vergangenen oder die kommenden Internetaktivitäten nachgedacht. Das Internet entwickelt sich zur vorherrschenden Aktivität in der Freizeit.
  2. Fehlt die Möglichkeit, online zu sein, tauchen vermehrt Gefühle wie Gereiztheit, Traurigkeit oder Ängstlichkeit auf. 
  3. Um sich gut zu fühlen, muss vermehrt Zeit für die Internetnutzung aufgebracht werden.
  4. Versuche, die eigene Internetnutzung zu kontrollieren und sich an Regeln über die Nutzungszeit zu halten, bleiben erfolglos.
  5. Das Internet wird früheren Hobbys und Freizeitbeschäftigungen vorgezogen.
  6. Trotz bereits entstandener Probleme wird die Internetnutzung fortgesetzt.
  7. Die Dauer der Zeit, die im Internet verbracht wird, wird verschwiegen oder falsch dargestellt.
  8. Das Internet wird genutzt, um negative Stimmung zu vermeiden oder vor negativen Gefühlen zu flüchten.
  9. Die schulische Leistung oder der Kontakt mit Freunden, Mitschülern und der Familie leidet infolge der Internetnutzung.

Sollten Eltern gleichzeitig mehrere der aufgelisteten Verhaltensweisen bei dem Kind beobachten, kann dies auf eine Problematik bezüglich der Internetnutzung hindeuten. Eine zuverlässige Diagnose kann jedoch nur von ausgebildeten Fachtherapeuten gestellt werden.

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1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 19.08.2017]


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Lynn 26.10.2016 21:20
Darf man in der 6 ten klasse 2 h am Handy sein

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Dies ist eine Seite des Schwerpunkts "Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen".

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