Gewaltdarstellungen im Internet – wie können Kinder geschützt werden?

Faustschlag gegen ein Kind (nicht echt, nur nachgemacht); Bild: Michael Schnell/Find-das-Bild.de
Faustschlag gegen ein Kind (nicht echt, nur nachgemacht); Bild: Michael Schnell/Find-das-Bild.de

"Das ist doch nur ein Spiel."

"Mama, passiert das bei uns auch?"

"Schau mal das eklige Video. Ist das echt?"

"Muss das denn so drastisch dargestellt werden?"


Gewalt im Internet: Wo genau kommen Kinder damit eigentlich in Berührung? Wie viel oder welche Art von Gewalt in Spielen und Filmen vertragen Kinder? Ist das alles harmlos? Oder müssen Eltern strenger solche Unterhaltungsformen unterbinden?


Die wichtigsten Fragen zum Thema "Gewalt im Internet"

Wo und wie kommen Kinder mit Gewalt in Berührung?

Es gibt relativ viele Orte im Internet, an denen Kinder auf gewalthaltige Inhalte treffen können. So gibt es zum Beispiel

  • brutale Videos bei YouTube,
  • grausame Videos, die ein Freund oder bekannter über einen Messenger wie WhatsApp verschickt: beispielsweise Handyvideos, für die Prügeleien extra angebahnt werden, um sie zu filmen und zu veröffentlichen ("Happy slapping" wird dies genannt),
  • Horrorfilme bei Netflix, Amazon Prime und Co.,
  • gewaltvolle Computerspiele,
  • drastische Bilder oder Videos auf Nachrichtenseiten. Auch Nachrichten von seriösen Seiten sind nicht immer für Kinderaugen geeignet!

Teilweise gehört bei Kindern die Gewalt schon zum Alltag. In der Schule werden sie zum Beispiel Zeuge von Mobbing oder Handgreiflichkeiten auf dem Schulhof. Oder zu Hause: Wenn Kinder am Sonntagabend im Bett liegen, hören sie vielleicht trotzdem die Geräusche von Mord und Totschlag beim "Tatort".

Klar ist: Kinder können oftmals schon recht früh zwischen realer und inszenierter Gewalt unterscheiden. Nichts macht Kindern aber so viel Angst wie reale Gewalt. Und je realistischer eine gewalthaltige Szene in einem Film oder einem Spiel von dem Kind wahrgenommen wird, desto größer kann die Verunsicherung sein.

Was fasziniert manche Kinder an gewalthaltigen Spielen (wie Fortnite, GTA)?

Was Kinder bei brutalen Spielen besonders antreibt, ist die Angstlust: Wieviel halte ich aus? Bin ich mit zehn Jahren stark genug für ein USK 18-Spiel? Und natürlich herrscht auch hier Gruppenzwang. Was spielen die Freunde? Worüber reden sie in der Schulpause? Warum dürfen das "alle, nur ich nicht"?

Kinder sind generell von Computerspielen begeistert, weil sie Dinge unternehmen dürfen, die ihnen im wirklichen Leben verwehrt bleiben: Schnelle Autos fahren, die Welt vor Außerirdischen retten oder Armeen anführen. In solchen Spielen verfügen Kinder über etwas, das sie sonst nicht haben: Macht! Im Alltag erleben sie sich als klein oder schwach, in Spielen hingegen schlüpfen sie in die Körper imposanter Gestalten und haben Autonomie.

Alle Entscheidungen, die sie in Spielen treffen, finden zudem in einer abgeschlossenen Welt statt und haben im echten Leben keine Konsequenzen. Im Spiel gibt es viele Leben, in der Realität nicht. Das können Kinder meist gut auseinanderhalten.

Was bedeutet der Tod im Spiel?

Erwachsene und Kinder sehen den Tod im Spiel sehr unterschiedlich. In einem Thriller haben Eltern mit einer Leiche kein Problem, denn sonst geht es im Krimi nicht weiter. In Computerspielen verbinden sie den Tod jedoch mit dem echten Tod. 

Tatsächlich symbolisiert er im Videospiel nur eins: das Spielende – ganz gleich, ob man bei "Fortnite" die eigene Spielfigur verliert oder eben "Super Mario" mal danebenhopst und abstürzt. Das ist eine Erklärung, aber keine Verharmlosung. Dennoch müssen Eltern brutale Spiele weder gutheißen noch erlauben.

Wie kann ich mein Kind vor gewalthaltigen Inhalten schützen?

Gerade bei Spielkonsolen, Tablets, Smart-Fernsehern, Streamingdiensten (Netflix, Amazon Prime und anderen) und YouTube gibt es Jugendschutzeinstellungen, die relativ einfach festzulegen sind. Am Computer kann für Kinder ein eigener, begrenzter Zugang eingerichtet werden.

Diese nützlichen Maßnahmen bieten aber keinen 100-prozentigen Schutz vor gewalttätigen Videos. Es kann trotzdem passieren, dass Kinder mit solchen Inhalten konfrontiert werden – zum Beispiel, wenn ein Freund oder Bekannter diese über private Kanäle (wie zum Beispiel über WhatsApp) verschickt.

Mindestens ebenso wichtig wie der technische Schutz ist es, Kindern zu versichern, dass sie jederzeit zu den Eltern kommen können, wenn sie auf etwas Bedrückendes stoßen. Gespräche über eine Nachricht der Tagesschau, über ein erschütterndes YouTube-Video, über die Angst, die das Kind dabei hatte, können das unwohle Gefühl deutlich mindern.

Mein Kind hat im Internet etwas Schreckliches gesehen – was kann ich tun?

In der Medienerziehung hilft eines immer am besten: mit den Kindern reden. Eltern sollten offen über den Inhalt sprechen und ihn einordnen – und dem Kind die Schuldgefühle nehmen, wenn es – mit Absicht, aus Versehen oder aus Leichtsinn – auf einen bedenklichen Inhalt gestoßen ist.

Manchmal aber reicht sprechen nicht – besonders, wenn das Gesehene starke Albträume verursacht. Kann das Kind nicht mehr schlafen? Nässt es ein? Und wirkt es in sich zurückgezogen? Dann ist ein Besuch bei einem Kinder- und Jugendpsychiater ratsam.


Gemeinsam gegen die Angst vor Gewalt!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Angst nachvollziehen!

Was macht Gewalt mit der Seele von Kindern? Angst, manchmal sogar große Angst. Um das emotional nachzuvollziehen, machen Sie ein Experiment: Schließen Sie kurz die Augen und erinnern Sie sich an den ersten Film, der Ihnen eine Riesenangst eingejagt hat. Wer sich daran erinnert, weiß genau, wie beklommen es sich damals angefühlt hat.

Warum sollte das bei brutalen Spielen und YouTube-Videos anders sein?

Regeln gegen Gewalt im Internet

Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln fest, was es im Internet darf und was nicht. Behalten Sie dabei auch das Thema "Gewalt" im Kopf:

  • Welche Spiele dürfen gespielt werden?
  • Darf YouTube genutzt werden (und wenn ja, wie?) oder eher die Version für Kinder (YouTube Kids)?
  • Welche Filme darf das Kind sehen?

Denken Sie dabei daran, dass ein bisschen Spannung, ein ängstliches Kribbeln nichts Schlechtes ist. Jedes Kind ist anders und geht mit einzelnen Situationen anders um. Entscheiden Sie, wie viel Sie Ihrem Kind zumuten und zutrauen möchten.

Beim Erstellen von Regeln kann Ihnen die Internetseite zum Erstellen eines Mediennutzungsvertrags behilflich sein:


Zahlen & Fakten

Die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) ist für den Jugendschutz von Computer- und Konsolenspiele zuständig. 2018 wurden 6,7 Prozent der eingereichten Spielen ab 18 Jahren eingestuft, 16,2 Prozent ab 16 Jahren. Gemeinsam ist das ein Fünftel der geprüften Spiele.

Laut der KIM-Studie 2018 haben 50 Prozent der 12- und 13-Jährigen schon mal Spiele gespielt, für die sie laut Alterskennzeichnung der USK zu jung waren: also Spiele ab 16 oder 18 Jahren. Je jünger die Kinder, desto geringer ist der Anteil: Bei den 6- bis 7-Jährigen sind es aber immer noch 17 Prozent, die Spiele für Ältere (also zumindest ab 12 Jahren) genutzt haben.


Merksätze

  • Kinder sollten keinen Zugang zu Spielen und Apps mit USK 16 oder USK 18 haben.
  • Kinder sollten auch keinen Zugang zu Filmen mit FSK 16 oder FSK 18 haben.
  • USK und FSK sind keine pädagogischen Altersempfehlungen! Sie zeigen nur auf, ab welchem Alter die Nutzung unbedenklich im Sinne des Jugendschutzes ist – also bezüglich Gewalt oder sexueller Darstellungen.
  • Damit Kinder möglichst angstfrei aufwachsen können, ist Schutz nötig.
  • Wenn Kinder Angst und Albträume durch Gewalt bekommen, helfen Vorwürfe ("Warum schaust du das überhaupt an?") nicht weiter.
  • Reale Gewalt macht Kindern mehr Angst als inszenierte Gewalt.
  • Gewalt im Spiel ist nicht gleich reale Gewalt. Das ist aber kein Freifahrtschein für Kinder – und auch nicht für Eltern, die den Kindern bei der Auswahl der Spiele und Apps freie Hand lassen.

Hilfreiche Angebote im Internet

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1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 13.11.2019]


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Anna 30.09.2019 19:56
Kinder kommen mit gewalt nicht weiter,außr beim Boxen vieleicht.
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