Apps und Schutzprogramme für die Kindersicherheit – wie wirksam sind sie?

Mit Hilfe von Kindersicherungs-Apps kann die Nutzung des Handys sinnvoll begrenzt werden. Es lässt sich zum Beispiel festlegen, wie lange das Kind das Smartphone täglich nutzen darf oder welche Apps es nutzen oder nicht nutzen darf.

Einige Kindersicherungs-Apps haben allerdings auch Nachteile:

  • Manche Apps gehen bei der Überwachung des Kindes schlicht zu weit. Auch Kinder haben eine Privatsphäre!
  • Datenschutz: Einige Apps speichern viele Daten des Kindes auf dem Server des Herstellers – zum Beispiel den Standort des Kindes oder wie lange es welche Apps nutzt. Teilweise fehlt eine Verschlüsselung der Daten, so dass der Hersteller sogar die Nachrichten zwischen Kind und Eltern mitlesen kann.

Es gibt allerdings auch einige Apps, die in dieser Hinsicht deutlich besser aufgestellt sind. Die Internetseite mobil-sicher.de hat einigen Programmen bescheinigt, dass sie den Datenschutz beachten und die Kontrolle des Kindes in einem vertretbaren Rahmen halten:

  • mobil-sicher.de: Übersicht der getesteten Apps
  • mobil-sicher.de: Kids Zone Kindersicherung
    Die App ist nur für Android-Geräte verfügbar. Eltern können über Kids Zone eine Auswahl treffen, welche Apps für Ihr Kind nutzbar sein sollen sowie eine Zeitbegrenzung einstellen. Da Kids Zone die Nutzung aller anderen Smartphone-Funktionen massiv einschränkt, eignet sich die App nur für jüngere Kinder.
  • mobil-sicher.de: JoLo Kindersicherung
    Vorbildlich in Sachen Datenschutz ermöglicht diese App die komplette oder zeitliche Einschränkung einzelner Apps auf dem Gerät und bietet dabei umfangreiche Einstellmöglichkeiten. Es gibt mittlerweile einen etwas moderneren Nachfolger ("TimeLimit"). JoLo gibt es aber weiterhin.

Auch eine Möglichkeit: Ersatz-Browser

Mit einer so genannten Browser-App, die statt des Standardbrowsers (zum Beispiel Safari oder Chrome) installiert wird, lassen sich Webinhalte filtern. Gefiltert und damit nicht angezeigt werden beispielsweise Seiten mit pornografischen und gewalthaltigen Inhalten.

Wählen Sie für jüngere Kinder die restriktive Variante einer "Whitelist" (weißen Liste) bei der nur ausgewählte, geprüfte Inhalte freigegeben sind (zum beispiel die FragFINN-App). Für ältere Kinder empfiehlt sich die Blacklist-Variante (schwarze Liste), bei der einzelne ungeeignete Seiten herausgefiltert werden. Einzelne Internetseiten können diesen Listen hinzugefügt oder freigeschaltet werden.

Eine 100%-Sicherheits-Garantie bietet keines dieser Programme. In einem Test (2017, siehe rechte Spalte) des Forschungsinstituts AV-TEST GmbH zeigte sich zum Beispiel, dass einzelne Kinderschutz-Apps nur ca. 80 Prozent der pornografischen Seiten sperren konnten. Einige schafften hingegen gut 99 Prozent, zeigten zum Teil aber Schwächen bei anderen nicht-kindgerechten Inhalten.

Wichtig ist daher, Schutzprogramme in Kombination mit vereinbarten Absprachen einzusetzen. Ihr Kind sollte verstehen und einsehen können, warum Sie die Sicherungs-App einsetzen.

Checkliste für den Einsatz von Schutzprogrammen

  • Ich informiere mich, welche App die richtige für mein Kind ist.
  • Ich prüfe nach der Installation, welche Inhalte standardmäßig geblockt werden und welche nicht und aktiviere gegebenenfalls weitere Kategorien.
  • Ich teste, ob die App einzelne Seiten, die mir jugendgefährdend erscheinen, blockiert oder zulässt.
  • Ich weiß, dass die zuverlässig blockierenden Apps oft auch gute Seiten sperren.
  • Ich teste, ob sich die App durch mein Kind aushebeln lässt.
  • Ich weiß, dass die App nicht perfekt sein kann und bleibe mit meinem Kind im Gespräch.

2 Bewertungen
0 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 29.07.2019]


Diesen Artikel bewerten
Bitte beachten: Beleidigungen und private Angaben (Adresse, Telefonnummer, Schule) werden nicht veröffentlicht, sondern gelöscht.
absenden
Surftipps-Icon-Apps und Schutzprogramme für die Kindersicherheit – wie wirksam sind sie?
Surftipps

AV-Test: 16 Kinderschutz-Apps

Der Test vom August 2017 bietet einen kurzen Überblick über die Wirksamkeit von Browser-Apps, die mit einer schwarzen Liste (Blacklist) arbeiten.
Fragen?
Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Internet-ABC oder zu einzelnen Themen und Materialien? Wir helfen Ihnen gerne weiter! ​
button-icon
Abschicken
button-icon
E-Mail schreiben