Launcher und Browser-Apps: Schutzprogramme für Kinder?

Launcher - Eigene Bedienoberfläche für Kinder

Launcher sind Apps, die die gewohnte Bedienoberfläche des Smartphones ersetzen. Mit speziellen Launchern für Kinder wie beispielsweise "Kids Place" von Kiddoware oder dem "iWawa" können Sie den Zugriff auf sicherheitsrelevante Funktionen wie beispielsweise den Browser, den Play-Store oder die Systemeinstellungen unterbinden. Allerdings: Eine hundertprozentige Sicherheit bieten auch diese Programme nicht! Und: Bei einem Test der Computerzeitschrift c´t von 2017 (Linktipp in der rechten Spalte) konnte kein Programm völlig überzeugen. Manche erfüllten die Erwartungen, hatten aber hier und da doch einige Nachteile.

Auch der Zugang zum Internet lässt sich mit Hilfe eines solchen Launchers beschränken. Statt des Standardbrowsers, sollte man im Launcher auf eine Browser-App setzen, die eine detaillierte Filterfunktion für Kinder oder Jugendliche ermöglicht, oder sogar einen explizit kindgerechten Surfraum bietet. Solche Browser-Apps werden im folgenden Kapitel vorgestellt.

Browser speziell für Kinder

Browser-Apps sind Programme, die beim Surfen einen Filter anbieten. Gefiltert und damit nicht angezeigt werden zum Beispiel Internetseiten mit pornografischen und gewalttätigen Inhalten. Es gibt zwei verschiedene Arten solcher Apps: 

  • Apps mit einer "Whitelist" (weißen Liste): Hierbei sind nur einzelne Internetseiten freigegeben. Alle anderen Seiten können nicht aufgerufen werden.
  • Apps mit einer Blacklist (schwarzen Liste): Bei diesen Apps werden einzelne Seiten ausgeschlossen. Sie können nicht aufgerufen werden – alle anderen Seiten aber schon.

Eine App mit einer Whitelist ist zum Beispiel die App der bekannten Kindersuchmaschine fragFINN. Hier können Kinder nur die Seiten aufrufen, die auch in der Kindersuchmaschine als Suchergebnisse zur Verfügung stehen. Leider ist die fragFINN-App derzeit nicht für iOS verfügbar, und auch die Android-Version funktioniert im Moment nicht. 

Solche Apps eignen sich allerdings eher für jüngere Kinder, da sie sehr einschränkend sind. Ältere Kinder sind mit Apps auf Basis einer Blacklist besser bedient. Im Idealfall können hier Eltern die Nutzung anderer Browser ausschließen, weitere Seiten verbieten bzw. in ihren Augen harmlose Seiten von der schwarzen Liste streichen.

Wenn Sie über die Nutzung einer solchen App für Ihr Kind nachdenken, sollten Sie grundsätzlich Folgendes beachten:

  • Einen hundertprozentigen Schutz kann keine App bieten.
  • Keine App kann Ihnen die Verantwortung für das Wohlergehen Ihres Kindes abnehmen.
  • Informieren Sie sich über brauchbare Apps zum Schutz Ihres Kindes (s. Linktipps rechte Spalte).
  • Nach der Installation einer solchen App prüfen Sie, welche Inhalte standartmäßig geblockt werden – und welche nicht! (Manchmal ist nur die Kategorie "Sex und Pornografie" aktiviert.)
  • Prüfen Sie selbst, ob durch die installierte App bestimmte Seiten, die Ihnen kinder- und jugendgefährdend vorkommen, geblockt oder zugelassen werden.
  • Blockiert eine App relativ gut kinder- und jugendgefährdende Seiten, sind leider oft auch gute und brauchbare Seiten von dem Verbot betroffen.
  • Lässt sich das Schutzprogramm durch das Kind relativ leicht aushebeln?

 

Technik ist kein Allheilmittel!

Insgesamt sind Smartphones gerade für jüngere Kinder nur bedingt geeignet. Nicht nur über Internetseiten können sie an fragwürdige Inhalte und Apps gelangen, sondern auch über Bluetooth, Messenger wie Skype oder WhatsApp oder schlicht über ein an den Computer eines Freundes angeschlossenes Kabel. Über diese Wege finden auch die selbstgemachten Bilder und Videos vom Schulhof schnell Verbreitung und können dabei außer Kontrolle des Fotografen oder der abgebildeten Mitschüler geraten.

Auch die Gefahren durch teure In-App-Käufe oder Abo-Fallen sind nicht zu unterschätzen!

Bevor Sie Ihrem Kind ein eigenes Smartphone anvertrauen, sollten Sie und Ihr Kind diese Gefahren kennen. Kinder sind zu verschieden, als dass es ein pauschales Alter gäbe, ab wann sie mit einem solchen Gerät verantwortungsvoll umgehen können. Wichtig ist ein regelmäßiger, offener und konstruktiver Austausch über das Thema.

Ein paar Tipps haben wir auf der folgenden Seite noch einmal kurz zusammengefasst!

8 Bewertungen
1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 18.06.2018]


Diesen Artikel bewerten
absenden
J.R. 11.01.2017 13:07
Wirklich spitze
Surftipps-Icon-Launcher und Browser-Apps: Schutzprogramme für Kinder?
Surftipps

c´t (9/2017): Für Kinder geeignete Android-Oberflächen im Vergleich

Der Test der renommierten Computerzeitschrift c´t bietet einen guten Überblick zu den Möglichkeiten und Grenzen von Android-Oberflächen (Launcher) für den Schutz von Kindern. Einzelne Programme werden näher vorgestellt [..]

AV-Test: 16 Kinderschutz-Apps

Der Test vom August 2017 bietet einen kurzen Überblick über die Wirksamkeit von Browser-Apps, die mit einer schwarzen Liste (Blacklist) arbeiten.

c´t: Filternde Browser für Android, iOS und Windows Phone (kostenpflichtiger Artikel, 1,49 EUR)

Dieser etwas ausführlichere und gründlichere Test ist leider schon etwas älter (2014). Und tatsächlich sind einige der getesteten Apps längst wieder vom Markt verschwunden. Der Download des Textes kostet 1,49 EUR.
Fragen?
Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Internet-ABC oder zu einzelnen Themen und Materialien? Wir helfen Ihnen gerne weiter! ​
button-icon
Abschicken
button-icon
E-Mail schreiben