Technik kein Allheilmittel

Smartphone; Bild: Internet-ABC
Technik kein Allheilmittel

Ein modernes Smartphone ist ein vollwertiger Computer - mit allen spannenden, multimedialen Möglichkeiten, aber auch mit den damit verbundenen Risiken für die jungen Nutzer. Gegenüber dem Familiencomputer im Wohnzimmer entzieht sich die Internetnutzung der Kinder insbesondere durch den mobilen Gebrauch weitgehend der elterlichen Kontrolle und auch die Gefahr, in ungewollte Kostenfallen zu tappen, ist auf dem Smartphone weitaus größer.

Mit den genannten Einstellungen und Apps ist es möglich, ein Smartphone kinderfreundlicher zu gestalten und zur Sicherheit der jungen Mediennutzer beizutragen. Allerdings lassen sich diese technischen Möglichkeiten mit etwas Geschick, Know-how und Ausdauer durch gewiefte Kinder austricksen und umgehen - sowohl beim iPhone als auch bei Android-Geräten. Sie entlassen die Eltern nicht nur deswegen nicht aus ihrer Fürsorgepflicht - ganz im Gegenteil: Ein Smartphone in Kinderhänden ist auch für die Eltern eine große Verantwortung.

Das richtige Alter

Der soziale Druck auf dem Schulhof ist groß und wer kein WhatsApp hat oder nicht auf Facebook ist, läuft schnell Gefahr, etwas zu verpassen oder gar zum Außenseiter zu werden. So oder ähnlich zumindest werden es viele Kinder empfinden. Dennoch sind Smartphones für Kinder nur bedingt geeignet. Nicht nur über Internetseiten können sie an fragwürdige Inhalte und Apps gelangen, sondern auch über Bluetooth, Instant Messaging Programme (wie Skype, Hangouts oder WhatsApp) oder schlicht über ein an den Computer eines Freundes angeschlossenes Kabel. 

Über diese Wege finden auch die selbstgemachten Bilder und Videos vom Schulhof schnell Verbreitung und können dabei außer Kontrolle des Fotografen oder der abgebildeten Mitschüler geraten.

Hinzu kommen die einfachen und zugleich schwer durchschaubaren Bezahlmöglichkeiten über Kreditkarte oder sogenanntes "WAP-Billing" (Gebühren von Drittanbietern, die über die Mobilfunkrechnung eingezogen werden). Den über diese Wege abgerechneten "In-App-Käufen" beispielsweise geht man selbst als Erwachsener schnell auf den Leim, denn kostenpflichtige Inhalte sind nicht immer auf den ersten Blick von kostenlosen zu unterscheiden.

Kostenfallen

Um möglichen Kostenfallen aus dem Weg zu gehen, sollten Sie bei Ihrem Mobilfunkanbieter das WAP-Billing sowie kostenpflichtige Premium-Dienste sperren lassen ("Drittanbietersperre"). Geben Sie zudem in den App-Stores (iTunes, Play-Store sowie in den App-Stores von Amazon, Samsung etc.) weder eine Bankverbindung noch Kreditkartenangaben ein. So können Kinder nur über Prepaid Karten, die es mittlerweile auch in vielen Kiosken und Supermärkten ab 15 Euro zu kaufen gibt, Geld für Apps, Filme oder Musik ausgeben.

Ein falsch gesetzter Haken in Facebook, ein versehentlich geteiltes Bild oder Video oder ein Klick auf den falschen Button in einer App können weitreichende Konsequenzen für Eltern und Kind haben. Beschneidet man all diese Funktionen jedoch so gut es eben geht mit technischen Mitteln, bleibt von dem teuren Smartphone nur ein "einfaches" Mobiltelefon.

Bevor man Kindern ein eigenes Smartphone anvertraut, sollten sie diese Gefahren kennen und einschätzen können. Kinder sind zu verschieden, als dass es ein pauschales Alter gäbe, ab wann sie mit einem solchen Gerät verantwortungsvoll umgehen können. Wichtig ist ein regelmäßiger, offener und konstruktiver Austausch über das Thema:

Schritt für Schritt

Über die "Einschränkungen" beim iPhone oder mit Hilfe eines entsprechenden Launchers und der App "Vodafone Child Protect" (derzeit nicht verfügbar) auf Android-Geräten haben Sie die Möglichkeit, die Funktionen des Smartphones nach und nach freizugeben. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, unter welchen Bedingungen Sie zur Anschaffung eines Smartphones bereit sind, und wann welche Funktionen genutzt werden dürfen: Telefonieren, SMS, WhatsApp, Fotos/Videos machen und mit Freunden teilen, bestimmte Spiele-Apps nutzen, selber Apps installieren, Soziale Netzwerke nutzen, über Messenger chatten usw.

Unter Umständen kann es Sinn machen hierzu gemeinsam einen Vertrag zu gestalten, indem sich die Kinder aber auch die Eltern zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Gerät verpflichten. 

Mit Hilfe von sogenannten "Monitoring-Apps" lassen sich Smartphones mit technischen Mitteln (beispielsweise "aus der Ferne") überwachen. Allerdings überschreitet man mit diesen Apps als Erwachsener nur allzu schnell die Grenze zur "totalen Überwachung". Je nach Anbieter kann man mit solchen Monitoring-Apps überprüfen, welche Telefonnummern das Kind gewählt und welche SMS es versendet hat, welche Anwendungen installiert und/oder gestartet und welche Websites besucht wurden. Über ein ggf. vorhandenes GPS-Modul lässt sich zudem der aktuelle Standort des Gerätes ermitteln. Vereinbaren Sie stattdessen lieber in gegenseitigem Einvernehmen, dass Sie hin und wieder mit dem Kind einen gemeinsamen Blick auf das Gerät werfen dürfen.

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