Computersucht

Leon ist 12 Jahre alt und verbringt seine meiste Zeit am Computer. Er ist begeistert von einem Rollenspiel, das scheinbar endlos ist: Rund um die Uhr kann man sich hier mit anderen vorwärts kämpfen. Seine Eltern machen sich große Sorgen. Sobald er aus der Schule kommt, stellt er den Computer an, und das seit einigen Wochen. Den ganzen Nachmittag klebt er vor der Kiste und findet kein Ende. Er hat kaum noch Freunde. Seitdem er seine gesamte Freizeit am Computer verbringt, treffen die sich nun ohne ihn. Auch Leons Schulnoten sind den Bach runter gegangen. Er kann sich in der Schule nicht konzentrieren, ist in Gedanken nur bei seinem Computerspiel. Und wenn er mal nicht spielen kann, ist er wütend.
Was meinst du? Ist Leon computersüchtig?
Computersucht - was ist das eigentlich?
Echte Computersucht ist gar nicht spaßig. Experten bezeichnen jemanden als computersüchtig, der sein gesamtes Leben auf den Computer ausrichtet, sei es auf Spiele, auf das Chatten oder Online-Einkaufen. Alles dreht sich nur noch um die Tätigkeit am PC. Der Computer ist wie eine Droge, von der der Süchtige nicht mehr los kommt. Er braucht die Erlebnisse am Computer, um sich gute Gefühle, wie Freude, Stolz oder Spannung, zu verschaffen. Um diese Glücksgefühle zu erreichen, muss er immer länger am Computer sein.
Bald verbringt er dort die meiste Zeit seines Tages. Dem Körper tut das gar nicht gut: Schlafmangel, ungesundes Essen (zu viel, zu wenig oder zu unregelmäßig), ständiges Sitzen in derselben Position – all das schadet dem Körper auf Dauer.
Computersucht ist eine ernstzunehmende Sache. Computersüchtige geraten in einen Sog, der sie einsam und krank macht, aus der Familien- und Freundeswelt heraus reißt und in eine Scheinwelt hineinzieht. Wer tief in die Computerwelt hineingesogen wurde, kommt meist nicht mehr allein von seiner Sucht los. Computersüchtige brauchen Hilfe, um wieder ein normales Leben führen zu können.
Aber so weit muss es erst gar nicht kommen. Alles in Maßen – damit fährt man am besten. Natürlich macht es Spaß am Computer zu spielen, im Internet zu surfen oder zu chatten. Und dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Erst wenn der Computer wichtiger wird als alles andere und die Zeit vor dem Bildschirm immer mehr wird, muss die Notbremse gezogen werden. Bist du auf dem Weg dorthin? Überprüfe, wie du den Computer in dein Leben einbindest. Bestimmt er schon dein Leben?
Mach den Test: Bist du gefährdet?
Wir haben für dich einen Mini-Test erstellt, der dich zum Nachdenken anregen soll. Ohne dass ein Experte persönlich mit dir gesprochen hat, können wir natürlich nicht wirklich wissen, ob du gefährdet oder gar süchtig bist! Und es ist auch noch gar nicht richtig klar, wann tatsächlich von einer Computersucht geredet werden kann. Trotzdem kann ein kleiner Test eine Hilfe sein, mal über das eigene Verhalten am Computer nachzudenken.
Beantworte folgende Fragen mit Ja oder Nein – sei dabei so ehrlich wie möglich zu dir selbst! Entweder machst du dir eine kleine Strichliste oder du druckst dir die Liste aus du kreuzt dort die Antworten an:
Frageliste zum Ausdrucken
- 1. Stellst du jeden Tag, und auch schon morgens vor der Schule, den Computer an?
- 2. Hast du Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule, weil du an den Computer denkst?
- 3. Sind es über 5 Stunden täglich, die du am Computer verbringst?
- 4. Hast du ständig Stress mit deiner Familie/deinen Eltern, weil du dauernd vor dem Computer sitzt?
- 5. Hast du in letzter Zeit zu- oder abgenommen, schläfst schlechter und bewegst dich weniger?
- 6. Macht dir nur noch der Computer Spaß und alles andere ist langweilig für dich?
- 7. Hast du kaum noch Freunde und schottest dich zunehmend von den anderen ab?
- 8. Spielst du lieber am Computer als etwas mit Freunden zu unternehmen?
- 9. Wirst du böse oder wütend, wenn man dich daran hindert, an den Computer zu gehen?
Auswertung/ dein Testergebnis
- Kein Mal Ja
Du hast alles im Griff. Du weißt, wann du aufhören musst. - Ein Mal Ja
Achte darauf, dass du nicht nur vor dem Computer sitzt, sondern auch etwas anderes unternimmst, zum Beispiel mit Freunden. Wäre doch schade, wenn du vergisst, wie viel Spaß das macht! - 2 - 3 Mal Ja
Aufpassen! Überdenke deine Freizeitplanung und sprich mit deinen Eltern darüber. Wie wär's mal mit einem computerfreien Tag?
- 4 - 5 Mal Ja
Au weia, du sitzt viel zu viel vor dem Computer. Achte gut auf dich und gönn' dir öfter eine Computerpause. Verabrede dich mit Freunden und melde dich im Sportverein an, lern ein Instrument oder unternimm irgendetwas, was dir Spaß macht. Schaffst du das nicht allein, sprich mit einem Erwachsenen deines Vertrauens. - 6 - 9 Mal Ja
Aaaaah! Es wird gefährlich für dich. Du solltest die Notbremse ziehen und den Computer für mindestens einen Monat aus lassen. Wenn du das nicht allein hinbekommst, sprich mit deinen Eltern oder einem Erwachsenen deines Vertrauens und bitte um Hilfe.
Mein persönlicher Tages-Stundenplan
Um sicher zu gehen, wie oft und wie lange du vor dem Computer sitzt, kannst du einen Tages-Stundenplan führen. Wir haben dir einen vorbereitet - dort findest du auch eine kleine Anleitung:
Tages-Stundenplan
Und Leon?
Der hat selbst eingesehen, dass es so nicht weiter geht. Zusammen mit seinen Eltern geht er zu einem Beratungsgespräch. Gemeinsam will die Familie seine Computersucht bewältigen. Leon wird professionelle Hilfe von einem Psychologen bekommen und vielleicht mit anderen computersüchtigen Kindern eine Therapie machen.
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