Digitale Spielzeuge mit WLAN werfen Erziehungsfragen auf

Datensammlung beginnt jetzt bereits im Kinderzimmer! Im Trend liegt derzeit die Puppe "Hello Barbie" von Mattel. Sie hat standardmäßig ein Mikrofon im Kopf installiert und sammelt auf Knopfdruck die Audio-Daten des spielenden Kindes. Die Gespräche mit der Lieblingspuppe werden über den WLAN-Zugang in einer Cloud in Übersee gespeichert - und einmal in der Woche sendet der Hersteller Mattel diese Dateien als Serviceangebot an die Eltern. Zwei Jahre bleiben die Dateien übrigens in der Cloud.

Bereits 2015 kam "Hello Barbie" auf den US-amerikanischen Markt und ist inzwischen auch in Deutschland über Online-Versandhäuser zu bestellen. Knapp 200,- EUR kostet diese technische Innovation in Püppchen-Verpackung mit eingearbeiteter Spionagefunktion. 

Solche Produkte entwickeln Start-up-Unternehmen wie "ToyTalk" und etablieren damit erstmals diese Art der Spracherkennungs- und Konversations-Software in Kinderspielzeug. Die Programmierung lässt die Puppe antworten und spielt dem Kind ein reales Gespräch vor. Es wirkt, als würde "Hello Barbie" tatsächlich auf das Kind eingehen und eine Unterhaltung führen. Antworten werden aus den vorangegangenen Aufnahmen generiert.

Der Grund für die Datenspeicherung liege, so der Hersteller, ausschließlich in der optimierten Spracherkennung und sei für die optimale Konversation mit dem Kind notwendig. Suggeriert wird, dass Produkt "Hello Barbie" ein Lernspielzeug auf der Höhe der Zeit sei, eine Puppe, die ein sprachanregendes Spiel ermöglicht und Eltern über die sprachlichen Fähigkeiten, persönliche Wünsche und die kindliche Gefühlswelt auf dem Laufenden hält.

Vorgaben in Sachen Datenschutz seien eingehalten, so das Unternehmen. Doch klar ist: Das Sammeln der Daten nutzt auch dem Unternehmen: Es kann Analysen zu Produktenneuheiten erstellen, gezielter Werbestrategien und Kaufangebote entwickeln, die genau auf die Wünsche der Kinder abgestimmt sind.

Ansonsten kann Barbie nichts, was Eltern nicht auch könnten: zuhören, nachfragen, mitspielen, Sprachanlässe schaffen. 

Eine Speicherung von jedem Gespräch führt zu einer Welt ohne kindliche Geheimnisse, zu Überwachung und dem Verschwinden wirklich privater Augenblicke nur für sich selbst.

Die Anschaffung solcher Spielzeuge -  zu nennen ist hier auch noch der "Cognitoy-Dinosaurier" - sollten Eltern kritisch überdenken: Datensparsamkeit ist gerade bei Kindern im Grundschulalter angesagt. Sprachanregende Umgebungen benötigen weder WLAN, noch Mitschnitte von Gesprächen oder Speicherung in der Cloud – sondern zwischenmenschliche Kommunikation und Interaktion, Austausch und ein offenes Ohr für die Belange der noch jungen Kinder.

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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 26.07.2017]
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