WHO sagt: Ja, Computerspielsucht ist eine Krankheit!

Spieler vor mehreren Monitoren; Bild: Internet-ABC
Spieler vor mehreren Monitoren; Bild: Internet-ABC

Mein Kind spielt stundenlang am Bildschirm. ist mein Kind süchtig? Die Angst, das eigene Kind könne süchtig werden, kennen viele Eltern. Seit Jahren diskutieren Mediziner und Medienpädagogen, ab wann das Computerspielen für die körperliche und psychische Gesundheit eines jungen Menschen zu viel ist – und letztendlich auch für den Frieden innerhalb der Familie.

Vielleicht bringt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun mehr Klarheit in diese Frage. Die WHO hat nämlich gerade die Videospielsucht in die Liste der psychischen Krankheiten aufgenommen. Und an dieser Liste orientieren sich Versicherungen und Gesundheitsbehörden.

Die WHO stellt klar, dass niemand als süchtig gilt, nur weil er sich stundenlang mit Videospielen beschäftigt. Die Zeit alleine spielt keine Rolle. Es müssen weitere Symptome hinzukommen:

  • Die Diagnose "Gaming Disorder" (Spielstörung) wird dann gestellt, wenn jemand sein Spielverhalten überhaupt nicht mehr unter Kontrolle hat. Es muss ihn quasi beherrschen, in dem Sinn, dass er alles andere vernachlässigt, selbst wenn negative Folgen daraus erwachsen.
  • Wer süchtig ist, nimmt in Kauf, dass die Ausbildung gefährdet ist und Freundschaften zerbrechen.
  • Diese Bereitschaft muss sich mindestens ein Jahr lang gezeigt haben, ohne dass der oder die Betroffene willens ist, etwas zu ändern.
  • In der Regel treten zusätzlich dann körperliche Symptome wie Augenprobleme oder mangelnde Fitness auf.

Der neu geschaffene Befund "Spielstörung" führt dazu, dass die Spielehersteller gegebenenfalls reagieren müssen. Immerhin könnten sie zukünftig für gesundheitliche Schäden haftbar gemacht werden. Die Aufnahme in den Katalog der von der WHO anerkannten psychischen Krankheiten bedeutet allerdings auch, dass nun Geld für die Entwicklung und Erprobung neuer Therapien fließen kann.

Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation (englisch):

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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 06.07.2018]


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Suchtberater aus Hannover 12.04.2018 16:03
Schön, dass die WHO so reagiert!
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