Das Handy direkt am Bett?

Social Jetlag - Mobile Medien auf dem Nachttisch

Smartphone am Bett; Bild: Internet-ABC
Smartphone am Bett; Bild: Internet-ABC

Über 50 Prozent der Jugendlichen ab 12 Jahren nutzen ihr Handy täglich oder mehrmals wöchentlich als Wecker (JIM-Studie 2015). Der mobile Zeitmesser bietet unterschiedliche Klingeltöne, benötigt wenig Akku-Leistung und macht Dank der Snooze-Funktion noch eine kleine Verlängerung im Bett möglich.

Die Nutzung dieser Funktion ist mit ein Grund, weshalb Kinder und Jugendliche immer mehr Geräte über Nacht direkt am Bett ablegen. Diese Art der Mediennutzung ist für manche Kinder vielleicht sogar ein Argument für die Anschaffung eines eigenen Gerätes. Hier besteht jedoch die Gefahr eines ungünstigen Abend- bzw. Morgen-Rituals!

Der amerikanische Schlafstörungsforscher Dr. Robert S. Rosenberg meint, dass die Unfähigkeit, morgens direkt aus dem Bett zu hüpfen, eine Folge der Mediennutzung vor dem Schlafengehen sei. Als "Social Jetlag" beschreibt er das konkrete Problem des chronischen Schlafmangels. Einen Grund sieht Rosenberg dafür in der regelmäßigen und exzessiven Nutzung von Geräten wie Laptop, Handy oder Tablet vor dem Zubettgehen. Das blaue Licht der Bildschirme hemmt im Gehirn die Produktion des Hormons Melatonin.  

Seine Forderung: 90 Minuten vor dem Schlafengehen sollten WhatsApp, Twitter & Co. tabu sein. Gerade bei Kindern sollte daher der Nachtschrank am Bett keine Ladestation für mobile Geräte sein - die Versuchung, nachts doch noch auf das Gerät zu schauen, eine Nachricht zu lesen oder zu spielen, wäre zu hoch.

Rosenberg beschreibt aber auch die Snooze-Funktion selbst als problematisch: Jemand, der es gewohnt sei, sich beim Klingeln des Weckers noch ein paar Minuten Ruhe durch die Schlummertaste zu verschaffen, sorgt ebenfalls für ein Durcheinander der Gehirnfunktionen. Das Gehirn weiß nicht mehr, ob es wach oder müde sein soll. Der Schlaf-Wach-Rhythmus (der so genannte zirkadiane Rhythmus) ist für diesen Vorgang zuständig. Die Snooze-Funktion kann demnach dazu beitragen, dass sich Kinder durch die Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus mit einer anhaltenden Abgeschlagenheit durch den Tag schleppen.

Die Mediennutzung der Kinder bedarf zuhause und insbesondere vor dem Zubettgehen entsprechender Regeln, die die Nutzung altersgerecht einschränken. Eltern sollten da ein gutes Vorbild sein: Gute-Nacht-Rituale und der Start in den Tag sollten Eltern und Kinder gemeinsam so medienfrei wie möglich gestalten.

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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 06.11.2017]


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