Entspannt zurücklehnen?

Let's play-Kanäle für Kinder bei Youtube und die Verantwortung für Eltern

Spielender Junge und Schriftzug "Let's play"; Bild: Internet-ABC
Spielender Junge und Schriftzug "Let's play"; Bild: Internet-ABC

Die medialen Angebote an Games und Apps wachsen immens an und die Auswahl des "richtigen" Angebots wird auch für Eltern immer schwieriger. Der Leitsatz der praktischen Medienpädagogik "Produzieren statt konsumieren" geht bei der riesigen Auswahl von Apps schnell verloren. Viele Angebote verführen eher zum Konsum der Spieleinhalte – das kreative Potenzial mobiler Medien bleibt zu oft ungenutzt.

Der "Kinderkanal K.Tze" macht auf YouTube Eigenwerbung mit dem Slogan: „Eltern können sich sorgenlos und entspannt zurücklegen!“ und "Täglich neue Videos, täglich um 13:00 Uhr – täglich reinschauen und abonnieren". Der selbsternannte Kinderkanal verspricht die Präsentation der neusten Spiele und Apps. Das Angebot sei kindgerecht und lustig aufbereitet.

Angeboten werden vornehmlich so genannte "Let's play"-Videos, auf deutsch "Lasst uns spielen". In diesen Videos wird das Spielen eines Computerspiels gezeigt und kommentiert. Bei K.Tze stehen die Spiele bekannter Medienheldinnen und -helden wie "Mia & Me", "Spongebob Schwammkopf" oder "Phineas und Ferb" im Vordergrund.

Das Angebot des Youtube-Channels "K.Tze" scheint zunächst hilfreich, um eine Orientierung in der Vielfalt der Medienangebote zu erhalten und richtet sich damit an Eltern wie an Kinder. "Wissen, was aktuell ist" kann ein wesentlicher Bestandteil der elterlichen Begleitung für die Medienerziehung der eigenen Kinder sein. Let's plays können einen guten Eindruck eines Spiels vermitteln, das Eltern ggf. ihren Kindern kaufen möchten.

Dennoch gilt es solche Formate kritisch zu prüfen. Die Haltung, die durch das Format "K.Tze" vermittelt wird, ist im Sinne einer kritischen Medienpädagogik nicht hilfreich. In Zukunft wird es zunehmend genau diese Formate geben. Eltern sind zukünftig immer mehr gefordert, entsprechende Formate kritisch zu hinterfragen und keinesfalls 1:1 an ihre Kinder weiterzuleiten.

Sich sorgenlos zurückzulehnen, während (Klein-)Kinder Medien konsumieren, sollte nicht Ziel der Mediennutzung zu Hause sein. Medien sind nicht als Babysitter bzw. Kinderbetreuung geeignet – und Angebote wie "K.Tze" dienen nur dem Konsumieren.

Tipps zur kreative Medienerziehung finden Sie im Internet-ABC:

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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 26.07.2017]


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Katharina W. 06.05.2017 09:24
Ich bin gestern auch über diesen Kanal gestoßen, als ich mal schaute, was meine Tochter auf YouTube schaut und bin beim Recherchieren auf Ihren Artikel gestoßen. Und eines steht fest: In Sachen kritischer Medienpädagogik gibt es diese Formate nicht erst seit gestern. Mein Sohn schaut dieses Format "Let's Play" schon seit längerem und was da für Worte fallen ist unvorstellbar. Das ging sogar so weit, dass ich zu Hause das Internet sperren musste, was langfristig aber auch keine Lösung war. Aber dieses Videoformat scheint heute wohl super interessant zu sein, weswegen ich das Angebot von "K.Tze" gar nicht so verkehrt finde. Kinder können sich unterhalten lassen und lernen keine Wörter, die ich bei uns zu Hause nicht hören möchte. Liebe Grüße, Katharina W.
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