Vor dem Kauf und der Installation einer Kinder-App

Ein Spieletipp im Internet-ABC; Bild: Internet-ABC
Ein Spieletipp im Internet-ABC; Bild: Internet-ABC

Informieren Sie sich über die App und beziehen Sie das Alter des Kindes in Ihre Überlegungen mit ein!

Es gibt verschiedene Wege, eine gute App zu finden: Sie probieren allein oder zusammen mit ihrem Kind eine Vielzahl von Apps durch und entscheiden dann, welche auf dem Tablet oder dem Smartphone bleiben. Das geht durchaus, da viele Apps nur wenig oder (zunächst) gar nichts kosten.

Oder Sie informieren sich über den App-Markt allgemein und über einzelne Apps. Zusätzlich ziehen Sie Überlegungen zu ihrem Kind mit ein. Diese Vorgehensweise hilft viel Frust zu vermeiden, denn es gibt tatsächlich eine Vielzahl schlechter Apps.

Wo finde ich Informationen über Kinder-Apps?

Wie gut oder schlecht eine App ist, wird oft erst nach dem Download festgestellt. Auch wenn die App nicht viel Geld gekostet hat, ist dennoch jeder Fehlkauf ärgerlich. Ganz vermeiden lässt sich sowas sicher nicht, aber bereits im Vorfeld kann die Anzahl der Flops minimiert werden.

Ein erster Eindruck von einer App kann über die Bilder, Inhaltsangaben und teilweise auch Videos (Trailer) in den jeweiligen Appstores von Apple, Android und Windows Phone gewonnen werden. Auch die Bewertungen von Apps in den Stores können einen gewissen Aufschluss über Attraktivität und technische Qualität geben.

Auf Videoportalen wie YouTube lassen sich weitere Filme finden, die zum Teil recht gut die Abläufe, Klänge und die Stimmung einer App vermitteln.

Recht schnell lassen sich im Internet auch Empfehlungen für gute Kinderapps finden, zum Beispiel im Internet-ABC oder auf den Seiten des Deutschen Jugendinstituts:

Aber Achtung: Manche Seiten über Kinder-Apps lassen sich von den Anbietern von Apps bezahlen, um deren Produkte vorzustellen und anzupreisen. Verlässlicher dagegen sind renommierte Auszeichnungen. Jedes Jahr werden bei der GIGA MAUS und beim Kindersoftwarepreis TOMMI Apps prämiert. Auch ein Blick auf den pädagogischen Preis PÄDI lohnt sich. Die Bewertungen und die angegebenen Altersangaben sind vertrauenswürdig.

Kleiner Tipp: Wer mit einer bestimmten App gute Erfahrungen gemacht hat, sollte ruhig nach anderen Produkten des Herstellers Ausschau halten.

Fazit: Im Vorfeld gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich von einer App ein zufriedenstellendes Bild zu machen.

Schützen Bestimmungen des Jugendschutzes mein Kind vor schlechten Apps?

Wenn es um Jugendschutz und Altersbeschränkungen geht, kommt es immer wieder zu Missverständnissen: Die Altersangaben zum Beispiel bei Videospielen und Filmen sind keine Altersempfehlungen! Sie zeigen nur auf, ab welchem Alter, was Gewalt oder sexuelle Bezüge betrifft, die Nutzung unbedenklich im Sinne des Jugendschutzes ist.

Und das heißt auch: Es kann sein, dass ein Spiel mit der Einstufung "ab sechs Jahren" vom Schwierigkeitsgrad her von Sechs- oder Siebenjährigen nicht zu bewältigen ist. Das gleiche gilt natürlich auch für Apps.

Apple regelt die Altersvergabe nach eigenen Maßstäben - nicht immer transparent und nachvollziehbar. Bei Android und Windows Phone werden die Apps von der "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle" (USK) in Zusammenarbeit mit dem internationalen Jugendschutz-Zusammenschluss IARC (International Age Rating Coalition) eingeschätzt. Der Vorteil: Generell ist es positiv zu bewerten, wenn der Jugendschutz in einer globalisierten Welt enger zusammenarbeitet. Der Nachteil: Die IARC-Lösung basiert auf einer Selbstauskunft der Hersteller. Laut spielbar.de, einem Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, legen die Hersteller mittels eines IARC-Fragebogens den USK-Wert fest. "Diese wird nur stichprobenartig oder auf Beschwerde hin von der USK überprüft.“ (spielbar.de, abgerufen am 24.06.2016)

So oder so sollten sich Eltern und Pädagogen nicht blind auf die Altersangaben in den App-Stores oder auf die Jugendschutzeinstellungen der Geräte verlassen, sondern sich besser selbst ein Bild von dem Angebot und seiner Wirkung machen.

Fazit: Jugendschutz alleine reicht leider nicht.

Das Alter der Kinder bedenken

Kinder kommen, anders als bei anderen digitalen Spielen, immer früher mit Apps in Berührung. Ginge es nach so manchem Hersteller, dürften bereits Säuglinge auf Tablets herumpatschen. Das ist natürlich nicht in Ordnung.

Dennoch wird Kindern schon oft mit zwei Jahren bedenkenlos ein mobiles Gerät in die Hand gedrückt. In Ausnahmen richtet das sicher keinen Schaden an. Das freie Spielen ohne permanente Rückmeldungen einer App sollte jedoch in diesem Alter stets im Vordergrund stehen.

Generell kann bezüglich der Nutzung eines Tablets gelten:

  • 0-3 Jahre:
    Besser nicht. Falls doch, dann selten und nur zusammen mit einem Erwachsenen.

  • 3-6 Jahre:
    Es spricht nichts gegen gelegentliches Nutzen oder Spielen einer App. Es sollte allerdings nur ein Freizeitangebot von vielen blieben. Die Kinder können auch mal alleine spielen, in der Regel sollten aber Erwachsene dabei sein.

  • 6-10 Jahre:
    Bis zum Alter von acht Jahren greifen Kinder in der Regel auf Tablets zu. Smartphones finden immer stärker im Laufe der Grundschule Verbreitung. Nun können Kinder schon gut allein damit spielen. Es mag sein, dass 10-Jährige auch schon eigene Entscheidungen bei dem Herunterladen treffen dürfen – die Eltern sollten das genutzte App-Angebot allerdings gut im Auge behalten und gemeinsam mit dem Kind zeitliche Regelungen absprechen.

  • 10-13 Jahre:
    In diesem Alter verfügen Kinder häufig über ein eigenes Gerät und führen mit Hilfe von Gutscheinkarten autonom Käufe durch. Gelegentliche Kontrollen der Apps sind zum Schutz immer noch sinnvoll und zeitliche Begrenzungen unvermeidbar. Diese Maßnahmen sollten allerdings in enger Absprache mit dem Kind geschehen.

Fazit: Sehr junge Kinder sollten nur selten mit Apps spielen. Werden sie älter, können sie zunehmend alleine spielen und auch eigene Entscheidungen treffen. Eltern sollten im Blick behalten, was ihre Kinder auf Tablet und Smartphone machen.


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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 26.07.2017]


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Schwerpunkt "Gute Apps für Kinder"

Dieser Artikel ist Teil des Internet-ABC-Schwerpunkts "Gute Apps für Kinder".

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