Spiel des Monats 09.2010

Dadaelic ist ein deutscher Anbieter von Computerspielen. Die Hamburger nehmen gerne mal ein Spiel in ihren Vertrieb, aber sie produzieren auch eigene Games, die sich alle durch Qualität und einen besonderen Humor auszeichnen, der nicht nur auf dem deutschen Markt seine Abnehmer findet. Gerade beim Thema Adventure sind ja alle mehr oder weniger durch die LucasArts-Schule gegangen, aber nur Dadaelic ist es dabei gelungen, einen ganz eigenen und unnachahmlichen Stil zu entwickeln. Für "Edna bricht aus" hagelte es Preise, "Machianarium" ist ebenfalls etwas ganz Besonderes - und auch "Full Pipe" passt ausgezeichnet in das Portfolio ...

Bei "Full Pipe" wäre der erste Gedanke, dass es sich dabei um eine erneute Variation der sattsam bekannten Röhrenspiele handelt, die es sogar als Minispiele in 18er Games wie "BioShock" schaffen. Doch "Full Pipe" ist ein Adventure und ein Rätselspiel - und vor allem ist es völlig anders! Ganz anders. Sehr reduziert und irgendwie auch sehr schräg. Das beginnt schon mit der Grafik und setzt sich darin fort, dass es keine wirkliche Rahmenhandlung gibt. Nur so viel: Ein kauziger Pantoffel-Held namens Dude landet in einem äußerst seltsamen, unterirdischen Röhrensystem, das von recht bizarren Lebewesen bevölkert wird.

Von angenehm lässiger Instrumentalmusik und unterirdisch-atmosphärischen Tropfgeräuschen begleitet geht das Knobeln auch schon direkt los. Mit seinem wieder gefundenen Schuh latscht der Dude Leitern hinunter, krabbelt durch runde Schächte und erschließt immer mehr Räume des Tunnellabyrinths. Hier sammelt er Items wie Hammer, Dominostein und blaue Brille, untersucht jeden Winkel der merkwürdigen Umgebung, bewegt Hebel, fährt Fahrstuhl, stolpert in Minigames hinein und entdeckt die Tauschfreude der Unterirdischen.

Und die sehen alle sehr merkwürdig aus. Obwohl der kleine Kumpel auch selbst mit seinem ungewöhnlichen Rückenschneckenhaus und der runden Minibrille nicht gerade alltäglich wirkt, ist der Spielcharakter im Vergleich zu den anderen Stollenbewohnern geradezu normal. Da gibt es zum Beispiel den Eggcracker, ein langhalsiges Geschöpf mit kugelrundem Haupt, dessen einzige Beschäftigung es ist, eierförmige Dinge per Kopfnuss zu zerschlagen. Ein paar Tunnelräume weiter sitzt Guv-the-Drawer, ein elefantenartiges Tierchen mit einer Schublade im Bauch. Er verpackt gefundene Items in Eierkugeln. Die wiederum werden mit Vorliebe vom Egggulper verschluckt, der dann im Tausch eine Münze herausrückt. Immer wieder kommt es zu Geschicklichkeitseinlagen, wenn der Spieler zum Beispiel verschiedene Figuren in ein Glas katapultieren soll. Oder es müssen Bälle im Känguru-Beutel von Big Mumsy versenkt werden. Keine leichte Sache.

Zugegeben, die Hinweise in "Full Pipe" sind spärlich gesät, und durch den kompletten Verzicht auf Text muss der Abenteurer jede Menge wortlose Tauschgeschäfte und andere Interaktionen mit seinen stummen Freak-Freunden ausprobieren. Gerade in dieser schnörkellosen Spielweise liegt jedoch der Reiz des Spiels. Es geht ums kindliche Entdecken und Erfahren einer völlig unbekannten Fantasieumgebung, in der ganz eigene Regeln gelten. Unvoreingenommen von sprachlichen Tipps oder ablenkendem Geschwafel darf hier nach Herzenslust ausprobiert werden.

Neben der wunderbaren Musik, den kuriosen Grunzlauten der Figuren und der Abwesenheit der Sprache machen besonders der tolle grafische Stil und die liebevolle Animation den Charme des Spiels aus. Die Erkundung der absonderlichen Röhrenwelt und ihrer eigenartigen Bewohner ist aber auch technisch sehr gelungen. Besonders die Navigation geht hier kinderleicht von der Hand!

Fazit: Wunderschön gestaltete Comic-Phantasiewelt mit herrlich verschrobenen Charakteren, die zum Entdecken einlädt.

TitelFull Pipe
Erscheinungsjahr2010
Art des SpielsAction & Abenteuer
SpielgerätPC
Preis in Euro20,00
Verlag / BildrechteDaedalic
Freigabe (USK)ohne Altersbeschränkung
Internet-ABC-Altersempfehlung8
Spielspaß
Bedienung
Technische Qualität
Gesamtbewertung
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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 14.03.2017]
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