Ein sicheres Smartphone für das Kind – geht das?

Gefahren, Kinderschutz-Apps, Regeln rund um das Handy

Kind mit Smartphone; Bild: FOX/Völkner
Kind mit Smartphone; Bild: FOX/Völkner

"Ein Smartphone gehört nicht in Kinderhände!"

"All seine Freunde haben eines. Kann ich da 'Nein' sagen?“

"Ich kontrolliere, was mein Kind am Smartphone macht. Eltern dürfen das."

Das Kind möchte ein eigenes Smartphone. Eltern stehen damit vor der Frage, ob und ab wann sie dies erlauben. Welche Gefahren drohen und wie lassen sich diese umgehen? Gibt es eigentlich ein "kindersicheres Smartphone"?


Die wichtigsten Fragen zum Thema "kindersicheres Smartphone"

Wie alt sollte mein Kind für ein eigenes Smartphone sein?

Vier kurze Gedanken dazu:

  • Frühestens mit 10 oder 11 Jahren sollten Sie Ihrem Kind ein Smartphone mit Internetzugang überlassen. Das ist meist die Zeit des Übergangs von der Grund- in die weiterführende Schule.
  • Aber: Altersangaben sind immer allgemeine Richtwerte. Jedes Kind ist anders: Das eine ist früher "reif" und kompetent genug, das andere später.
  • Mit 10 oder 11 Jahren sind Probleme bei der Smartphone-Nutzung möglich, die Ihr Kind nicht allein bewältigen kann. Gegenseitiges Vertrauen hilft hier weiter. Würde das Kind mit Problemen zu Ihnen kommen?
  • Überlegen Sie, ob Ihr Kind schon weiß, wie es mit den Gefahren des Internets umgehen kann: Was passiert, wenn es einen Kettenbrief erhält? Oder verstörende Inhalte? Hat es das Selbstbewusstsein, der Aufforderung anderer, etwas "Verbotenes" zu machen, zu widerstehen?
Welche Gefahren birgt ein Smartphone für Kinder?
  • Ungeeignete Inhalte
    Pornografie, Gewalt, hasserfüllte Kommentare, Hetze oder geschmacklose Kettenbriefe finden ihren Weg auf das Smartphone. Sie können Kinder verstören, erschrecken oder ängstigen.
  • Mobbing/Cybermobbing
    Kinder erfahren Beleidigungen, Bedrohungen und Verleumdungen, zum Beispiel über Gruppenchats in Messengern wie WhatsApp oder die Verbreitung gemeiner Fotos und Videos.
  • Rechtsverstöße
    Oft stellen Kinder ahnungslos Bilder, Texte, Musik oder Filme online oder verbreiten diese weiter – ohne die Erlaubnis des Verfassers. Dann drohen Urheberrechtsverstöße und teure Abmahnungen. Ebenso gilt: Ist auf einem Foto ein Mitschüler zu sehen, darf dieses ohne seine Erlaubnis nicht einfach verbreitet werden.
  • Preisgabe von Daten
    Unternehmen, soziale Netzwerke, Betriebssysteme, Spiele und Apps sammeln oft mehr Daten und Angaben über die Nutzer als nötig. Zudem geben Kinder in Spiele-Chats und Apps oft mehr von sich preis, als sie sollten. Sie machen sich damit angreifbar.
  • Kostenfallen
    Über In-App-Käufe, Abos oder teure mobile Daten geben Kinder unter Umständen kleines oder auch großes Geld aus.
  • Übermäßiger Gebrauch
    Finden Kinder kein Ende am Minibildschirm, leidet das "echte" Leben darunter. Das Smartphone verleitet dazu, immer und überall mitzureden und mitzuspielen.
  • Handystrahlung
    Je nach Gerät und Intensität der Nutzung können sich eventuell gesundheitliche Risiken ergeben.
Einstellungen und Kinderschutz-Programme – machen sie das Smartphone sicher?

Weder Einstellungen noch Apps bieten eine 100%-Sicherheits-Garantie für Ihr Kind. Sie können aber gerade bei jüngeren Kindern eine Hilfe sein, wenngleich Absprachen und gegenseitiges Vertrauen immer an erster Stelle stehen sollten.

Einstellungen

Es können direkt am Smartphone Einstellungen vorgenommen werden, die die Nutzung sicherer machen: zum Beispiel Einstellungen, die bestimmte Funktionen (W-LAN, Installieren von Apps, In-App-Käufe) unterbinden.

Bildschirmsperre

Um das Smartphone und die darauf gesammelten privaten Inhalte vor ungewollten Zugriffen Fremder zu schützen, richten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine Bildschirmsperre ein.

Drittanbieter-Sperre

Lassen Sie beim Mobilfunkanbieter eine "Drittanbieter-Sperre" einrichten. Diese verhindert, dass teure Premium-Dienstleistungen über die Handyrechnung eingezogen werden können.

Programme und Apps zur Kindersicherung

Mit Hilfe von Kindersicherungs-Apps kann die Nutzung des Handys sinnvoll begrenzt werden – sowohl bezüglich der Zeit als auch bezüglich der Inhalte. Das Internet-ABC zeigt, worauf Sie bei diesen Programmen achten sollten:

Wichtig: Aufklären, Erklären, Regeln vereinbaren und Vorbild sein!

Technische Hilfsmittel allein genügen nicht, um allen Risiken aus dem Weg zu gehen. Die dauerhafte Begleitung der Mediennutzung bleibt unverzichtbar.

Ihr Kind muss über die Gefahren Bescheid wissen – und darüber, wie es sich am besten verhält, um diese zu umgehen. Und als Ansprechpartner stehen Sie bereit! Beschäftigen Sie sich gemeinsam mit dem Thema: Tipps dazu finden Sie unten in der Rubrik "Gemeinsam".

Zur Aufklärung und zum kompetenten Smartphone-Umgang gehört auch die Absprache von Regeln. Dabei sollten sich beide Seiten an Vereinbarungen halten. Das Gerät heimlich zu kontrollieren ist kein geeigneter Weg, um einem Kind vertrauensvoll zur Seite zu stehen. Besprechen Sie gemeinsam, was erlaubt ist und was nicht. Interessieren Sie sich für die Wünsche und Vorlieben Ihres Kindes: Kann die Wunsch-App Ihres Kindes unter gewissen Voraussetzungen erlaubt werden? Wenn nicht: Welche Gründe hat Ihr Verbot?


Zusammen die Welt der Smartphones entdecken!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Lernmodul "Mobil im Internet - Tablets und Smartphones"

Auf der Kinderseite vom Internet-ABC bietet Pinguin Eddie das passende Lernmodul. Spielen Sie es gemeinsam mit Ihrem Kind. Nutzen Sie die hier angesprochenen Themen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Vereinbarungen zum Smartphone zu treffen. Konkrete Tipps zur sicheren Nutzung vermittelt Kapitel 6 "Schutz für mobile Geräte - und für dich".

Video von Neuneinhalb

Das Video (gut 24 Minuten lang) der gleichnamigen Kindersendung vom WDR widmet sich dem Thema "Mein erstes Smartphone" und zeigt, dass ein geregelter und achtsamer Umgang mit dem neuen "Supergerät" sinnvoll und erlernbar ist.

Checkliste

Ist Ihr Kind reif für ein Smartphone? Mit dieser Checkliste von Klicksafe erhalten Sie eine erste Einschätzung zu dieser Frage.


Zahlen und Fakten zum "sicheren Smartphone"

Lediglich 15 Prozent der Eltern (oder Erziehungsberechtigte) nutzen technische Hilfsmittel (Apps oder Filter), um das kindliche Smartphone vor Gefahren abzusichern. Noch weniger (11 Prozent) nutzen die geräteeigenen Sicherheitseinstellungen (KIM-Studie 2018). Als Gründe führen Eltern an, dass

  • sie solche Apps und Filterprogramme nicht kennen,
  • das Vertrauen in die Wirksamkeit solcher Programme nicht vorhanden sei,
  • sie nicht wüssten, wo sie Informationen zu diesem Thema erhalten könnten,
  • solche Programme zu teuer seien.

Vielleicht kann dieser Themeneinstieg des Internet-ABC bei der Entscheidung "für oder gegen eine Kindersicherungs-App" weiterhelfen.


Hilfreiche Angebote im Internet

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1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 27.08.2019]


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LightJack 22.08.2019 14:06
Ich finde den Artikel gut, jedoch sollte man die Stralung nicht als Gesundheitsrisiko kennzeichnen. Selbst das neue 5G hat keinen erheblichen Effekt, darum finde ich das dieser Absatz genzlich entfernt werden sollte. (Quellen die das beweisen wollen sind meiner Meinung nach nicht gerade verstrauenswürdig). Danke für ihre Aufmerksamkeit.
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