Spiel des Monats Juli 2016 

Beschreibung

Das legendäre Adventure "Day of the Tentacle" ist zurück und jetzt auch auf neueren Systemen und Geräten spielbar. Eigentlicher Clou der Neuauflage ist die komplette und gelungene HD-Überarbeitung der Pixelgrafik. Nostalgiker können aber in den alten Modus zurückschalten.

"LucasArts" war einstmals die geniale Spieleschmiede des Star-Wars-Regisseurs George Lucas. Der hat nicht nur sehr früh die künstlerischen Möglichkeiten von Computerspielen erkannt, sondern vor allem auch ihr monetäres Potential. Bei aller Geschäftstüchtigkeit überzeugten die Games vor allem jedoch immer durch ihre exzellente Rätsel-Qualität und ein originelles Storytelling.

Bis heute gelten die alten LucasArts-Adventures als der Maßstab für alle folgenden Produktionen des Genres. Sie waren stets ziemlich verrückt und voller groteskem Humor. Aber kann ein Adventure aus dem Jahr 1993 heute an seinen Kultstatus anknüpfen und bestehen? Oder ist das nur reine Freude an der Nostalgie?

Seltsame Helden

Das Spiel "Day of the Tentacle" erschien damals als Fortsetzung von "Maniac Mansion". In der Geschichte geht es kurz gesagt darum: Ein purpurfarbenes Tentakelwesen schlürft giftige Brühe. Es wird daraufhin vom Größenwahn befallen und strebt die Weltherrschaft an. Eine Zeitreise in die Vergangenheit soll das Schlimmste verhindern.

Soweit zur Story, die in ihrer absurden Ausgestaltung jedem Spieler auch heutzutage noch ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Held Bernard sieht mit Fliege und Brille wie ein Superstreber aus, der ganz gut zur "Big Bang Theory"-TV-Serie passen würde. Hoagie ist ein brummiger Heavy Metal-Fan, dem ständig der dicke Hintern aus der Hose hängt. Und dann wäre da noch die Medizinstudentin Laverne.

Alle drei werden vom tyrannischen Wissenschaftler Dr. Fred Edison in eine Zeitmaschine gesteckt, um das Tentakel aufzuhalten. Leider geht da etwas gehörig schief: Hoagie reist 200 Jahre zurück, Laverne 200 Jahre in die Zukunft. Nur Bernard bleibt in der Gegenwart.

Temporale Paradoxa

Wie bei allen "Point and Click"-Adventures müssen viele Gegenstände eingesammelt werden, die dann auf ihren Einsatz warten. Und das ist in diesem Spiel fast durchgehend absurd: So kann Bernard die Münze für einen Massageautomaten erst dann aus einem Kaugummi lösen und einsetzen, nachdem er einen Schlüssel findet. Er überreicht diesen einem herumschleichenden Autodieb, der ihm daraufhin seine Brechstange schenkt.

Eingriffe in die Vergangenheit verändern zudem auch Gegenwart und Zukunft. Ein Beispiel: Bernard will ein Video ansehen, aber eine lästige Krankenschwester hindert ihn daran. Sobald er sie aus dem Zimmer schubst, hält sie sich an dem Schwert auf der rechten Seite einer Statue fest. Erst wenn die Statue in der Vergangenheit zerstört und stattdessen vom Linkshänder-Bildhauer neu erschaffen wurde, sitzt das Schwert ebenfalls links und die zeternde Krankenschwester verschwindet endlich. Klingt kompliziert, ist kompliziert - und lustig.

Kniffliger geht es kaum

Eine Sache gibt es, die das Spiel zur Königsdisziplin erhebt: Die Helden sammeln alle erdenklichen Dinge nicht nur in ihrem jeweiligen Zeitalter ein, sondern können sich diese Gegenstände mit Hilfe von Toiletten gegenseitig durch die Zeit schicken. Das macht die Rätsel noch kniffliger, denn wann wird was wo und wofür gebraucht?

Außerdem benötigt der Spieler eine wahnsinnige Geduld, weil sich die Lösungen Zeit lassen und so Erfolgserlebnisse sehr lange rausgezögert werden. Genau darin besteht allerdings auch der Spaß. Ebenso in der Kunst des endlosen wie absurden Dialoges. Wer Freude daran hat, kann immer wieder die dümmsten Gesprächsfäden mit Personen aufnehmen, die zwar im Spiel nicht zwingend weiterführen, aber trotzdem großes Vergnügen bereiten.

Zeitloses Vergnügen

"Day of the Tentacle Remastered" ist für mehrere Plattformen erhältlich, neuerdings auch für iPad und iPhone. Die Navigation mit dem iPad ist ähnlich wie am PC, der Spieler tippt auf die Figur und eine Auswahl von Interaktionsmöglicheiten ploppt auf - unter anderem: Sprechen, Nehmen oder Ziehen.

Wer das Original kennt, wird seine helle Freude haben. Und wer "Day of the Tentacle" nie gespielt hat, bekommt ein zeitloses Adventure, das auch nach all den Jahren kaum Staub angesetzt hat. Selbst "Maniac Mansion", das versteckte Spiel im Spiel, ist wie im Original darin enthalten.

Fazit: Grotesk, verrückt, schwer - kurz: Klasse!

TitelDay of the Tentacle Remastered
Erscheinungsjahr2016
Art des SpielsAction & Abenteuer
SpielgerätApps iPad/iPhone, PlayStation 4, PlayStation Vita, PC
getestet aufiPad
Preis in Euro14,99 (iPad/iPhone-Version: 4,99)
Verlag / BildrechteDouble Fine Productions
Freigabe (USK)ab 12 Jahre
Internet-ABC-Altersempfehlung12
Spielspaß
Bedienung
Technische Qualität
Gesamtbewertung
3Bewertungen
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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 05.12.2018]
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