WhatsApp und Datenschutz - worauf muss ich achten?

Welche Probleme ergeben sich bei WhatsApp mit dem Datenschutz? Und was können Sie für sich und Ihre Kinder tun, um Ihre Daten zu schützen?

Welche Datenschutzprobleme ergeben sich?
Schloss

Anders als beim klassischen SMS-Versand, bei dem die Nachricht von einem Handy zum anderen geschickt wird, versendet WhatsApp die Nachrichten über das Internet. Jede Nachricht geht auf dem riesigen, leistungsstarken WhatsApp-Server in den USA ein. Hier werden alle Daten, Nachrichten, Bilder oder Töne zwischengespeichert und an die Empfängergeräte weiterverteilt. 

Dieser Weg war in der Vergangenheit äußerst unsicher, da alle Daten unverschlüsselt verschickt wurden. So war es ein leichtes für Fremde und Hacker, Accounts zu übernehmen, Nachrichten abzufangen oder mitzulesen. Seit 2012 hat das Unternehmen auf Verschlüsselung umgestellt, seit April 2016 auch auf eine "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung".

Das hört sich erst einmal gut an, doch sollte man bedenken, dass dies nur die Nachrichten, die jemand verschickt, betrifft. Der angegebene Name, der Geburtstag, die Telefonnummer, der Status und das Profilbild werden weiterhin gespeichert. Hinzu kommen die so genannten Metadaten: Facebook (Betreiber von WhatsApp) kann weiterhin eine Vielzahl an Daten speichern und verwerten:

  • Wer sendet wem eine Nachricht?
  • Wie häufig und wann kommuniziert jemand mit einem anderen? 
  • Beim Telefonieren über WhatsApp: Telefonnummer, Zeitpunkt des Anrufs, Dauer des Gesprächs.

Hinzu kommt das Auslesen des "Telefonbuchs": Natürlich scheint es komfortabel, wenn WhatsApp automatisch den Abgleich und die Verwaltung der Kontakte übernimmt. Damit verliert der Nutzer aber ein Stück weit die Kontrolle. Selbst Telefonnummern Dritter, die gar kein WhatsApp auf ihrem Handy installiert haben, werden an den Server übertragen.

Wer verhindern will, dass WhatsApp alle im Telefonbuch gespeicherten Nummern regelmäßig zum Abgleich an den WhatsApp-Server sendet und speichert, kann die entsprechende Synchronisations-Funktion abstellen. Der Erst-Abgleich des Telefonbuchs bei Registrierung lässt sich aber nicht umgehen. Allen, die WhatsApp nutzen möchten, bleibt kaum eine andere Wahl.

Weitere Informationen:

Das Kleingedruckte - die AGBs

Über entsprechende AGBs ("Terms of Service") sichert sich auch WhatsApp juristisch ab. Das Kleingedruckte wird nur zu gern überlesen, zumal die AGBs bis dato (Stand: Ende Mai 2014) ausschließlich auf Englisch vorliegen. Nach einer Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen entschied das Landgericht Berlin, dass das Unternehmen eine deutsche Version der AGBs zur Verfügung stellen muss. (Siehe die entsprechende Meldung bei Heise.de.)

Genaueres Hinsehen deckt so manche Überraschung auf, z.B. einen Passus, der festlegt, dass Nutzer die Nutzungsrechte an ihren geposteten Status-Nachrichten abtreten. WhatsApp kann diese z.B. für Werbezwecke frei verwenden und sogar weiterverkaufen. Strittig ist, ob unter diesen Passus auch die verschickten Bilder zählen.

Linktipps:

Focus: Digitale Enteignung der UserWer bei WhatsApp senden drückt, tritt das Bild-Recht ab

Andreas Rickmann: WhatsApp kann mit privaten Chat-Fotos werben? Ein Märchen

Grundregeln für den Gebrauch von WhatsApp

Was kann ich selbst für meine Sicherheit, für Datenschutz und Privatsphäre tun?

Da es keine wirklich sichere Einstellung für WhatsApp gibt, ist das Bewusstsein für eine umsichtige und reflektierte Nutzung das A und O. Persönliche und sensible Daten wie Adressen, Passwörter oder sensible Inhalte wie peinliche oder intime Fotos, Persönliches oder Heikles gar nicht erst verschicken.

Weitere Maßnahmen:

  • Die eigene Telefonnummer geheim halten und nur an bekannte Personen geben.
  • WhatsApp nur über geschützte WLAN-Netze oder über das mobile Internet nutzen.
  • Profilfoto mit Bedacht wählen oder Platzhalterbild stehen lassen.
  • Den Messenger so einstellen, dass andere lediglich Profilbild und Status sehen.
  • Privatsphäre erhöhen: Den Zeitstempel der letzten Online-Aktivität (Online/Zuletzt online) deaktivieren (s.o.).
  • Auf Updates achten und diese regelmäßig durchführen, um alte, von den Betreibern behobene Sicherheitslöcher zu stopfen - und nach dem Update prüfen, ob die selbst gewählten Sicherheitseinstellungen noch stimmen.
  • Mobilfunk-Datentarif prüfen (wieviel Internet-Datentransfer ist in den Kosten enthalten?) und Kosten kontrollieren.
  • Im Ausland Datenroaming deaktivieren.
  • Fremde, Spammer, Mobber, Belästiger blockieren (s.o. "Kontakte blockieren"). Fremde Chatanfragen grundsätzlich gleich blockieren.
  • Mobbing ernst nehmen und angehen: Blockieren, Beweise sichern, sich jemandem anvertrauen.
  • Kettenbriefe löschen und keine Beachtung schenken.
  • Sich nicht unter Druck setzen lassen und auch mal pausieren.
  • Alternativen prüfen, ausprobieren und andere davon überzeugen.

Die Einstellungen des Messengers und seiner Funktionalitäten unterscheiden sich je nach Handy bzw. Betriebssystem. Machen Sie sich mit den jeweiligen Möglichkeiten und Einstellungen Ihres Handys vertraut.

Linktipp:

Saferinternet.at: Anleitungen im Überblick (PDF): Leitfaden "Sicher unterwegs in WhatsApp"

Alternativen zu WhatsApp

Alternativen zu benennen reicht genau genommen nicht aus, nützt es doch wenig, wenn der gesamte Freundeskreis sich auf einen Messenger wie WhatsApp eingeschworen hat. Eine Alternative kann nur funktionieren, wenn Freunde, Bekannte oder Kollegen mitziehen. Den Versuch, die anderen mit Datenschutzargumenten von einem sichereren Handy-Messenger zu überzeugen, ist es allemal wert. 

Doch auch einige der alternativen Messenger stehen in der Kritik, wenn es um Datenschutz geht. Andere sind datenschutzkonform, haben aber im Vergleich zu WhatsApp eingeschränktere Funktionalitäten.

Die Stiftung Datenschutz hat im August 2015 jeweils neun Messenger für Android und iOS getestet. Gefragt wurde u.a.: 

  • Gibt es eine "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung" (die verschickte Nachricht wird beim Absender verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt)?
  • Werden für die Nutzung des Messengers persönliche Daten wie Name, Rufnummer oder E-Mail-Adresse abgefragt?
  • Liest die Messenger-App automatisch das Adressbuch aus? 

WhatsApp und Facebook schnitten besonders bezüglich des Themas "Umgang mit persönlichen Daten" nicht gut ab und besitzen zudem keine gute Verschlüsselung. Deutlich besser aufgestellt zeigten sich die deutsche App Hoccer sowie Threema und ChatSecure (jeweils für beide Betriebssysteme).

Weitere Informationen:


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1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 28.08.2019]


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F.S. 27.08.2019 20:58
Der Artikel scheint mir leider wahnsinnig veraltet
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