Eignet sich Instagram bereits für Kinder?

Alter, Gefahren, Urheber- und Persönlichkeitsrecht – ein Überblick

Zwei Mädchen am Smartphone; Bild: VOX/Völkner
Zwei Mädchen am Smartphone; Bild: VOX/Völkner

"Instagram ist so cool! Da sehe ich, was mein Lieblingssänger jeden Tag so macht!"

"Es gibt bei Instagram so viele Bilder, die nichts für Kinder sind."

"Wenn ich nur Fotostorys poste, löschen die sich doch sowieso von selbst!"

Schon längst hat die App Instagram andere Soziale Netzwerke weit hinter sich gelassen. Sowohl Erwachsene als auch Jugendliche und teilweise schon Kinder nutzen die App: Sie zeigen Fotos und kurze Videoclips aus ihrem Leben, tauschen sich mit anderen darüber aus und schauen sich wiederum Fotos von anderen an.

Doch eignet sich die App wirklich schon für Kinder?


Die wichtigsten Fragen zum Thema "Kinder und Instagram"

Was ist überhaupt Instagram und warum ist es so beliebt?

Instagram ist eine App, mit der man Fotos und kurze Videos aufnehmen und veröffentlichen kann: Alltägliche Fotos und Videos vom Haustier, von der letzten Party, Gruppenfotos mit Freundinnen und Freunden. Diese Bilder können andere anschauen, liken und kommentieren. Und sie können dem Ersteller der Bilder oder Videos auch folgen: Als Follower werden sie dann immer benachrichtigt, wenn neue Beiträge desjenigen vorliegen.

Bei vielen Nutzerinnen und Nutzern steht das Sich-Präsentieren im Vordergrund. Und gerade das macht Instagram für Jüngere interessant: Sie wollen schauen, wie sie ankommen, wie beliebt sie sind, wie andere auf sie reagieren. Und daher gilt es als attraktiv, viele Follower und viele Likes zu haben. Kurz: Die App ist für die Heranwachsenden ein Mittel zur Selbstfindung – auch wenn die Bilder oftmals "geschönt" sind.

Fotos und Videos sind dauerhaft im Profil zu sehen. Zusätzlich kann man auch sogenannte Storys posten, die sich aus mehreren Fotos oder kurzen Videoclips zusammensetzen. Das Besondere an den Storys ist, dass sie sich nach 24 Stunden automatisch löschen.

Außerdem können mit der App Instagram auch Nachrichten verschickt und empfangen werden.

Ab welchem Alter darf mein Kind Instagram nutzen?

Laut Nutzungsbedingungen der Betreiber darf man sich ab einem Alter von 13 Jahren bei Instagram anmelden. Die App Stores geben ein Alter von 12 Jahren an. Tatsächlich können sich auch Jüngere anmelden: Das Alter wird nicht überprüft.

Kinder unter 13 Jahren sollten im Normalfall Instagram nicht nutzen. Natürlich müssen die Eltern individuell entscheiden, denn jedes Kind ist anders. Aber: Die Gefahren und Stolpersteine sind für Kinder schon recht groß (siehe den nächsten Abschnitt). 

Vielleicht bietet sich folgender Weg an: Ist die Tochter oder der Sohn jünger, kann vielleicht ein Familienprofil als Einstieg eingerichtet werden, bevor das Kind ein eigenes Profil bekommt. Oder das Kind erhält ein eigenes Profil, muss aber einwilligen, dass die Eltern jederzeit zusammen mit dem Kind einen Blick auf die Aktivitäten werfen dürfen. 

Wichtig ist, immer im Gespräch zu bleiben, um Fragen, Ängste und Unsicherheiten des Kindes mitzubekommen und gemeinsam zu klären.

Welche Gefahren birgt die Nutzung von Instagram? Was kann meinem Kind passieren?

Es bestehen hauptsächlich folgende Gefahren, wenn jüngere Kinder und Jugendliche Instagram nutzen:

  • Sie treffen auf Bildmaterial, das nicht für sie geeignet ist, zum Beispiel Fotos mit sexuellem oder gewaltverherrlichendem Inhalt. Die Betreiber bemühen sich zwar, die Plattform frei von solchen Inhalten zu halten. Das gelingt aber nicht immer oder aber die Grenze ist manchmal fließend.
  • Wer Instagram nutzt, sollte wissen, dass nur Fotos und Videos veröffentlicht werden dürfen, die man selbst gemacht hat. Ansonsten wird das Urheberrecht von anderen verletzt. Das kann zu hohen Geldstrafen führen.
  • Auch das Recht am eigenen Bild muss beachtet werden, wenn Fotos oder Videos Personen zeigen, die nicht damit einverstanden sind.
  • Kinder können oft nicht nachvollziehen, was mit ihren Beiträgen geschehen kann. Sie posten ohne Hintergedanken unvorteilhafte Fotos, Videos oder Storys von sich oder anderen, so dass es zu Beleidigungen oder gar Mobbing kommen kann. Davor schützt auch nicht die automatische Löschung der Storys nach 24 Stunden: Beim Ansehen der Story können Screenshots erstellt und weiterverbreitet werden.
  • Unbekannte Personen können Kontakt zu dem Kind aufnehmen – und nicht alle tun dies mit guten oder harmlosen Absichten.
Gibt es Sicherheitseinstellungen, die die Nutzung von Instagram sicherer machen?

Ja, es gibt verschiedene Einstellungen. Das Konto des Kindes kann zum Beispiel auf "privat" gestellt werden: Personen, die sich den Account des Kindes anschauen wollen, müssen dafür zuerst eine Anfrage stellen und die Erlaubnis erhalten. Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind nur Anfragen von Freunden und Bekannten annimmt, die es persönlich kennt und denen es vertraut.

Allerdings werden Kinder von diesen Maßnahmen nicht begeistert sein: Die Anzahl der Likes wird dadurch sehr übersichtlich bleiben. Trotzdem sollten junge Anfänger zunächst in einem solchen, etwas sichereren Rahmen üben.

Es gibt noch weitere Funktionen, die das Kind kennen sollte: Follower können entfernt werden und auch, wer Beiträge kommentieren darf, kann man festlegen.

Aber Achtung:

  • Kinder können die Privat-Einstellung rückgängig machen. Es gibt keine Möglichkeit für Eltern, diese Funktion zum Beispiel mit einem Passwort zu sperren.
  • Kinder können über den Messenger (Instagram Direct) direkt angeschrieben werden. Die "Privat-Einstellung" verhindert dies nicht. Allerdings muss das Öffnen einer Nachricht bestätigt werden.

Fotos posten, Fotos liken, Fotos kommentieren – und dabei gemeinsam lernen!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Lernmodule des Internet-ABC

Kinder – und oft genug auch Erwachsene – wissen oft gar nicht, was mit Texten, Bildern und Videos geschehen kann, die über eine App oder eine Internetseite online gestellt werden. Zwei Lernmodule des Internet-ABC erklären einfach und verständlich den Umgang mit diesen Medien – was Urheberrechte sind, was bei eigenen und fremden Beiträgen oder Werken zu beachten ist usw. Auch auf Instagram und Snapchat wird näher eingegangen:

Mediennutzungsvertrag

Über diese Module können Eltern mit ihren Kindern ins Gespräch kommen, Vor- und Nachteile einzelner Medien besprechen und vielleicht auch Regeln aufstellen. Prima eignet sich dafür ein Werkzeug zur Erstellung eines kleinen Vertrags:


Zahlen und Fakten zu Instagram

Nach einer großen Studie (JIM-Studie 2018) nutzen 12- bis 13-Jährige mindestens mehrmals die Woche

  • WhatsApp (89 Prozent der 12- bis 13-Jährigen),
  • Instagram (58 Prozent),
  • Snapchat (41 Prozent) und
  • Facebook (4 Prozent).

Instagram ist vor allem bei Mädchen sehr beliebt. Die App wird vor allem für "Privates" genutzt: Die Kinder und Jugendlichen folgen hauptsächlich Personen, die sie persönlich kennen, schauen sich deren Bilder und Videos an und kommentieren diese.

Das Einstiegsalter ist in den meisten Fällen 12 oder 13 Jahre: Laut einer weiteren Studie (KIM-Studie 2018) erlauben Eltern diese App durchschnittlich mit 13 Jahren. Die steigende Beliebtheit in dieser Altersgruppe bewirkt allerdings auch, dass immer mehr jüngere Kinder Instagram nutzen wollen und dies zum Teil auch dürfen.


Checkliste für Eltern und Kinder

  • Die ersten Schritte bei Instagram werden grundsätzlich zusammen gemacht: von dem Anlegen eines Profils, über die Einstellungen bis hin zu den ersten Kontakten, Likes und Kommentaren.
  • Regeln für die Nutzung besprechen Eltern und Kind gemeinsam. Die Regeln sollten klar und nachvollziehbar sein. Dies betrifft besonders die Inhalte, die Häufigkeit der Nutzung und Freundschaftsanfragen.
  • Egal ob Familienprofil oder eigenes Profil: Die Privatsphäre sollte auf jeden Fall in den Einstellungen der App aktiviert werden. Somit wird gewährleistet, dass Fremde nicht ohne Erlaubnis Zugriff auf Fotos und Daten haben.
  • Um Nutzer zu schützen, bietet Instagram verschiedene Melde- und Blockademöglichkeiten an. Inhalte und Profile können gemeldet, Profile außerdem blockiert werden. Eltern sollten diese Möglichkeiten kennen und mit ihren Kindern darüber sprechen.
  • Falls die Eltern selbst Instagram nutzen, sollten sie gute Vorbilder sein, was Nutzungsdauer und die Veröffentlichung von Bildmaterial angeht.
  • Mit dem Kind sollte nachdrücklich über unüberlegtes Posten gesprochen werden. Das Kind kann Verhaltensregeln dann besser nachvollziehen, wenn offen über Cybermobbing geredet wird und Eltern sich als Ansprechpartner zur Verfügung stellen.
  • Eltern sollten sich gemeinsam mit ihrem Kind verschiedene Profile anschauen: Wie kalkuliert entsteht ein Schnappschuss bei Stars wirklich? Wie viel ist inszeniert? Wie viel Bildbearbeitung steckt dahinter? Werden unauffällig bestimmte Produkte beworben?

Hilfreiche Angebote im Internet

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2 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 04.10.2019]


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Nicole 12.09.2019 17:34
Habe als Nichtnutzer und Mutter einer 12 jährigen einen guten Einblick erhalten
Marion L. 21.08.2019 23:14
Sehr aufschlussreich
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