Instagram - die App der Online-Jugend

Kinder am Smartphone; Bild: VOX/Völkner
Kinder am Smartphone; Bild: VOX/Völkner

Medienerziehung und Medienbildung in der Familie zwingen Eltern dazu, sich auch mit medialen Phänomen auseinanderzusetzen, die jenseits der eigenen Mediennutzung liegen. Während in der Vergangenheit bei Grundschulkindern meist die Nutzungsdauer des Fernsehprogramms oder der Konsolenspiele reglementiert werden musste, so sind heute die Angebote an mobilen Anwendungen äußerst vielfältig und schwer zu überwachen.

Besonders die Reglementierung bei der App-Nutzung ist sehr aufwendig: Ab welchem Alter darf mein Kind eigenständig Apps downloaden? Welche Spiele-Genre sind geeignet? Wie lang soll die Nutzungsdauer sein? Ist das Versenden von Dateien erlaubt? Welche Inhalte dürfen geteilt werden? Für Eltern sind die Antworten auf diese Fragen nicht immer einfach und der Überblick geht schnell verloren. Aber bereits bei so manchen Kindern im Grundschulalter sind Apps populär, bei denen sich genau diese Fragen stellen. Die Foto-App Instagram ist so eine App!

Lange hatte Facebook aus Sicht vieler Kinder eine Schlüsselloch-Funktion in die Online-Welt von Jugendlichen inne - das Soziales Netzwerk lag in der Mediennutzung ungeschlagen an der Spitze. Mittlerweile wird Facebook durch neue Dienste wie Instagram abgelöst. Instagramm zählte bereits 2010 eine Millionen Nutzer. 2015 gibt es laut Anbieter bereits 300 Millionen monatlich aktive Instagramer, die täglich im Schnitt 70 Millionen Fotos hochladen und 2,5 Milliarden Likes vergeben.

Auch laut JIM-Studie 2014 sind Foto-Apps und Bildbearbeitungsprogramme zu den wichtigsten Assistenten auf den mobilen Geräten geworden. Auf die Frage "Welche Dienste nutzt ihr regelmäßig?" haben Jugendliche in Jugend-Projekten des "SIN - Studio im Netz" deutlich für YouTube und WhatsApp gestimmt, gefolgt von Instagram und Snapchat. 

Was kann die App? 

Instagram ist eine kostenlose App mit der USK-Freigabe ab 12 Jahren. Beim Download der App aus dem Playstore werden auch jungen Nutzern die Zugriffe aufgezeigt: Bei Installation auf das eigene Gerät wird dem Zugriff auf die Identität, die gespeicherten Kontakte, den Standort, die Foto- bzw. Video-Dateien, die Kamera und das Mikrofon gewährt. Eine Altersabfrage wird von Seiten des Anbieters jedoch nicht gemacht, auch Kindern unter 12 Jahren wird der Download nicht verwehrt.

Die App bietet den Nutzern unterschiedlichste Filter an, mit denen kinderleicht visuelle Effekte über die Fotos und Videos gezaubert werden können Manche Filter erinnern an überbelichtete Aufnahmen oder Polaroids. Instagram etabliert mit der Gestaltungsoption einen Retrotrend, der durch das quadratische Format und die Wahl der Filter einen hohen Wiedererkennungseffekt hat und Fotos wie Videos in einer typischen Ästhetik erscheinen lässt. Ganze „Kunst-Szenen“ haben sich als Instagram-Netzwerke entwickelt und zeigen Bilder, die in Aussage und Machart hohen Ansprüchen nachkommen.

Auch gesellschaftliche Themen finden auf Instagram Platz, so dass aus der Perspektive einiger Erwachsener hier von einem kulturellen Phänomen von großer Bedeutung gesprochen wird. Eine Kehrseite ist jedoch die Produktplatzierungen der Instagram-Stars und eine fehlende oder unzureichende Reflexion der Kinder und Jugendlichen zu den Inhalten.

Funktionsweise - Bekanntes in neuem Gewand

Die Ähnlichkeiten zum Kurznachrichtendienst Twitter sind schnell benannt: teilen, markieren, liken, kommentieren und folgen. Auch das Hashtag taucht wieder auf. Mit der bekannten Raute (#) können Nutzer ihre Stichworte bewusst setzen und damit besser auffindbar machen.

Das Hashtag ermöglicht das Erstellen ganzer Themenwelten bei Instagram. #selfie ist vermutlich eine der häufigsten Hashtag-Kategorien. Instagram ist die Selfie-Plattform schlechthin. Mit dem Selbstportrait ist inzwischen zu ein neues Fotogenre entstanden und dient dem Zweck der Selbstdarstellung im Internet.

Tipps zum sicheren Umgang

  1. Legen Sie ggf. ein Benutzerkonto für die ganze Familie an. Grundschulkinder benötigen in keinem Fall ein eigenes Konto. 
  2. Prüfen Sie die Sicherheitseinstellungen. 
  3. Datenschutz: Instagram hat sich nicht verpflichtet, bestimmte Inhalte zu entfernen: "Instagram ist nicht verpflichtet, irgendwelche Inhalte vorab zu prüfen, zu überwachen, zu bearbeiten oder zu entfernen." Postings sollten immer vorab geprüft werden, da Inhalte nur schwer wieder aus dem Netz entfernt werden können.
  4. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über unüberlegtes Posten. Ihr Kind kann Verhaltensregeln dann besser nachvollziehen, wenn Sie offen über Cybermobbing sprechen und sich als Ansprechpartner zur Verfügung stellen.
  5. Schauen Sie sich Postings mal gemeinsam an und regen Sie die Reflexion an: Wie kalkuliert entsteht ein Schnappschuss bei Stars wirklich? Geben Sie Ihrem Kind Impulse, Inszenierungen, digitale Bildbearbeitung und Produktplatzierungen kritisch aufzuspüren.
  6. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind klare Regeln für die Nutzung der App. Dies betrifft besonders die Inhalte, die Häufigkeit und Freundschaftsanfragen. 
  7. Handyfreie Zeiten und Zonen: Besprechen und beschließen Sie, wann das Handy ausgeschaltet wird.

Bedenken Sie: Kinder und Jugendliche haben mit der Instagram sehr einfach und schnell die Möglichkeit in Interaktion mit anderen zu gehen. Durch das Nutzen von Tags (#schule, #love, #fun) und "@-Erwähnungen" können sie recht schnell und direkt korrespondieren. Besonders das Hochladen und Posten von Bildern (ver-)führt zu einem Warten auf Feedback durch Dritte - "geliket" zu werden und Aufmerksamkeit durch die Klicks der Follower zu bekommen sind die Ziele.

Auf diese Weise kann eine Nutzungsspirale entstehen, indem Kinder und Jugendliche für das Erhalten von Likes sich selbst immer drastischer darstellen. Zudem sind über das Setzen von Tags und die Ortungsfunktion andere Nutzer in der Lage, den genauen Aufenthaltsort auszumachen. Wer seine Privatsphäre nicht aktiv schützt, zeigt die geposteten Bilder öffentlich und damit für jedermann kopierbar.

Kinder können diese umfangreichen Gefahren alleine nicht beherrschen und benötigen Unterstützung und feste Regeln bei der Nutzung dieser App. Generell ist zu prüfen, ob Sie ihr Kind von dieser Mediennutzung nicht generell noch fernhalten sollten.

9 Bewertungen
3 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 06.11.2017]


Diesen Artikel bewerten
absenden
marleen 05.11.2017 13:31
instagram IST cool ihr dummen
maria 29.10.2017 08:48
Es ist total der hammer
olaf 20.02.2017 12:08
ich finde das voll cool :D
Fragen?
Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Internet-ABC oder zu einzelnen Themen und Materialien? Wir helfen Ihnen gerne weiter! ​
button-icon
Abschicken
button-icon
E-Mail schreiben