Wie lange ...? - Die Zeit des Kindes vor dem Bildschirm

Wie lange darf ein Kind am Computer sitzen? Was kann ich tun, wenn der Nachwuchs stundenlang vor dem PC sitzen möchte? Wie hoch ist die Gefahr, vom Internet abhängig zu werden? Das Internet-ABC bietet nachfolgend Antworten zu diesen Fragen.

Wie lange darf ein Kind am Computer sitzen?
Uhr; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell
Wie lange ...? - Die Zeit des Kindes vor dem Bildschirm

Beim Spielen vergessen viele Kinder (und im Übrigen auch viele Erwachsene) die Zeit. Wenn etwas spannend oder interessant ist, finden sie scheinbar kein Ende. Dies passiert beim Fußballspielen ebenso wie beim Spielen an Computer und Konsole, an Tablet oder Smartphone. Dieses Spielen hat, ähnlich wie das Fernsehen, jedoch den Nachteil, dass man körperlich wenig bis keine eigenen Leistungen vollbringen muss. Zudem befinden sich gerade jüngere Kinder noch in einer Phase, da sie ihre Sinne und ihre Fingerfertigkeiten trainieren.

Aus diesem Grund empfiehlt das Internet-ABC folgende Richtzeiten:

  • Kinder unter 6 Jahren sollten nicht mehr als 30 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm verbringen.
  • Kinder zwischen 6 und 9 Jahren sollten 30 bis 60 Minuten Bildschirmzeit zur Verfügung stehen.
  • Für Kinder zwischen 10 und 13 Jahren werden 60 bis 90 Minuten als Obergrenze empfohlen.

Dies sind, wie gesagt, Richtwerte. Je nach Neigungen, Interessen und nach der Auffassungsgabe des einzelnen Kindes sollten Eltern diese Grenzen flexibel behandeln. Wenn Kinder aus Interesse, Begeisterung und Spaß auch schon mal eine oder zwei Stunden vor dem Computer verbringen, ist das keine Katastrophe. Erst recht nicht, wenn sie das gemeinsam mit Freunden tun.

Als praktisch erweist sich dabei, gerade bei etwas älteren Kindern, ein "Wochenbudget": Erlauben Sie Ihrem Nachwuchs eine bestimmte Anzahl an Stunden, die es in einer Woche am Computer verbringen darf. So hat die Tochter oder der Sohn die Möglichkeit, sich ein paar Stunden für ein bestimmtes Spiel aufzusparen - um am Wochenende ausgiebiger spielen zu können. Gerade Adventure- und Rollenspiele benötigen oft eine etwas längere "Einarbeitungsphase" bzw. etwas mehr Zeit, um einen bestimmten Spielabschnitt (Level) zu schaffen, als es das Tagesbudget zulässt.

Überlegen Sie auch, ob Sie das Recherchieren für die Schule im Internet zu der Bildschirmzeit hinzuzählen.  

Problematisch wird es, wenn Kinder Tag für Tag Stunden am Computer (oder vor dem Fernseher) verbringen. Dann sollten sich Eltern ernsthaft die Frage stellen, warum das so ist, und Alternativen zur Freizeitgestaltung anbieten.

Was kann ich tun, wenn der Nachwuchs stundenlang vor dem PC sitzen möchte?

Versuchen Sie gemeinsam eine Lösung zu finden: Stellen Sie klare Regeln auf, aber bieten Sie Ihrem Nachwuchs auch interessante Alternativen an, wie beispielsweise Sportverein, Musikunterricht oder regelmäßige gemeinsame Aktivitäten. Gehen Sie auf die Interessen Ihres Kindes ein. 

Dazu können Sie mit Ihren Kindern einen Vertrag aushandeln, der die Bildschirmzeit regelt und dem Nachwuchs gleichzeitig einen Anreiz bietet, sich an die Vereinbarungen zu halten. Auch vor der Neuanschaffung eines Computers sollten Sie diesbezügliche Vereinbarungen treffen.

Wenn sich der Nachwuchs nicht an die Regeln hält, kann eine technische Lösung helfen: Dafür ist ein eigenes Benutzerkonto für das Kind Voraussetzung (dies ist ohnehin zu empfehlen, sobald Kinder und Jugendliche den Computer selbständig nutzen). Über ein Administrator-Benutzerkonto können Sie das Benutzerkonto des Kindes anlegen und verwalten: Es lassen sich Internetfilter, Zeitkontingente sowie die vom Kind nutzbaren Programme einrichten.

Die Zeitkonten sollten möglichst flexibel sein. Beispielsweise ist es sinnvoll, statt festen Tageszeiten eine frei einteilbare Wochenstundenzahl zu vereinbaren. So können die Jugendlichen sich ihre Bildschirmzeit ansparen und beispielsweise am Wochenende länger "zocken".

Wie hoch ist die Gefahr, vom Internet abhängig zu werden?

Darüber streiten die Experten. Wie hoch ist die Suchtgefahr bei Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen? Entscheidend sind die Disposition des Einzelnen und der Umgang mit Suchtgefahren in der Familie und im Umfeld. Es kann verlockend sein, sich in das virtuelle Leben zurückzuziehen, wenn das reale mit Problemen behaftet ist. Als gefährdet gelten depressive Menschen, Einzelgänger und männliche Surfer unter 18 Jahren, die sich vor dem Druck des Alltags in virtuelle Welten flüchten. 

Eine klare Definition, ab wann man tatsächlich "internetsüchtig" ist, ist schwierig. Experten warnen aber davor, allein das Kriterium "Zeit" als Grundlage für eine Onlinesucht zu nehmen. Eine echte Sucht kennzeichnet sich durch viele weitere Merkmale aus, wie z.B. Entzugserscheinungen und Kontrollverlust.

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Edwin 01.10.2017 23:06
Diese Information war mir hilfreich, danke.
Weber 01.08.2016 17:04
guter Artikel
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