Kinder und Datenschutz

Junge versteckt vor einem Notebook. Bild: Mira Mikosch
Junge versteckt vor einem Notebook. Bild: Mira Mikosch

"Was bedeutet Datenschutz eigentlich konkret für meine Familie, für mich und mein Kind?“

"Datenschutz ist so abstrakt, wie kann ich das meinem Kind erklären?"

"Das Thema Datenschutz wird viel zu hoch bewertet. Was ist schon dabei? Alle nutzen das Internet, WhatsApp, Facebook oder Apps!"

Alle reden vom Datenschutz und wie wichtig es sei, seine Daten zu schützen. Als Eltern tragen Sie Sorge für den Schutz der Daten Ihres Kindes. Ihr Kind wächst in eine digitale Welt hinein, in der es wichtig ist, zu wissen, wie man auf seine Daten achtet. Doch scheint das Thema Datenschutz abstrakt und undurchsichtig. Wo setzt man an, was vermittelt man seinem Kind? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Die wichtigsten Fragen zum Thema "Kinder und Datenschutz"

Wo gibt ein Kind eigentlich Daten ab?

Die Online-Welt ist zu großen Teilen darauf ausgelegt, möglichst viele Daten zu erfassen - um nutzerfreundlicher zu werden, aber vor allem auch, um Geld zu verdienen.

Daten, die direkt abgefragt und wissentlich eingegeben werden

In direkter Ansprache werden Kinder aufgefordert persönliche Daten einzugeben, zum Beispiel bei Anmeldungen oder Gewinnspielen. Sie sollen ihren Namen, Adresse, E-Mail, Alter, Telefonnummer, Hobbys oder Vorlieben eintragen. Zu diesen offensichtlich abgegebenen Daten zählen auch alle Postings: Beiträge, Fotos oder Videos, die in Chats, Messengern wie WhatsApp, Netzwerken und Mitmachangeboten gesendet werden.

Daten, die im Hintergrund unbemerkt erfasst und hinterlassen werden

Beim Surfen, bei Facebook oder beim Spielen von Apps werden Nutzerdaten gesammelt: die Anzahl und Dauer der Besuche, einzelne Seitenaufrufe und vieles weitere. Auch Standorte lassen sich erfassen und auswerten. Für Kinder und viele Erwachsene geschieht das meist unbemerkt. 

Auch viele Spiele-Apps gehen leider nicht sorgsam mit den Kinderdaten um. Es werden Daten übertragen, die für das Spiel gar nicht notwendig sind. Selbst bekannte Spiele, wie zum Beispiel "Pokémon Go" oder "Minecraft", erheben mehr Daten als nötig – und geben diese an Werbenetzwerke weiter. Aus Datenschutzsicht ist das sehr bedenklich.

Mein Kind soll vorsichtig sein mit seinen Daten – wie bringe ich ihm das bei?

Privat und öffentlich

Erklären Sie Ihrem Kind zunächst den Unterschied zwischen privat und öffentlich: Das Private ist das Eigene, das, was nicht alle wissen sollen oder dürfen über mich. Öffentlich sind die Dinge, die alle Menschen über mich erfahren können.

Fragen Sie Ihr Kind, was es auf einem öffentlichen Platz über sich verraten würde. Hat es Bedenken zu erzählen, was oder wen es besonders mag? Oder wann es traurig ist, wann nachdenklich? Zeigen Sie Ihrem Kind, dass das Internet wie dieser öffentliche Platz ist: Nicht immer bekommen alle alles mit, was das Kind über sich erzählt. Aber es gibt Personen, die das Gesagte weitergeben. Und so können sich auch Texte, Bilder und Videos im Internet verbreiten – und mehr Menschen zugänglich werden, als man eigentlich vorhatte.

Persönliche Daten

Nachname, Adresse, Telefonnummer, die Schule – alles, was Rückschlüsse auf eine Person zulässt, geht nicht jeden etwas an. Sind diese Daten einmal verschickt oder im Internet veröffentlicht, können auch Fremde auf sie zugreifen. Sie wissen dann, wer hinter einer persönlichen Äußerung oder einem vielleicht etwas peinlichen Bild steckt – und nutzen dies zum Nachteil des Kindes aus. Der Datenschutz betrifft also auch das Kind selbst. Das sollte ihm klar sein! 

Hinzu kommt: Es ist fast unmöglich, die Daten wieder ganz aus dem Internet zu nehmen – das Internet hat ein langes Gedächtnis! Auch wenn das Kind ein Video wieder löscht, kann es sein, dass andere das Video schon kopiert haben und es woanders wieder zeigen.

Regeln 

Verabreden Sie Regeln. Die Eingabe persönlicher Daten sollte - wenn überhaupt - nur nach Absprache mit Ihnen erfolgen. Erklären Sie, warum das wichtig ist und welche Folgen es haben kann, zu freigiebig mit seinen Daten umzugehen. 

Vorbild sein

Welche Dienste nutzen Sie selbst? Welche Daten veröffentlichen Sie wo und wie? Gerade Facebook und WhatsApp sehen Datenschützer kritisch. Wie Sie selbst mit Ihren persönlichen Daten im Internet umgehen, zeigt Ihrem Kind, wie es sich am besten verhält. Leben Sie den verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten vor – und erklären Sie ihrem Kind, warum sie das tun.  

Wie kann das Kind vermeiden, dass andere an seine Daten kommen?

Einstellungen und Berechtigungen

Viele Apps erfassen einzelne Daten, zum Beispiel den Standort des Spielers oder die Einträge aus dem Adressbuch. Für manche Apps sind diese Daten auch notwendig – aber für viele auch nicht. Achten Sie darauf vor dem Herunterladen der App. Möchte Ihr Kind Facebook, TikTok oder andere soziale Dienste nutzen (bitte auf das Mindestalter achten!), sollten die Einstellungen weitestgehend auf "privat" stehen. Das verhindert zumindest halbwegs den Kontakt zu Fremden.

Passwörter  

Mit einem guten Passwort kann verhindert werden, dass Fremde auf persönliche Daten zugreifen können. Passwörter sollten mindestens 8-stellig sein und aus einer Mischung aus Groß- und Kleinschreibung, Ziffern und Sonderzeichen bestehen. Sie sollten zudem regelmäßig geändert werden.

Hier können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Sicherheit eines Passworts prüfen bzw. ein sicheres Passwort erstellen:

Bewusste Auswahl der Angebote

Kaum jemand kann den Aufwand leisten, jede App mitsamt ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau zu prüfen. Greifen Sie daher auf kindgerechte, hochwertige und vertrauenswürdige Spiele und Angebote im Netz zurück. Für die Auswahl neuer und unbekannter Angebote ziehen Sie die Empfehlungen von Bewertungsdiensten hinzu (Linktipps unten). 

Viele beliebte Apps gehen leider nicht sehr sorgsam mit den Daten der Nutzer um. Diskutieren sie daher gemeinsam die Vor- und Nachteile. Klären Sie darüber auf, wo bedenkliche Aspekte sind, damit zumindest ein Bewusstsein für den Datenschutz entsteht und Ihr Kind nicht unbedarft und naiv Eingaben tätigt. 

Was kann ich tun, wenn persönliche Daten meines Kindes im Netz verbreitet worden sind?

Finden Sie heraus, wer die Daten, seien es Texte oder Fotos, veröffentlicht hat. Nehmen Sie Kontakt zu dieser Person auf und bitten Sie darum, die Inhalte zu löschen. Zeigt die Person keine Einsicht, informieren Sie den Anbieter der Seite oder des Netzwerks.

Bei Anbietern mit Sitz in Deutschland

Verlangen Sie, dass die Daten gelöscht werden. Hat der Anbieter seinen Sitz in Deutschland, ist er rechtlich dazu verpflichtet. Kontaktieren Sie den Anbieter. Die Adresse finden Sie in der Datenschutzerklärung, im Impressum oder über denic.de oder Whois.net. Schildern Sie den Vorfall und bitten Sie um Löschung der Daten.

Bei Anbietern mit Sitz im Ausland

Versuchen Sie das oben beschriebene Vorgehen. Jedoch ist der Anbieter rechtlich nicht zur Löschung verpflichtet. Daher kann es sehr schwierig sein, Inhalte sperren oder löschen zu lassen. Holen Sie Rat und Hilfe bei den öffentlichen Beratungsstellen (Datenschutzaufsichtsbehörden, Verbraucherzentralen). In extremen Fällen können Spezialisten oder Rechtsanwälte beauftragt werden.

(Beachten Sie zu dieser Frage auch die folgende Checkliste!)


Checkliste für Kinder und Eltern: Erste Hilfe bei Datenmissbrauch

Was können wir gemeinsam tun, wenn Daten missbraucht wurden?

  • Ich (das Kind) gebe meinen Eltern Bescheid.
  • Wir finden gemeinsam heraus, wer die Daten, die Infos, die Bilder oder Videos veröffentlicht hat.
  • Wir nehmen Kontakt zu dieser Person auf und bitten sie darum, die Inhalte zu löschen.
  • Zeigt die Person keine Einsicht, informieren wir den Anbieter der Seite. Wir schildern ihm den Vorfall und bitten, die Dinge zu löschen.
  • Gibt es in Netzwerken extra Buttons zum Melden, nutzen wir diese.
  • Tauchen in den großen Suchmaschinen falsche oder gemeine Dinge über mich auf, können meine Eltern einen Löschantrag stellen ("Recht auf Vergessen").
  • Nützt alles nichts, können meine Eltern sich an offizielle Stellen wenden, zum Beispiel an die Datenschutzbeauftragten der Länder oder an die Polizei.

Datenschutz – gemeinsam lernen!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Damit Ihr Kind auf seine Daten achtet, braucht es ein Verständnis darüber,

  • was Daten sind und was sie über einen Menschen verraten,
  • warum es wichtig ist, diese Daten für sich zu behalten und zu schützen,
  • was der Unterschied zwischen "privat" und "öffentlich" ist,
  • was das Kind niemals im Internet über sich verraten sollte und
  • wo es im Internet Spuren hinterlässt.

Diesen Fragen können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nachgehen: im Lernmodul zum Thema "Datenschutz". 

Regeln spielerisch im Vertrag festhalten

... das funktioniert gut mit einem Mediennutzungsvertrag zwischen Eltern und Kindern:


Zahlen und Fakten zum Thema "Datenschutz"

Die KIM-Studie von 2016 fragte Kinder zwischen 6 und 13 Jahren: Hast du im Internet (in einer Community wie Facebook oder einem anderen Angebot) schon einmal Fotos oder Filme von dir oder von Freunden oder der Familie, deine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer hinterlassen?

  • Fast 60 Prozent verneinten dies.
  • 32 Prozent hatten schon einmal ein Foto oder ein Video von sich hochgeladen, bei den älteren (12 bis 13 Jahre) waren dies 50 Prozent.
  • Ihre Telefon- oder Handynummer hatten nur 2 Prozent der 10- bis 11-Jährigen und 11 Prozent der 12- bis 13-Jährigen im Internet verraten. 

(KIM-Studie 2016 – Kindheit, Internet, Medien, hrsg. vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Süswest, S. 65f.)



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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 08.07.2019]


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