Wie lange darf das Kind vor dem Bildschirm sitzen?

Fernseher, Computer, Tablet, Spielkonsole, Smartphone - Kinder und die Medienzeit

Junge am Tablet und Uhr; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell
Junge am Tablet und Uhr; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell

"Mein Kind findet kein Ende am Bildschirm. Und dann gibt es ständig Streit."

"Ist doch super, wenn das Kind mit Begeisterung spielt – auch wenn es am Bildschirm ist."

"Die Kinder wissen doch heute gar nichts mehr mit sich anzufangen – hängen nur vor dem Bildschirm."

Kinder sind gern am Bildschirm – sie spielen, erkunden digitale Welten, chatten. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug. Meist möchten Kinder mehr Medienzeit, als ihren Eltern lieb ist. Aber warum ist das eigentlich so? Welche Folgen kann ein Zuviel an Zeit vor dem Bildschirm haben? Wie viel Bildschirmzeit ist gut für mein Kind? Und wie vermeide ich Streit, wenn es um die Medienzeit geht?

Hier finden Sie Antworten und Tipps zu Fragen, die sich viele Eltern stellen.


Die wichtigsten Fragen zum Thema "Medienzeit bei Kindern"

Warum sollte ein Kind nicht stundenlang auf den Bildschirm (Fernseher, Computer, Handy) schauen?

Das Fernsehen und das Spielen an der Konsole oder dem Computer lässt Kinder die Zeit vergessen. Werbung und Hinweise fordern Kinder auf "dranzubleiben" – ansonsten würden sie etwas verpassen oder ein Spieleziel nicht erreichen.

Es ist noch nicht hinreichend erforscht, inwieweit sich ein Zuviel vor dem Bildschirm auf die Entwicklung und Gesundheit auswirken. Einige (in Teilen allerdings umstrittene) Studien deuten auf Probleme wie Unruhe, schlechter Konzentration, mangelnde Fantasie oder Kurzsichtigkeit (dies speziell bei Handys) hin. 

Doch selbst wenn dies nicht so sein sollte – klar ist: Kinder brauchen körperliche Bewegung, soziales Miteinander und den kommunikativen Austausch mit anderen. Gerade jüngere Kinder lernen durch Ausprobieren und sinnliche Wahrnehmung. Sie benötigen Zeit und Raum, um sich zu erproben und ihre motorischen Fähigkeiten zu trainieren. Die Zeit vor dem Bildschirm sollte dies nicht verhindern oder zu sehr einschränken.

Und ja, Kinder müssen den kompetenten Mediengebrauch erst lernen: Lernen, sich selbst richtig einzuschätzen und zu erkennen, was ihnen guttut oder nicht. Durch zeitliche Beschränkung und Regeln erlernen Kinder einen bewussten und guten Umgang mit digitalen Medien.

Wie viel Bildschirmzeit ist gut für mein Kind?

Wie viel Bildschirmzeit ist gut für mein Kind?

Eine allgemeine Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Entscheidend ist zum einen das Alter des Kindes. Zum anderen ist die Dauer auch abhängig von den Fähigkeiten und Interessen des Kindes. Ebenso spielen der Familienalltag und die Frage, was bzw. welche Inhalte am Bildschirm genutzt oder gesehen werden, eine Rolle.

Um Ihnen als Eltern eine Orientierung zu geben, empfiehlt das Internet-ABC diese Richtwerte:

  • 4 - 6 Jahre: bis zu 30 Minuten
  • 7 - 9 Jahre: bis zu 60 Minuten
  • 10 - 12 Jahre: bis zu 75 Minuten 

Dies sind allerdings nur Richtwerte. Eltern sollten darauf achten, was die Kinder am Bildschirm machen: Nutzen sie ihre Medienzeit gemeinsam mit Freunden und der Familie? Für die schulische Recherche und Computerarbeit? Für kreative Dinge? Dann kann eine Verlängerung durchaus in Ordnung sein. 

Für ältere Kinder empfiehlt sich ein Budget für die Woche: Legen Sie gemeinsam eine Stundenzahl fest, die in einer Woche am Bildschirm verbracht werden darf. So hat Ihr Kind die Möglichkeit, sich Stunden für ein Spiel oder einen Film aufzusparen, um zum Beispiel am Wochenende ausgiebiger spielen zu können.

Eine maßvolle und gute Mediennutzung – wie bringe ich diese meinem Kind bei?

Eine maßvolle und gute Mediennutzung – wie bringe ich diese meinem Kind bei?

Kinder müssen den Umgang mit Medien erst lernen. Dabei ist die vertrauensvolle Begleitung durch ihre Eltern wichtig. 

  1. Regeln: Regeln helfen, Konflikte zu vermeiden. Im besten Fall legen sie Eltern und Kinder gemeinsam fest - nicht als Folge eines Streits, wenn es Ihnen zu viel geworden ist, sondern in Ruhe. Diskutieren sie gemeinsam, warum eine zeitliche Begrenzung sinnvoll ist. Versuchen sie sich zu einigen. Solche Regeln werden von Kindern lieber eingehalten als solche, die "von oben" verordnet wurden. Diese Regeln sollten auch alltägliche Abläufe einschließen, zum Beispiel: Zuerst die Hausaufgaben erledigen; beim Essen, Lernen und Schlafen bleibt das Smartphone.
  2. Kindern die Dauer ihrer Medienzeit begreiflich machen: Mit Stoppuhr am Smartphone, Wecker oder Eieruhr neben dem Bildschirm lässt sich spielerisch ein Gefühl für Zeit entwickeln und Kindern klar signalisieren, wann die Medienzeit beendet ist.
  3. Bleiben Sie im Gespräch: Tauschen Sie sich darüber aus, welche Medien und Inhalte bei Ihrem Kind angesagt sind, warum und wann es Ausnahmen zu den vereinbarten Regeln geben kann. Im vertrauensvollen Miteinander dürfen dann auch eher mal Freiheiten gewährt werden.
  4. Vorbild sein: Gehen Sie mit gutem Vorbild voran. Leben Sie vor, dass man zu gewissen Zeiten problemlos auch ohne Internet und Smartphone auskommen kann.
Stichwort Streit und Streitvermeidung: Was kann ich tun, wenn mein Kind ständig/stundenlang vor dem Bildschirm sitzen möchte?

Stichwort Streit und Streitvermeidung: Was kann ich tun, wenn mein Kind ständig/stundenlang vor dem Bildschirm sitzen möchte?

Auch hier sollten klare Regeln die Grundlage sein (s. Frage 3). Damit allein ist es aber nicht getan: Es muss auch ansprechende Alternativen geben. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, seine Freizeit mit interessanten Beschäftigungen und gemeinsamer Zeit zu gestalten: Sport im Verein, Lernen eines Instruments, Verabredungen mit Freunden, gemeinsame Ausflüge oder Spiele. Der Bildschirm sollte nicht im Mittelpunkt stehen, sondern eine von vielen Aktivitäten sein.

Bei älteren Kindern nimmt das Smartphone eine Sonderstellung ein. Es lässt das Gefühl entstehen, ständig erreichbar sein zu müssen, um den Kontakt zu Freunden zu halten und nichts zu verpassen. Sprechen Sie über diese Gefühle - sind sie berechtigt? Treffen Sie gemeinsam Vereinbarungen zum Smartphone-Gebrauch.

Flüchtet sich Ihr Kind geradezu in Medienwelten und taucht völlig ab? Dahinter können gravierende Probleme oder Konflikte in Schule oder Freundeskreis stecken. Signalisieren Sie, dass Sie für Ihr Kind da sind. Holen Sie ggf. professionelle Beratung und Unterstützung ein. 


Zusammen Regeln festlegen!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Mediennutzungsvertrag - Ein Vertrag zum Vertragen

Um Konflikten aus dem Weg zu gehen und sich verbindlich zu einigen, erstellen Eltern und Kinder mit Hilfe dieses Online-Tools einen Vertrag. Gemeinsam legen Sie darin fest, welche Medien und Inhalte wie und wie lange genutzt werden dürfen.

Mediengutscheine

Bei Klicksafe finden Sie Vorlagen für Mediengutscheine zum Ausdrucken. Damit können Sie gemeinsam ein Zeitbudget festlegen und Ihrem Kind entsprechend viele Gutscheine an die Hand geben. 


Zahlen und Fakten zur Medienzeit von Kindern

Die KIM-Studie untersucht das Medienverhalten von Kindern zwischen 6 und 13 Jahren. laut der Studie von 2016 besitzen 

  • ca. 33 Prozent der Kinder ein eigenes Fernsehgerät im Zimmer (6- bis 7-Jährige: 15 Prozent, 12- bis 13-Jährige: 65 Prozent),
  • ca. 20 Prozent der Kinder einen eigenen Computer,
  • 44 Prozent eine Spielkonsole (tragbare und stationäre),
  • 32 Prozent ein eigenes Smartphone und
  • 5 Prozent ein Tablet.

Die Kinder zwischen 6 und 13 Jahren schauen im Durchschnitt ca. 88 Minuten täglich fern (die Jüngeren weniger, die Älteren mehr). Täglich oder fast täglich nutzen zu 42 Prozent ein Handy oder Smartphone, zu 22 Prozent Spiele am Computer, an einer Konsole oder im Internet, über 25 Prozent das Internet. 

Online sind die 6- bis 7-Jährigen – nach Einschätzung der Haupterzieher – ca. 15 Minuten täglich, die 8- bis 9-Jährigen 25 Minuten, die 10- bis 11-Jährigen bereits 43 Minuten und die 12- bis 13-Jährigen 69 Minuten. Laut der JIM-Studie von 2018 sind die 12- bis 13-Jährigen sogar über 2,5 Stunden täglich im Internet.


Smartphone und Stress

Mit dem Smartphone ist das Internet ist in der Hosentasche angekommen. Zeitliche Grenzen zu setzen wird damit schwierig – sofern man keine Programme oder Apps nutzt, die das Gerät nach einer festgelegten Zeit abschalten. Kinder finden das erst einmal gut. Doch das Smartphone kann bei ihnen durchaus Stress verursachen. 

Mittel gegen Handystress

  • Ich muss nicht immer für alle erreichbar sein!
  • Ich gönne mir Pausen, in denen ich das Handy lautlos stelle oder ausmache.
  • Beim Lernen und bei den Hausaufgaben lasse ich mich nicht ablenken und schalte das Handy aus.
  • Ich muss das Handy nicht immer und überall dabeihaben.
  • Am Abend und in der Nacht schalte ich das Handy aus und lege es in ein anderes Zimmer.
  • Ich lasse mich von einem Handy nicht stressen. Ich bestimme, nicht das Gerät!
  • Ich vereinbare mit meiner Familie Regeln, damit wir alle Handypausen haben.

Die Tipps zum Ausdrucken

(Hinweis: Die Tipps sind Bestandteil des Lernmoduls "Mobil im Internet - Tablets und Smartphones". Hier findet sich auch das Smartphone-Spiel. Dieses zeigt, wie stressig es am Smartphone werden kann und regt so zum Nachdenken an.)


Hilfreiche Angebote im Internet

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2 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 13.12.2019]


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Sabine 20.10.2019 17:13
Mein Kind und ich haben nur noch Streit. Ich habe die Spielzeit von meinem Sohn (13) auf 60 min. beschränkt und jetzt haben wir nur noch Streit. Ich empfehle allen Eltern ihr Kind nicht zu sehr zu beschränken! Weil das kann nach hinten losgehen.
justus 20.09.2019 12:12
gehr so ist nicht so toll
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Video für Kinder

Dieses Video des Internet-ABC zeigt auf, wie eine Diskussion zwischen Mutter und Sohn um die Zeit vor dem Bildschirm aussehen kann.
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