Hate Speech – das sollten Eltern wissen

"Hate Speech" auf einer virtuellen Tastatur; Bild: Internet-ABC
"Hate Speech" auf einer virtuellen Tastatur; Bild: Internet-ABC

In den Medien fällt immer wieder der Begriff "Hate Speech", zu deutsch Hassrede. Was genau bedeutet dieser Begriff? Und welche Folgen können Hasskommentare haben?

Das Internet-ABC bietet Ihnen zu diesem Thema grundlegende Informationen – natürlich immer auch mit einem Blick auf den Nachwuchs. Inwieweit betrifft das Thema Hate Speech auch Kinder?

Was ist Hate Speech?

Was ist Hate Speech?

Mit dem Begriff Hate Speech sind Äußerungen gemeint, die Personen oder Personengruppen bewusst herabsetzen, angreifen, beleidigen und verunglimpfen oder ihnen gegenüber zu Gewalttaten aufrufen. 

Obwohl Hate Speech auch "offline" in persönlichen Gesprächen usw. stattfinden kann, wird vor allem das Internet seit einigen Jahren immer stärker zum Schauplatz von Hassreden. Betroffen sind besonders Menschen, die – berechtigt oder nicht – bestimmten Gruppen zugeordnet werden. Aufgrund dieser Gruppenzugehörigkeit sind sie mit abwertenden, aggressiven und menschenverachtenden Äußerungen konfrontiert.

Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Zugehörigkeit zu einer Partei oder aber auch gesellschaftliches Engagement lassen sie zur Zielscheibe von Hate Speech werden. Mit rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Beleidigungen oder durch das bewusste Verbreiten von Vorurteilen oder Falschmeldungen soll so eine Stimmung erzeugt werden, die die Angehörigen dieser Gruppen gesellschaftlich ausgrenzt und die Gewalt ihnen gegenüber rechtfertigt. 

Diejenigen, die Hate Speech verbreiten, berufen sich oft auf das Recht der freien Meinungsäußerung. Obwohl Hate Speech bzw. Hassrede nicht als eigenständiger Begriff im Strafgesetzbuch aufgeführt ist, endet das Recht der freien Meinungsäußerung dort, wo jemand beleidigt oder verleumdet wird oder wo der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt ist. Wenn jemand also "in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet" (StGB, §130[1]).

Wo kommt Hate Speech vor?

Wo kommt Hate Speech vor?

Hate Speech kann im Internet überall da auftreten, wo Menschen eine Plattform zur Meinungsäußerung geboten wird – zum Beispiel in Sozialen Netzwerken wie Facebook, in WhatsApp-Gruppen, Online-Foren, Kommentarspalten von Blogs, Websites, bei YouTube oder in den Onlineausgaben von Zeitungen, Radio- oder Fernsehsendern.  

Außer über Textnachrichten verbreiten sich rassistische, sexistische oder volksverhetzende Inhalte auch über Bilder ("Memes") oder durch gezielte Falschmeldungen, die auf den ersten Blick den Anschein einer seriösen Nachricht erwecken. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von "Fake News" und "Hoaxes". 

Dadurch, dass sich Inhalte im Netz schnell teilen lassen, können Hass-Postings innerhalb kurzer Zeit extrem schnell verbreitet werden. Extreme Meinungen erhalten so große Aufmerksamkeit, auch wenn sie vielleicht nur von einer Minderheit vertreten werden. Es ist anzunehmen, dass es nicht nur einzelne "Hater" sind, die ihre Botschaften hier platzieren. Auch rechtsextreme und radikale Gruppierungen nutzen die Möglichkeiten, um im Internet bewusst die öffentliche Meinung zu beeinflussen: Das, was bisher nur hinter "vorgehaltener Hand" und von wenigen gesagt wurde, soll im öffentlichen Raum des Internets den Anschein einer verbreiteten und "normalen" Meinung erhalten.

Vor allem Kinder und Jugendliche, die noch nach eigener Orientierung, Identität und Werten suchen, können durch diese Manipulation der digitalen Öffentlichkeit besonders gefährdet sein.

Was kann Hate Speech bewirken?

Was kann Hate Speech bewirken?

Hasskommentare auf Facebook; Bild: Internet-ABC
Hasskommentare auf Facebook; Bild: Internet-ABC

Worte und Bilder werden bei Hate Speech gezielt als Waffe eingesetzt, um andere herabzusetzen und auszugrenzen. Diese Form der "digitalen Gewalt" erweckt häufig den Anschein, eine gerechtfertigte Reaktion auf vermeintliche Übergriffe einer bestimmten Gruppe oder auf durch die "Lügenpresse" verschwiegene Fakten und Sprachrohr einer angeblich schweigenden Mehrheit zu sein. 

Besonders leicht durch diese Inhalte zu manipulieren sind: 

  • Kinder, die vielleicht gerade erst beginnen, das Internet für sich zu entdecken. 
  • Jugendliche, die ihren Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen haben. 

Sie können Meinungen und Vorurteile mit Tatsachen verwechseln, erkennen subtilere Ausdrucksformen von Hate Speech eventuell nicht und können sich so die Inhalte dieser Hass-Botschaften aneignen. Außerdem können Sie zur Verbreitung solcher Inhalte beitragen, zum Beispiel durch ein eher unüberlegtes "Liken" und Teilen von Bildern, deren Aussage nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Durch Hate Speech werden auch gezielt Ängste geschürt, was vor allem Kinder verunsichern kann: Angst bzw. Ablehnung und Aggression kann zum Beispiel anderen Kindern (aber auch Erwachsenen) gegenüber entstehen, die einer im Internet diskreditierten und mit Vorteilen beschriebenen Gruppe angehören. 

Kinder können und sollten daher frühzeitig zu einem reflektierten Umgang mit Inhalten aus dem Internet ermutigt werden. Dazu gehört auch, nicht alles zu glauben, was im Internet steht und Inhalte nicht achtlos zu teilen.

Wie können Kinder damit umgehen, wenn sie solche Sachen lesen?

Wie können Kinder damit umgehen, wenn sie solche Sachen lesen?

Um Kinder fit im Umgang mit digitalen Medien zu machen, sollten Eltern mit ihren Kindern die Chancen und kreativen Möglichkeiten, aber eben auch die Herausforderungen der digitalen Welt gemeinsam kennenlernen und darüber dauerhaft im Gespräch sein. Dabei ist es hilfreich, wenn der "Surfraum" der Jüngsten zunächst überschaubar bleibt und sich auf altersgemäße und qualitativ gut gestaltete Websites beschränkt, die sich Eltern und Kinder zusammen ansehen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit gering, auf verstörende Inhalte zu stoßen. 

Schimpfwörter, Beleidigungen, "Lügengeschichten" und eventuell Cybermobbing sind Kindern nicht unbekannt. Eltern können mit ihren Kindern besprechen, dass es (offline und online) Menschen gibt, die andere bewusst "fertigmachen" wollen und gezielt Lügen verbreiten. Und daran darf und soll man sich nicht beteiligen!

Manchmal sind diese Botschaften schnell durch "Schlüsselwörter" zu erkennen, die Beleidigungen und Beschimpfungen enthalten. Haben Kinder solche Inhalte entdeckt, sollten sie diese zusammen mit ihren Eltern ansehen und dann "ausfiltern", also nicht weiterleiten, sondern löschen. Eventuell müssen entsprechende Nachrichten auch mit der Schule besprochen, gemeldet oder in drastischen Fällen sogar zur Anzeige gebracht werden. 

Teilweise sind die "Lügengeschichten" aber nur schwer zu durchschauen. Erweitert sich bei den Kindern der "digitale Erlebnisraum" und damit die eigenständige Nutzung des Internets, sollte besprochen werden, dass Texte, Filme oder Bilder nicht vorschnell weitergeschickt oder kommentiert werden sollten, auch wenn man dazu aufgefordert wird. Gerade wenn Kinder die Inhalte nicht sofort verstehen oder einordnen können gilt: Nachfragen und sich Unterstützung bei den Eltern holen. 

Bei älteren Kindern, die Soziale Netzwerke schon eigenständig nutzen, können diese Regeln ergänzt werden: Inhalte, die andere herabsetzen, sollten gelöscht bzw. gemeldet und der Absender blockiert werden. Auch hier ist es oft empfehlenswert, die Schule mit einzubeziehen und zu informieren, da entsprechende Inhalte meist ja nicht nur an einzelne adressiert sind, sondern sich über Chat-Gruppen schnell an der ganzen Schule verbreiten.

Hate Speech bzw. herabsetzendes und menschenverachtendes Verhalten ist nicht nur Thema der digitalen Welt. Immer wieder lassen sich hierzu Beispiele in Presse und Fernsehen finden. Mit Kindern im Gespräch über dieses Thema zu bleiben, über die Auswirkungen und Gegenmaßnahmen zu sprechen schafft auch bei diesen ein Gespür für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander – online wie offline. 

Was kann man gegen Hate Speech unternehmen?

Was kann man gegen Hate Speech unternehmen?

Anbieter von Sozialen Netzwerken und Online-Redaktionen gehen gegen Hate Speech teilweise entschiedener vor als noch vor einigen Jahren. Inhalte werden gefiltert oder Kommentare moderiert, um Hass-Botschaften schneller zu identifizieren und zu löschen.

Es bleibt jedoch Aufgabe der einzelnen Internetnutzer, bei diesem Thema wachsam zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört, entsprechende Inhalte nach Möglichkeit selber zu löschen, zu blockieren oder zu melden – beim Netzwerkbetreiber, der Polizei oder beispielsweise auf den Seiten von www.hass-im-netz.info: 

Niemand muss Hate Speech aushalten und erdulden. Beleidigungen, Verleumdungen usw. sind Straftaten – egal ob sie online oder offline begangenen werden. Wir alle haben das Recht, in unserer Menschenwürde ernst genommen und geschützt zu werden. Das gilt selbstverständlich auch für Kinder. Sinnvoll ist es, diese Aspekte gemeinsam zu besprechen und zu verdeutlichen, dass es nicht nur darum geht, andere durch das Recht in ihre Schranken zu weisen, sondern dass solch ein Verhalten eine schützende Funktion für uns alle hat. 

Kinder für das Thema Hate Speech zu sensibilisieren kann vor allem bedeuten, einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander zu trainieren: Was ist eine faire und konstruktive Auseinandersetzung? Und wann fühlen sich andere durch meine Aussagen verletzt?

Die Empathiefähigkeit von Kindern stärken heißt auch zu verdeutlichen, dass es nicht körperlicher Gewalt bedarf, um anderen zu schaden, sondern dass auch Sprache und Bilder verletzen können – selbst wenn ich deren unmittelbare Reaktion über das Internet nicht sehen kann.

Wir alle können Inhalte schnell und unkompliziert ins Netz stellen und sie anderen zugänglich machen. Das heißt aber nicht, dass diese Inhalte auch zutreffend sein müssen: Nur weil etwas "im Internet steht", muss es noch nicht stimmen. Medienkompetenz bedeutet heute auch Informationskompetenz: Auf welche Internetseiten kann sich ein Kind verlassen, wie liest sich eine seriöse Nachricht? Hier altersgerechte Anhaltspunkte zu entwickeln, Nachrichten gemeinsam auf Kinderseiten zu lesen und so über aktuelle Themen im Gespräch zu sein, stellt eine gute Basis für einen reflektierten und kritischen Umgang mit Nachrichten, Informationen und dem Internet innerhalb der Familie dar.

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1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 26.07.2017]


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Annette Lindt-Lange 22.05.2017 08:33
Ein extrem wichtiges Thema. Stärker noch sind Kinder und Jugendliche ( und auch Erwachsene) jedoch oftmals von Cybermobbing betroffen, also von Hate Speech/ Cybermobbing gegen sie selbst und nicht mit einem rassistischen oder einem Hintergrund, der auf eine Gruppenzugehörigkeit zurückzuführen ist, sondern sich speziell gegen sie als Person richtet. Das kommt in dem Artikel etwas zu kurz.
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Was ist überhaupt Hate Speech?

Die Seite der Amadeu Antonio Stiftung bietet grundsätzliche Informationen zum Thema.
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