Definition: Was ist Mobbing? Was ist Cybermobbing?

Mobbing ist nicht einfach nur ein Streit, ein Ärgern. Zwar kann es mit Kleinigkeiten beginnen: Man spottet über jemanden, beleidigt ihn, betont seine Andersartigkeit. Aber dann nehmen nach und nach die Angriffe zu, werden – im Schutz der Gruppe – von anderen unterstützt. Und das oft über einen längeren Zeitraum hinweg.

Beim Cybermobbing werden Kinder oder Jugendliche von anderen über das Internet beleidigt, herabgesetzt oder ausgeschlossen. Man spricht deshalb auch von Internet-Mobbing. Die Attacken erfolgen zum Beispiel über Messenger wie WhatsApp oder in Sozialen Netzwerke, die sich auf dem Handy befinden (Instagram, Snapchat, TikTok).

Für das betroffene Kind ist diese Art des Mobbings deshalb so schlimm, weil es sich nicht entziehen kann. Die Tür hinter sich zuzumachen, reicht nicht: Schikane, die Beleidigungen und mehr kommen über das Handy mit nach Hause, ins Kinderzimmer. Dort ist das Kind den Attacken nahezu schutzlos ausgeliefert. Es erlebt mit, wie schnell sich gemeine Sprüche verbreiten und wie diese andere anspornen, noch einen "daraufzusetzen". Die Hilflosigkeit, die so entsteht, belastet sehr. Die Eltern bekommen es zumindest in der ersten Zeit oft gar nicht mit. Und wenn sie erste Anzeichen bemerken, wissen sie oft nicht, wie sie helfen und schützen können.

Der große Druck wird oftmals verstärkt, wenn Internet-Mobbing anonym ausgeführt wird. Die gemobbte Person weiß nicht, gegen wen sie sich überhaupt wehren soll. 


Gibt es das "typische Mobbingopfer"?

Nein. Mobbing kann grundsätzlich jeden treffen. Besonders häufig erwischt es Mädchen und Jungen, die zu keiner Clique gehören – weil sie aus irgendeinem Grund "anders" sind als die, die das Sagen haben. Diese bestimmen, wer und was anders ist: Mal ist es die "falsche" Kleidung, mal das Aussehen, die Schüchternheit, die strengen Eltern oder der Dialekt, die das Kind an den Rand drängen.

Wer es darauf anlegt, andere zu kränken und zu schikanieren, findet immer einen Anlass! Es mag ein bestimmtes Merkmal des Kindes  vorliegen, das herausgegriffen wird. In einem anderen Umfeld – zum Beispiel einer anderen Schulklasse – ist dieses Merkmal meist kein Grund für derartige Herabsetzungen. 

Das heißt für Sie als Eltern: Ihr Nachwuchs mag anders sein oder nicht – er trägt keine Schuld, wenn er gemobbt wird!

(Eine Anmerkung: Das Internet-ABC spricht an dieser Stelle bewusst von "Opfern" in Anführungsstrichen. Der Begriff "Opfer" wird von Kindern und Jugendlichen unterschiedlich, aber oft auch herabsetzend verwendet.)


Woran erkenne ich, dass mein Kind gemobbt wird?

Ob Mobbing mit oder ohne Internet – die Anzeichen dafür sind oft nur schwer zu erkennen. Überlegen Sie: 

  • Ist das Kind häufiger krank?
  • Wirkt es bedrückt?
  • Schläft es schlecht?
  • Sträubt es sich, in die Schule zu gehen? 
  • Sind die Leistungen in der Schule deutlich schlechter geworden?
  • Reagiert die Tochter / der Sohn anders als sonst, wenn Sie nach Problemen fragen?

Anschließend ist Ihre Geduld gefragt, denn in den meisten Fällen möchte der Betroffene erst einmal nichts erzählen: aus Scham oder weil es Angst hat, dass Ihr Eingreifen das Ganze noch schlimmer macht. 

Sprechen Sie zudem mit der Lehrkraft oder einem Schulsozialarbeiter, mit Eltern bekannter oder befreundeter Kinder. Meist weiß dann doch schon jemand Bescheid, was gerade mit Ihrem Kind vor sich geht. 


Mein Kind wird gemobbt – wie kann ich es schützen?

Als erstes sollten Sie Folgendes tun:

  • Nehmen Sie das Problem des Kindes ernst. "Einfach ignorieren" ist keine Lösung. 
  • Handeln Sie umgehend. Gerüchte, gemeine Sprüche, Bilder und Videos verbreiten sich sehr schnell im Internet.

Wenn die Täter bekannt sind, sollten Sie mit dem Umfeld der Beteiligten reden: mit der Klassenlehrerin oder dem Sozialarbeiter der Schule. Auch das Gespräch mit den Eltern der Täter sollte gesucht werden.

Sind die Täter nicht bekannt, müssen technische Maßnahmen getroffen werden: Bei WhatsApp oder anderen Messengern sollten Sie die Nummer oder den Kontakt sperren.

Hat jemand bei Instagram, TikTok oder anderen Sozialen Netzwerken bloßstellende Bilder oder Videos Ihre Sohnes / Ihrer Tochter veröffentlicht? Dann sollten Sie ihn, aber auch den Betreiber auffordern, diese unweigerlich zu löschen. Als letzter Weg kann ein Account gelöscht oder eine Handynummer geändert werden. 

Ist die Bedrohung gravierend, sollte die Polizei eingeschaltet werden – zum Beispiel, wenn die Persönlichkeitsrechte verletzt werden, mit einer Straftat gedroht oder der Ruf geschädigt wird. Sammeln Sie bis dahin Beweise, die das Internet-Mobbing darstellen: Bilder (Screenshots) von Beleidigungen, Chatverläufe usw.


Mein Kind ist Täter oder Mitwisser – was kann ich tun?

Handeln Sie schnell! Die Folgen für den Gemobbten sind den meisten Tätern und Mitwissern nicht klar. Sie müssen darauf hingewiesen werden, wie verletzend Cybermobbing für den Betroffenen ist. 

Versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Kind andere mobbt: Fühlt es sich zu wenig beachtet? Versucht es, eigene Schwächen zu verbergen, indem es andere erniedrigt? Wenn es bei einem Mobbingfall nicht eingeschritten ist: Fragen Sie nach den Gründen, warum es sich so verhalten hat.

Sprechen Sie über das Opfer und überlegen Sie sich eine Art der Entschuldigung. Für die Zukunft ist es wichtig, nach Möglichkeiten zu suchen, dass solch ein Verhalten vermieden werden kann. Dies kann in schweren Mobbingfällen auch zusammen mit professioneller Hilfe geschehen, beispielsweise mit dem Sozialarbeiter einer Schule oder einer Schul- oder Familienberatungsstelle.


Zusammen das Problem erkennen und lösen!

Internet-ABC: Lernmodul "Cybermobbing – kein Spaß!"

Es ist immer ratsam, mögliche Probleme anzusprechen, bevor sie auftreten. Das heißt bezüglich Mobbing: Wenn Sie und Ihr Kind darüber Bescheid wissen, kann ein Mobbingfall viel schneller erkannt und ggf. noch verhindert werden – egal, ob Ihr oder ein anderes Kind betroffen ist.

Ein schönes Mittel zum Lernen, aber auch zum gemeinsamen Gespräch ist das Lernmodul des Internet-ABC. Mit Video, Rätseln und vertonten Texten erfahren Sie zusammen alles Wissenswerte zum Thema.


Zahlen und Fakten: Wie verbreitet ist eigentlich Mobbing über das Netz?

Cybermobbing ist weit verbreitet. Die groß angelegte JIM-Studie (2017) verdeutlicht dies: Gut ein Viertel der 12- und 13-Jährigen geben an, Cybermobbing im Bekanntenkreis miterlebt zu haben. 7 Prozent von ihnen wurden schon einmal per Smartphone und Internet fertig gemacht. Über 16 Prozent dieser jungen Personen wurden schon einmal Falschmeldungen oder Beleidigungen verbreitet.  

Mobbing über das Internet ist ein auch schon unter Jüngeren bekanntes und verbreitetes Problem der digitalen Gesellschaft, wenngleich mit zunehmendem Alter die Gefahr wächst.


Ein paar grundsätzliche Tipps zum Schutz Ihres Nachwuchses

  • Vor der Nutzung von Handy und Internet: Machen Sie sich mit den Gefahren dieser Medien vertraut und besprechen diese mit dem Kind. Sie können dazu gemeinsam mit ihm die Lernmodule des Internet-ABCs nutzen.
  • Unterhalten sie sich auch über das Miteinander, das sich online äußert. Fragen Sie sowohl danach, wie es sich in gemeinsamen Klassengruppen fühlt, als auch danach, wie es sich verhält. 
  • Machen Sie Ihrem Nachwuchs klar, dass unüberlegte Äußerungen gegenüber Mitschülern, gerade wenn viele sie sehen, sehr verletzend sein können. 
  • Fragen Sie in der Schule nach, ob es Maßnahmen zur Vermeidung und ggf. Eindämmung von Mobbing gibt.
  • Kommt es zu Beleiduígungen, Herabsetzungen und Schikanierungen über WhatsApp oder andere digitale Medien, handeln Sie schnell und konsequent. 
  • Wenn das Mobben nicht aufhört, nehmen Sie es nicht alleine in die Hand. Suchen Sie in der Schule nach Hilfe vom Sozialarbeiter oder dem Vertrauenslehrer. 
  • Sorgen Sie dafür, dass E-Mails, Handynummern oder Online-Profile geschützt oder gewechselt werden. 

Infografik zum Thema

Diese Infografik bietet Ihnen auf einen Blick das Wichtigste zum Thema Cybermobbing: Was ist Cybermobbing? Gibt es das "typische Mobbingopfer"? Was kann man gegen das Mobben im oder über das Internet tun?



Hilfreiche Angebote im Internet

"Erste-Hilfe-App"

Die "Erste-Hilfe-App" von klicksafe soll Betroffenen kompetente und schnelle Unterstützung bieten: In Form von kurzen Videoclips erhalten Betroffene konkrete Verhaltenstipps und eine Begleitung für die ersten Schritte gegen das Mobben im / über das Netz.

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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 21.07.2020]
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