Kinder und Werbung im und über das Internet – worauf sollten Eltern achten?

Werbung: 70 Prozent reduziert; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell
Werbung: 70 Prozent reduziert; Bild: Find-das-Bild.de / Michael Schnell

"Wow, das will ich auch haben!"

"Werbung gibt es überall. Es gehört zum Alltag – und auch zum Internet. Kinder müssen lernen, damit umzugehen."

"Die Werbung in manchen Apps ist schon wirklich sehr aufdringlich!"

"Ist das jetzt Werbung oder gehört das zur Internetseite dazu?"

Werbung ist ein Teil des kindlichen Alltags, denn sie kommt in allen Medien vor. Da das Internet fest in der Lebenswelt von Kindern verankert ist, spielt auch Internet-Werbung eine große Rolle.

Kinder sind für die Werbung sehr interessant. Sie sind Konsumenten, aber sie beeinflussen auch das Kaufverhalten ihrer Eltern und Großeltern. Deshalb möchte die Internetwerbung den Nachwuchs schon früh an Produkte und Marken gewöhnen und binden.


Die wichtigsten Fragen zum Thema "Kinder und Werbung und Internet"

Wo kommt mein Kind im Internet mit Werbung in Berührung?

Die Antwort lautet schlicht: Fast überall!

  • Beim Suchen mit Suchmaschinen wie Google und Bing.
  • Auf den meisten Internetseiten.
  • Beim Nutzen von Videoportalen wie YouTube oder auch YouTube Kids.
  • Beim Spielen von Online-Spielen und Apps.
  • In ihrem E-Mail-Postfach.

Klar ist: Werbung möchte meist dazu anreizen, etwas zu kaufen. Aber es gibt trotzdem Unterschiede, inwieweit eine Werbung für Eltern akzeptabel ist oder nicht. Es gibt Werbung, die auf einer Internetseite als solche gekennzeichnet ist. Es gibt aber auch Werbeanzeigen, die sich kaum von dem eigentlichen Inhalt unterscheiden. Gerade Internet-Anfänger sind noch unerfahren und erkennen oft weder die harmlosere noch die versteckte Form von Werbung.

Die einzelnen Werbeformen werden in diesem Artikel des Internet-ABC vorgestellt:

Wie kann ich meinem Kind erklären, was Werbung will?

Kinder sollten die Machart und die Funktionsweisen von Werbung kennen. Umso besser lernen sie dann, diese einzuschätzen und damit umzugehen. Verteufelung und der Schutz davor bringen deshalb weniger, als Kindern dabei zu helfen, die Tricks der Werbung zu durchschauen.

Grundlage dafür sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die das Kind zuerst verstehen muss. Dazu gehört, dass Geld durch Arbeit verdient und dann für verschiedene Bedürfnisse ausgegeben wird. Hier ist es hilfreich, wenn Kinder schon eigene Kauferfahrungen haben. Der Umgang mit dem eigenen Taschengeld kann den Wert von Geld und Dingen aufzeigen. Dadurch wird letztendlich auch die Tatsache nachvollziehbar, dass Werbung gemacht wird, um ein Produkt zu verkaufen – ganz konkret: Damit Ihr Kind genau diese Schokolade oder dieses Spielzeug von seinem Taschengeld kauft.

Erklären Sie, dass im Internet vieles umsonst erscheint: Der Preis für das "Umsonst" ist die Werbung – daneben natürlich oft gleichzeitig das Sammeln persönlicher Daten, die an Werbefirmen weiterverkauft werden.

Schließlich sollten Sie Ihr Kind dorthin begleiten, wo es Werbung gibt und sich gemeinsam die einzelnen Werbeformen anschauen. Beachten Sie dazu unten den Punkt "Gemeinsam Werbung durchschauen!"

Wie mache ich mein Kind stark für den Umgang mit Werbung?

Konsumwünsche von Kindern sollten zuerst einmal ernst genommen werden. Dass etwas aus Ihrer Sicht zu teuer oder unnötig ist, hilft Ihrem Kind nicht weiter. Kinder bekommen durch unser Kaufverhalten genau mit, dass nicht immer nur rationale Gründe, sondern auch Wünsche, Marken und Lifestyle eine Rolle spielen. Deshalb sollten Sie Verständnis für die Wünsche Ihres Kindes zeigen und die Pros und Kontras zu einem Kauf gemeinsam besprechen:

  • Warum muss es genau dieses Produkt sein und kein anderes?
  • Wie stehen Preis und Leistung im Verhältnis zueinander?
  • Wird das Produkt in ein paar Monaten auch noch benötigt und genauso attraktiv sein?
  • Willst du das Produkt, weil andere es haben oder du die Werbung dazu so toll fandest?

Dann kann gemeinsam und respektvoll eine Entscheidung getroffen werden. Dazu gehört natürlich auch, dass ein Wunsch nicht immer sofort oder auch mal gar nicht erfüllt wird.


Gemeinsam Werbung durchschauen!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Surfen Sie zusammen mit Ihrem Kind im Internet, spielen sie mit ihm zusammen eine App – und schauen Sie gemeinsam, wo Werbung zu finden ist. Erkennt Ihr Kind die einzelnen Werbearten überhaupt? Ärgert es sich, wenn die Werbung sein Spielen unterbricht? Oder vom Inhalt der Internetseite ablenkt? Oder findet es einzelne Werbespots und -anzeigen gut?

Internet-ABC: Lernmodul "Werbung, Gewinnspiele und Einkaufen" 

Das Lernmodul zeigt Kindern,

  • was Werbung ist,
  • welche Ziele Werbung hat,
  • was Schleichwerbung ist,
  • was hinter Gewinnspielen und Kinder-Clubs steckt.

Mit Rätseln und Aufgaben wird das Wissen des Kindes abgefragt. Gehen Sie das Lernmodul gemeinsam durch – dann bieten sich viele Anlässe, um sich über Werbung zu unterhalten.


Kurzinfos für Eltern

  • Die Informationsflut des Internets kann Kinder überfordern, vor allem wenn auch noch aufdringliche Werbung hinzukommt.
  • Kinder tippen oft leichtfertig auf die Werbung. Sie sind dann oft nicht weit von einem Online-Kauf entfernt.
  • Werbung ist vor allem für Kinder nicht immer als solche zu erkennen. Begriffe wie "Produktplatzierung" oder "Anzeige" verstehen Kinder nicht.
  • Gerade im Umfeld von Videos und Online-Spielen erscheint manchmal ungeeignete Werbung.
  • Werbeblocker können dabei helfen, bestimmte Werbeformen nicht mehr anzuzeigen. Technische Hilfsmittel ersetzen jedoch nicht die elterliche Begleitung, weil sie nie hundertprozentig wirken und Ihr Kind auch an anderen Orten ins Internet geht, an denen es keine Werbeblocker gibt.

Regeln für Kinder

Als Familie sollten Sie Regeln aufstellen, wie Ihr Kind mit Werbung umgehen sollte. Das Internet-ABC gibt Ihnen ein paar Anhaltspunkte für Regeln im Umgang mit Werbung, die jedoch von jeder Familie individuell ausgehandelt werden müssen:

  • Wenn du in einem Shop landest, kaufe nichts, ohne uns vorher zu fragen.
  • Wenn du etwas siehst, was dir gefällt, zeige es uns und lass uns gemeinsam darüber sprechen.
  • Gib so wenig wie möglich private Daten (E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Postadresse) von dir und von uns im Internet ein.
  • Abonniere keine Newsletter, ohne uns vorher zu zeigen, worum es geht.
  • Benutze eine Kindersuchmaschine wie Blinde Kuh oder FragFinn, um weniger Werbung angezeigt zu bekommen.
  • Kaufe nichts in Apps und Online-Spielen, ohne das vorher mit uns zu besprechen. Scheinbar sind es nur kleine Beträge, aber diese summieren sich schnell!

Stellen Sie ganz praktisch eine Regelsammlung zusammen: den Mediennutzungsvertrag!



Hilfreiche Angebote im Internet

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[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 19.08.2019]


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