Kinder und TikTok – viel Spaß, aber auch einige Gefahren

Screenshot TikTok
Screenshot TikTok

"Ich freue mich, dass die App meine Tochter in Bewegung bringt!"

"So wie bei TikTok sollten sich junge Mädchen nicht im Internet zeigen."

"Es gibt schon eine Menge lustiger und kreativer Videos bei TikTok – aber wer weiß, wer mein Kind dort alles anschreibt?"

"TikTok" ist eine App für kurze Musikvideos und gleichzeitig ein Soziales Netzwerk, in dem die Inhalte geteilt werden. TikTok erfreut sich bei Teenagern und Kindern großer Beliebtheit. Musik, Spaß und Kreativität in Videohäppchen – das trifft den Nerv von Mädchen und Jungen. Aber es gibt auch einige Stolpersteine ...


Die wichtigsten Fragen zum Thema "TikTok und Kinder"

Was ist TikTok und wie funktioniert es?

Mit der TikTok-App können kurze Musik-Videos im Hochformat aufgenommen, hochgeladen und im Netzwerk geteilt werden. Dafür hält TikTok Millionen Songs bereit – inklusive der angesagten Lieblings-Songs der Kids. Zu denen wird getanzt und im Playback gesungen. Die kurzen Videos heißen dann "TikToks".

Neben Sing- und Tanzvideos sind sportliche und artistische Clips, tierische, komische und witzige Filmchen zu finden. Die Clips werden meist mit Effekten, Filtern oder Stickern versehen und in Dauerschleife wiedergegeben. Die Ergebnisse können je nach Einstellung nur Freunden oder aber der ganzen Welt gezeigt werden.

Beim Hochladen werden Hashtags (#) vergeben, die für bestimmte Themen und Kategorien stehen. So lassen sich die Clips kategorisieren und wiederfinden.

Wem die TikToks anderer gefallen, kann diese "liken": also mit Herzen auszeichnen, kommentieren oder dem Ersteller folgen. Längst gibt es eigene TikTok-Stars, die mit beachtlichen Follower-Zahlen aufwarten.

Ab welchem Alter ist TikTok erlaubt?

TikTok ist keine App für Kinder und sollte unter 12 Jahren nicht genutzt werden. Erlaubt ist TikTok laut den AGB ab 13 Jahren, sofern die Eltern einverstanden sind. Ist das nicht der Fall, so liegt die Altersgrenze zur Nutzung bei 18 Jahren – auch wenn die Realität anders aussieht und viele Kinder und Teenager die App trotzdem einfach nutzen. Denn: Geprüft wird das Alter nicht.

TikTok hat ein "Sicherheitscenter" und Moderatoren, die Hochgeladenes im Nachhinein überprüfen, unangemessene Inhalte löschen und Konten schließen. Jedoch reichen diese Maßnahmen bei der Masse der Videos nicht aus, um Kinder zu schützen.

Wer sich dafür entscheidet, TikTok zu erlauben, sollte mit seinem Kind Regeln zur Nutzung vereinbaren  und gemeinsam die richtigen Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen vornehmen und besprechen – siehe die folgenden Informationen!

Was fasziniert Mädchen und Jungen an TikTok?

Kinder und Jugendliche sind videobegeistert. Die abwechslungsreichen, coolen oder witzigen Miniclips bieten kurzweilige Unterhaltung und machen großen Spaß. Im Vordergrund stehen Einfallsreichtum und Witz – weniger der Anspruch, singen zu können oder perfekt zu sein.

Mit TikTok kann man sich geben wie ein Star und dabei beeindruckende Effekte nutzen. Kreative Mittel wie Filter, Zeitlupe, Zeitraffer, Rückwärtsfunktion, Pulsieren oder Duett-Aufteilung lassen sich spielend leicht einsetzen. So gelingt eine effektvolle Selbstinszenierung.

TikTok ist eine virtuelle Bühne zur Selbstdarstellung, die jeder online betreten und darüber unzählige Zuschauer der eigenen Altersgruppe erreichen kann. Deren Anerkennung über Likes und Kommentare fühlt sich für Kinder und Jugendliche einfach gut an.

In Wettbewerben, den "Challenges", wird dazu aufgerufen, Clips zu bestimmten Liedern oder Themen anzufertigen. Sie fordern heraus und entfachen den Ehrgeiz der Teenager.

Welche Risiken und Gefahren birgt TikTok?

Es gibt einige Kritikpunkte an der TikTok-App, die Eltern Bauschmerzen bereiten dürften:

  • Datenschutz
    Wie bei den meisten großen Sozialen Netzwerken wird auch hier der Umgang mit Nutzerdaten kritisch gesehen. Um mitzumachen, ist ein Benutzerkonto einzurichten. Dazu werden Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder die Verknüpfung zu einem anderen bestehenden Account (zum Beispiel Facebook oder Instagram) benötigt. TikTok liest automatisch die Kontaktliste bzw. das Telefonbuch aus.
  • Rechtsfragen
    Die auf TikTok hochgeladenen Clips können auch auf Facebook, Instagram und WhatsApp geteilt werden. Das Urheberrecht ist hierfür aber nicht eindeutig geklärt. Wenngleich der Betreiber angibt, die in TikTok zur Auswahl gestellten Songs seien lizensiert, sollten Videos mit bekannter, urheberrechtlich geschützter Musik besser nicht auf anderen Plattformen gepostet werden – auch nicht auf YouTube!
  • In-App-Käufe
    Die Grundversion von TikTok ist kostenlos. Über In-App-Käufe kann Geld für Pakete von einem bis über 100 Euro ausgegeben werden. In Live-Streams kann man prominenten TikTokern damit Coins zukommen lassen. Auch einige Spezialeffekte und Angebote innerhalb der App sind kostenpflichtig.
  • Jugendschutz
    Auch wenn der Anbieter sich um den Jugendschutz bemüht, lauern unangenehme Gefahren auf Kinder und Jugendliche. Das Mindestalter für die App beträgt 13 Jahre. Die Altersbeschränkung wird allerdings nicht geprüft. Zudem erfolgt beim Hochladen der Videos keine Filterung. Daher finden sich zum Beispiel auch Videos mit sexuell ausgerichteten Inhalten.
  • Kontakt mit Fremden
    Leider sind auf TikTok auch sexuell motivierte Erwachsene (Cybergroomer), Mobber sowie Leute aktiv, die sich nur zum Beleidigen angemeldet haben. Über die Chat- und Kommentarfunktion können Unbekannte Kontakt aufnehmen, sofern die Standardeinstellungen nicht geändert werden. So treten zweifelhafte Nutzer gezielt in Kontakt zu jungen Mädchen und sammeln deren Videos (vgl. einen Artikel bei mobilsicher.de).
  • Sexualisierung
    Um Aufmerksamkeit zu erreichen, filmen manche Mädchen von sich freizügige TikTok-Videos in knapper Bekleidung und aufreizenden Posen. Lobende und anzügliche Kommentare anonymer Nutzer, vermeintlich erwachsener Männer, bestätigen die Mädchen und fordern sie auf, weitere Filme anzufertigen. Und je mehr Mädchen sich so präsentieren, umso leichter fällt es anderen, sich auch so zu zeigen.
Welche Einstellungen zur Sicherheit gibt es?

Nach dem Herunterladen der App und der Anmeldung im Netzwerk sollten Sie die Standardeinstellungen ändern, sonst ist das Konto öffentlich. Anpassungen lassen sich unter "Privatsphäre und Einstellungen" vornehmen. Bedenken Sie dabei: Öffentlich frei gegebene Videos sendet TikTok auch an andere Soziale Netzwerke, so dass die Videos überall auftauchen können.

Ist das Konto auf "privat" gestellt, sind dessen Inhalte nur für ausgewählte Nutzer sichtbar. Die Kontaktaufnahme Fremder, Beleidigungen und juristischer Ärger lassen sich damit vermeiden. Der Empfang von Nachrichten sollte so eingestellt werden, dass nur Mitteilungen von Freunden empfangen werden können. Gegebenenfalls ist die Zeitbeschränkung zu aktivieren, die bei einer Nutzungsdauer von zum Beispiel einer Stunde eine Benachrichtigung verschickt.


TikTok, Netzwerke und Videos posten – gemeinsam Regeln festlegen!

Grafik einer Familie und Schriftzug "Gemeinsam"

Lernmodule des Internet-ABC

Mit dem Internet-ABC können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind den richtigen Umgang mit Videos und Sozialen Netzwerken lernen. Gleichzeitig ist dies eine gute Gelegenheit, mit Ihrem Nachwuchs ins Gespräch zu kommen – und das ohne den erhobenen Zeigefinger!

Erklärstück von logo! (ZDF)

Das kurze Video der Kindernachrichtensendung logo! führt drei wichtige Sicherheitsregeln vor Augen. Schauen Sie es gemeinsam an und sprechen Sie über die Tipps.

Kurzvideos von TikTok zu Sicherheitseinstellungen

Haben Sie sich entschieden, Ihrem Kind TikTok zu erlauben? Dann sollten Sie zusammen die Einstellungen der App anpassen. Diese kurzen Videos zu den Sicherheitseinstellungen vom Anbieter in TikTok-typischer Aufmachung unterstützen Sie dabei.


Zahlen und Fakten zu TikTok

TikTok ist weltweit eine äußerst erfolgreiche App: Über 100 Millionen Mal wurde sie heruntergeladen (Stand April 2019). 6,5 Milliarden Videos werden dabei im Monat angesehen. (Quelle: t3n.de)

Auch in Deutschland ist die App sehr beliebt: Hier gibt es etwa 4,1 Millionen Nutzer (Stand November 2018, Quelle: socialmediawatchblog.de); die erfolgreichsten TikToker überhaupt waren die deutschen Zwillinge Lisa und Lena mit weltweit über 32 Millionen Followern (Quelle: omr.com). Laut der KIM Studie 2018 nutzen 12 Prozent der 6- bis 13-Jährigen TikTok mindestens einmal in der Woche.


TikTok-Checkliste für Eltern

Wenn Sie Ihrem Kind die Nutzung von TikTok erlauben möchten, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Begleiten und Regeln aufstellen
    Begleiten Sie die Nutzung stets aktiv und vereinbaren Sie Regeln. Überlegen und besprechen Sie gemeinsam ganz konkret, welche Inhalte Ihr Kind mit anderen teilen darf. Schauen Sie sich zusammen einige TikToks an und erklären Sie dem Nachwuchs, was ihnen gefallen oder aber gestört hat. Was ist in einem Video zu sehen? Was könnte passieren, wenn das Video öffentlich im Netz steht? Erklären Sie, dass eine freizügige Choreografie unangenehme Folgen haben kann, wenn jeder, insbesondere ungewollte Fremde, sie sehen können.
  • Privatsphäre wahren
    Achten Sie gemeinsam darauf, dass die Privatsphäre Ihres Kindes gewahrt bleibt. Das Profil bleibt "privat", auch wenn es damit wesentlich weniger Herzen/Likes gibt. Gegebenenfalls müssen die Einstellungen nach einer Aktualisierung der App neu eingestellt werden.
  • Die ersten Schritte immer gemeinsam gehen
    Behalten Sie einen Blick darauf, was Ihr Kind veröffentlicht, auch wenn dies im privaten Modus geschieht. Zumindest in der ersten Zeit sollten Kinder nur mit Ihrer Zustimmung ein Video veröffentlichen dürfen.
  • Ansprechpartner sein
    Hat Ihr Kind ein Video veröffentlicht, können fiese Kommentare, Spott oder mobbingähnliche Angriffe folgen. Kinder schämen sich oft, davon zu erzählen. Bauen Sie Vertrauen auf und bleiben Sie Ansprechpartner für Ihr Kind. Nutzen Sie die Meldefunktion, um Absender solcher Kommentare zu melden und zu sperren/blockieren. Stößt Ihr Kind auf unangenehme Videos, sollte es wissen, dass es mit Ihnen über das Gesehene sprechen kann.
  • Kosten im Auge behalten
    Vereinbaren, dass kein Geld für Extras/In-App-Käufe investiert wird. Oder einigen sie sich auf einen Maximalbetrag, der monatlich ausgegeben werden darf.

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1 Kommentar

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 19.07.2019]


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Butterfly 10.07.2019 21:47
Das ist mit der Zeit einfach alles zu billig, unappetlich und nicht verantwortungsvoll geworden In dieser App sollte es um Spaß gehen. Aber viele der Teilnehmer fordern einfach nur Aufmerksamkeit oder Bestätigung....und einiges davon fördert nicht wirklich die andere Teilnehmer. Aber es wird immer mehr auf andere Dinge geschaut, und das ist wirklich sehr sehr traurig!!! Ich schaue mir eigentlich nur Videos an, lade selber keine hoch... Aber was ich teilweise erleben bzw lesen muss... Das ist defenitiv nicht menschenwürdig bzw diskriminierend!!!! Lasst euch echt etwas einfallen....
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