"musical.ly" – Spaßfaktor mit eingebauten Fallen

Eine App begeistert immer mehr Kinder und Jugendliche – birgt aber auch Gefahren!

Logo der App; Bild: musical.ly
Logo der App; Bild: musical.ly

Wie die angesagten Stars zu singen und zu tanzen – das reizt die meisten Kinder und Jugendlichen. Mit der App "musical.ly" können sie sich nun mit einfachen Mitteln diesen Traum erfüllen und anderen zeigen, "was sie drauf haben".

Mit "musical.ly" kann man 15 Sekunden lange Musikvideos aufnehmen und per Netzwerk teilen. Diese sogenannten "Musicals" setzen weder musikalisches Talent noch Komponierkünste voraus. Denn "musical.ly" stellt angesagte Songs bereit, zu denen man Playback singen und performen kann. Die Videos können mit netten Effekten einfach bearbeitet und über Hashtags bestimmten Kategorien zugeordnet werden.

So treten die jungen Freizeit-Stars dann im Netzwerk vor die Augen der Öffentlichkeit. Im "musical.ly"-Jargon werden sie "Muser" genannt. Für besonders gelungene Musicals werden Herzchen vergeben. So entstehen Bestenlisten. Gelegentlich werden von Seiten der App-Betreiber auch Challenges ausgerufen, also Einsendungen von Musicals zu einem bestimmten Thema oder Song erbeten.

Konkurrenz für Instagram und Snapchat

"musical.ly" startete im Jahr 2015. Offiziell darf die App erst ab 13 Jahren genutzt werden. Es gibt aber keine Alterskontrolle, auch jüngere Kinder können die App problemlos herunterladen und nutzen.

Anfang 2017 hatte "musical.ly" weltweit bereits rund 200 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, in Deutschland alleine fast neun Millionen. Damit ist "musical.ly" auch ein ernsthafter Konkurrent für die bisher bei Kindern und Jugendlichen beliebten Netzwerke "Instagram" und "Snapchat" geworden und produziert inzwischen seine eigenen Stars. So etwa die Zwillinge Lisa und Lena mit mehr als drei Millionen Followern oder Lukas Rieger, den Kinder aus der Castingshow "The Voice of Kids" kennen.

Warum Kinder und Jugendliche "musical.ly" lieben, ist leicht zu verstehen. Den meisten macht es Spaß, Stars nachzuahmen und eine Bühne zur Selbstdarstellung zu finden. Und hier geht es nicht darum, perfekt zu sein wie die Vorbilder, sondern mit Witz und Spontaneität zu agieren. Auch Pannen, Grimassen oder schräge Verrenkungen können als Gags eingebaut werden. Hinzu kommt die Gewissheit, in der Gemeinschaft wahrgenommen und "geliked" zu werden.

Wermutstropfen: Datensicherheit

Doch wie immer gibt es den Spaß nicht ohne Wermutstropfen. Datenschützer üben Kritik an der App. Kritisch sind einige Standardeinstellungen, die man allerdings ändern kann. So sind die Konten grundsätzlich öffentlich, jeder kann die hochgeladenen Videos sehen und kommentieren. Das ist durchaus im Sinne der Nutzer und Nutzerinnen, die ja viele Herzchen als Likes bekommen wollen. Die App spielt die Videos jedoch auch automatisch auf anderen Netzwerken aus, so dass die Öffentlichkeit möglicherweise größer wird als gewünscht. Wer dies verhindern will, muss die Empfängerliste auf einen persönlichen Kreis beschränken.

Außerdem missfällt den Datenschützern, dass standardmäßig der Aufenthaltsort ausgelesen und anderen mitgeteilt wird. Auch die im Smartphone gespeicherten Telefonkontakte können ausgelesen werden. Die Datenschutzerklärung liegt nur in Englisch vor und informiert nicht vollständig darüber, welche Daten für welchen Zweck erhoben und an wen sie dann weitergegeben werden.

"musical.ly" kann teuer werden

Ungeklärt ist bisher, ob durch die Verwendung von Originalsongs Urheberrechte verletzt werden. Dies könnte teure Abmahnungen zur Folge haben. Hierzu gibt es von den Betreibern von "musical.ly" keine Aussagen.

Kinder können in weitere Fallen tappen: Zum einen kann man In-App Käufe tätigen, um Musern, die man bewundert, virtuelle Geschenke zu machen. Auf dem Bildschirm erscheinen dann Emoticons, auf den Konten der Beschenkten wird das dafür ausgegebene Geld (nach Abzug einer Gebühr für den App-Anbieter) gutgeschrieben. Zum anderen sind auch Betrüger mittlerweile aktiv und bieten Hacks an, die schnell zu mehr guten Bewertungen führen können. Über diese Seiten sind schon Endgeräte mit Viren infiziert worden.

... und die Tochter / der Sohn möchte trotzdem musical.ly nutzen?

Die Internetseite mobilsicher.de, gefördert vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, sagt ganz deutlich: Musical.ly ist nicht für Kinder geeignet. "Die App ignoriert Datenschutzanforderungen und verleitet zu unsicherer Handhabung." 

Also: Was tun, wenn Ihr Nachwuchs die App trotzdem nutzen möchte? 

Erläutern Sie ihrem Kind / Ihrem Jugendlichen die möglichen Gefahren und legen Sie gemeinsam Regeln fest. So sollte jedes Kind seine persönlichen Daten schützen und im Video nichts erzählen, was Rückschlüsse auf den Wohnort oder die besuchte Schule zulässt.

Grundsätzlich sollte bei der Medienerziehung gelten: Begleiten Sie Ihr Kind und bleiben sie mit ihm im Gespräch! Dies gilt für die ersten Schritten im Internet ebenso wie für alle folgenden Erkundungen neuer Möglichkeiten, die das Netz bietet. Bezüglich musical.ly kann dies zum Beispiel bedeuten:

  • Schauen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind die App genauer an.
  • Überlegen Sie zusammen, was die Datenschutzbestimmungen bedeuten.
  • Schildern Sie Ihrem Kind, welche Videos Ihnen dort unangenehm erscheinen und welche Bedenken Sie hätten, wenn Ihr Kind sich dort ebenso präsentieren würde.

Gerade bei Kindern und jüngeren Jugendlichen, aber auch um juristischen Ärger zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Clips nur im privaten Modus zu veröffentlichen. Dann werden die Videos zwar von weniger Menschen gesehen, man vermeidet aber Urheberrechtsverletzungen und ggf. Beleidigungen und Kränkungen, mit denen Jüngere oft nur schwer umgehen können. Auch das Recht am eigenen Bild sollte man im Blick haben und andere, die im Video zu sehen sind, vor der Veröffentlichung um ihre Zustimmung bitten.

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4 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 21.08.2017]


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lars 07.08.2017 13:32
ich bin ihrermeinung
kleebach 01.06.2017 12:56
^das ist das beste was es je gab+
Jan R. 21.05.2017 11:56
Man sollte noch erwähnen, dass es eine Live-Stream Funktion gibt, mit der jeder ,wie bei Snapchat, broadcaster kann. Zuschauer dürfen Nachrichten dazu schreiben. Als ich mir die Streams angesehen habe, waren dort einige ca. 10 Jährige, die , wie Bibi, Beaty-Produkte getestet haben und von ihnen unbekannten Zuschauern für ihr Aussehen gelobt wurden...
Enno 20.05.2017 20:26
Danke für die Hinweise.
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