Welche rechtlichen Vorgaben müssen Lehrer bei der Kommunikation über WhatsApp und Facebook bedenken?

Einstellungen Privatsphäre bei Facebook
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Dienstrecht

Die dienstrechtlichen Regelungen der Bundesländer geben vor, wie soziale Medien in der Schule genutzt werden dürfen und welchen Handlungsspielraum Lehrkräfte hierbei haben. Die Fragen, ob zum Beispiel eine Schule ein eigenes Facebook-Profil haben darf oder ob Hausaufgaben oder Schultermine über Soziale Netzwerke weiter gegeben können, werden dabei unterschiedlich beantwortet - eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht.

Das gilt auch für den Umgang von Lehrern und Schülern in Sozialen Netzwerken: In den meisten Fällen wird es in das Ermessen des Lehrers gestellt, ob er mit Schülern über Facebook und WhatsApp "befreundet" sein will bzw. mit ihnen über Gruppenchat kommunizieren möchte. Allerdings wird einheitlich auf ein "amtsangemessenes Verhalten" und eine "erhöhte Sorgfaltspflicht" in Sozialen Netzwerken hingewiesen.

AGB von Facebook und WhatsApp

Während die Nutzungsbedingungen von Facebook zur Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern keine Vorgaben machen, führen die AGB von WhatsApp an, dass Chats nur für den privaten Gebrauch bestimmt sind, eine berufliche Nutzung eigentlich nicht erlaubt sei.

Eine Lehrkraft sollte sich also gut überlegen, ob sie WhatsApp für die Besprechung von Hausaufgaben, Schulausflügen, Schulterminen, Vertretungsplänen oder Unterrichtsmaterialien, also Inhalte mit Schulbezug, nutzen möchte. 

Datenschutz 

Schulen müssen sich bei der Vermittlung von schul- oder personenbezogenen Informationen eines sicheren Kommunikationsmediums bedienen. Ob zum Beispiel Facebook als ein "sicheres Kommunikationsmedium" angesehen werden kann, ist zurzeit nicht gerichtlich entschieden. Auch wenn das Dienstrecht eine Verwendung sozialer Medien im schulischen Kontext gestattet, muss mit personenbezogenen Inhalten zu Schülern und zu allen Bereichen des schulischen Alltags verantwortungsvoll und sensibel umgegangen werden. 

Urheberrecht

Gerade die Weitergabe von Unterrichtsmaterialien kann zu urheberrechtlichen Problemen führen. Facebook lässt sich in den Nutzungsbestimmungen das Recht einräumen, Inhalte weiter verwenden zu dürfen. Bei den teilweise sehr strengen Nutzungsrechten von Unterrichtsmaterial lassen sich die meisten Arbeitsblätter, Kopien etc.  wohl nicht über Facebook- Gruppen oder Chats zur Verfügung stellen.   

Mindestalter beachten

Kommunizieren Lehrer mit Schülern über Facebook oder WhatsApp, sollten sie das Mindestalter bedenken, ab dem die Nutzung der Sozialen Netzwerke erlaubt ist. Bei Facebook beträgt es 13 Jahre, bei WhatsApp 16 Jahre. Auch wenn sich die Schüler selbst kaum an diese Altersvorgaben halten, spielt es für Eltern häufig eine wichtige Rolle.

Die EU-Datenschutzreform sieht außerdem vor, dass ab 2018 WhatsApp, Facebook und andere Soziale Netzwerke bis zu einem Alter von 16 Jahren nur mit Zustimmung der Eltern genutzt werden dürfen.  

Diskriminierung vermeiden

Alle Informationen, die für Schüler zur Gestaltung ihres Schulalltags notwendig sind, müssen diese auch ohne Nutzung von Facebook und WhatsApp erreichen können. Kein Schüler darf gezwungen sein, sich bei sozialen Medien anzumelden. 

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3 Kommentare

[Veröffentlicht oder aktualisiert am: 19.11.2018]


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Freie Messenger 18.11.2018 11:28
Neben dem Verbot von WhatsApp gibt es allgemeine Vorschriften zum Datenschutz an Schulen. Darüber hinaus ist anzumerken, dass Chatten (=Plaudern) den Charakter von “Gespräch” hat. Das wird oft übersehen. Chatten liegt näher an der “Telefonie” wie am Versenden von Briefen/E-Mail - an die ein ganz anderer Maßstab (z.B. auch Archivierungspflicht) anzulegen ist. Schulische Dokumente sollten deshalb auch nicht mittels eines Chatprogramms übermittelt werden. Auch versuchen manche technische (Insel-)Lösungen ein Weiterleiten oder Kopieren von Inhalten zu verhindern und suggerieren dadurch Rechtssicherheit. Das ist jedoch ein anderer (falscher?) Grundgedanke/Lösungsansatz, denn unerlaubtes Weitergeben oder Kopieren kann technisch nicht verhindert werden. Kurz: Alle Lösungen, die sich an die bisherige Rechtslage halten (z.B. kein unerlaubtes Hochladen von Adressbüchern) sind legal. Für mich stellt sich vielmehr die Frage, *wie* und *für was* Messenger genutzt werden können, um sich letztendlich rechtskonform zu verhalten.
Martin Kahles 18.09.2018 10:01
Ist denn die Kommunikation via SMS und Telefon von Lehrern mit Schülern mit vorheriger Einverständniserklärung der Eltern als unproblematisch zu betrachten? (Streng genommen dürfte der Lehrer dann aber keine Messenger-App besitzen, weil er damit automatisch Zugriff auf Metadaten hat!).
Andreas Müller 04.09.2018 20:17
Eine eigene Cloud würde helfen viele Kommunikationsaufgaben datenschutzrechtlich sauber angehen zu können. Beispiel 'nextcloud' (Deutsches Produkt, FOSS) Man nehme einen Linux Mint 19 ("Tara") PC (ist in 2-5 Minuten installiert) und tippe in ein Terminalfenster: sudo apt install snapd sudo snap install nextcloud Anschließend kann man sich unter http://localhost an die eigene Cloud anmelden! Hat die Schule einen dynamischen DNS Namen für den Router verfügbar, kann Sie die Cloud mit einem HTTPS-Zertifikat (kostenlos von Let's Encrypt) ausstatten und von außen erreichbar machen. Dazu muss wieder nur eine Zeile eingegeben werden: sudo nextcloud.enable-https lets-encrypt und vorher eine Portweiterleitung auf den internen Cloud-Server eingerichtet werden (Port 80 & 443). Lets Encrypt prüft über diese beiden Ports den Server und erstellt das Zertifikat, welches automatisch in das System übernommen wird. Anschließend ist die Cloud unter https:// erreichbar.

Schwerpunkt

Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts "Kommunikation mit Schülern über WhatsApp und Facebook?"

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